Psychologische Hilfe vor und nach der Geburt

Inga Erchova, Dipl.-Psychologin

Das Fremde in mir. Der Film.

Oktober31

Der Film „Das Fremde in mir“ von Emily Atef lief letzte Woche in Berlin an. Bei der Vorstellung mit anschließender Diskussion über das Thema „Wochenbettdepression“ war das Publikum davon begeistert, dass das „Tabuthema“ in einem Film zum ersten Mal angesprochen worden war. Auch die Filmmacher zeigten sich stolz. Doch manchmal macht der erste Schritt klar, wie lang und mühsam die bevorstehende Reise noch wird.

Es gibt immer noch wenig Verständnis für das Phänomen Postpartum; selbst unter Fachleuten. Die Frauen nach der Geburt sind destabilisiert, sie bekommen dünne Haut, weinen schnell und wirken „irrational“. Wir sind schnell dabei, diesen Zustand als krankhaft zu bezeichnen und nach Mitteln zu suchen, ihn möglichst schnell zu beseitigen, ohne ihn wirklich zu verstehen.

Jeder von uns trägt „Schattenseiten“ in sich – die wir nicht als eigene akzeptieren wollen, weil wir nicht stolz darauf sind, weil sie uns Angst machen oder weh tun. Wir verdrängen sie ins Unbewusste, doch auch da hören sie nicht auf zu existieren. Wenn das Kind geboren wird, kommt es aus dem tiefsten Inneren der Mutter und bringt diese Schattenseiten zum Tageslicht. So sitzt sie mit den 3,5 Kilo eigener Untiefen auf dem Arm, die untröstlich schreien, endlos fordernd sind, fremd wirken und anders als erwartet. Das ist die postpartale Depression. Nun geht es darum, ob sie Mut, Kraft, Herz und Neugier dafür aufbringt, diese Schattenseiten kennen zu lernen, anzunehmen und zu lieben. Mit unterstützender Begleitung kann es eine Chance sein, sich selbst wahrhaftig zu begegnen.

Interessanterweise geht es im Titel des Filmes „Das Fremde in mir“ genau darum. Doch im Film selbst wird der Zustand der Mutter, die ihr Kind nach der Geburt nicht annimmt, als eine schiere Hormonschwankung gesehen, etwas Willkürliches, rein körperliches, das mit der Mutter selbst nichts zu tun hat, etwas, das ja jeder von uns passieren könne, etwa wie eine Erkältung oder ein Unfall, ganz ohne Vorgeschichte oder Sinn.

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posted under Allgemein, Wochenbett
6 Comments to

“Das Fremde in mir. Der Film.”

  1. Am November 10th, 2008 um 17:59 Ingainga Says:

    “La maternidad y el encuentro con la propia sombra.” von Laura Gutman.

  2. Am November 10th, 2008 um 12:19 gordanagordana Says:

    Buchtip? Habe Dich als psycologin ja jetzt nicht mehr so nah. Danke, Gordana

  3. Am November 8th, 2008 um 20:21 Ingainga Says:

    Liebe Gordana,
    es klingt, als hätte ich dir etwas Angst gemacht, sorry das wollte ich nicht. Ich dachte nur, die Zeitschriften und Werbung sind voll mit unrealistischen Idealbildern und etwas Gegensatz schadet nicht.
    Du hast noch die wunderschönen wenn auch immer mehr anstrengenden 3 Monate vor der Geburt deines Kindes und die Beste Vorbereitung die du machen kannst ist nachzudenken: Wer bist du? Was willst du? Was war der rote Faden deines Lebens bisher? Wie wurdest du aufgezogen? Wie war und ist die Beziehung zu deiner Mutter? Das sind alles Themen die zum großen Teil in unserem Unbewusstheit leben. Die Geburt macht sie wieder aktuell und je mehr du über dich selbst weißt und versteht, desto freier und sicherer wirst du in der Beziehung zu deinem Kind. Ich wünsche dir viel Erleuchtung.
    Y mucho love a Barcelona.

  4. Am November 7th, 2008 um 15:29 gordanagordana Says:

    Viel arbeit has du schon in diesen Blog reingesteckt! Ich bin ja noch nicht so weit (6 Monate) und will mich nicht so sehr beinflussen lassen weder von den guten und weniger guten Tastachen un Gefuehlen.
    Habe allerdings eine Freundin die sehr leided gerade und auch Medikamente nimmt. Wie Du schon sagst, halt anders als in de Puppenstube. Alles, alles Liebe und bis bald. Gordana

  5. Am November 5th, 2008 um 10:46 Ingainga Says:

    hey steve,

    danke dir! der rss-button ist ganz unter auf der seite, tatsächlich etwas versteckt.

    von der postpartum depression sind laut verband “schatten und licht” (http://www.schatten-und-licht.de/index.html) 10 bis 20 prozent aller frauen betroffen.
    ich persönlich hatte so etwas wie ein schock, wie viel energie, aufmerksamkeit und völliger hingabe dieses kleine baby forderte und forderte und forderte. man kennt und lernt es vorher ja aus den puppenspielen der kinder und die realität ist dann doch ganz gewaltig anders.

  6. Am November 4th, 2008 um 00:16 Stephen RothmanStephen Rothman Says:

    Hi Inga,

    herzlichen Glückwunsch zu Deinem neuen Blog. Ich bin gespannt, zu sehen, wie es weiter geht. Es wäre toll, wenn man es als RSS Feed abonnieren könnte.

    Hast Du auch etwas wie Postpartum Depression erlebt. Weisst Du wieviele Mütter dieses durchmacht? Und kommt es eher beim ersten Kind vor?

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