In Vorfreude auf die Geburt.
Ich bin mit meinem zweiten Kind schwanger und erwarte es in einigen Wochen! Nur noch die Feiertage trennen mich vom großen Ereignis – die Geburt. Meine erste Tochter habe ich in Barcelona zur Welt gebracht. Oft denke ich an diese Erfahrung zurück und daran, welche Spuren sie hinterlassen hat – für mich, für meine Tochter, für unsere Beziehung und für unsere kleine Familie. Es war eine klassische „Krankenhaus-Geburt“ – in der Rückenlage, angeschlossen an den Tropf, betäubt und leise. Auch wenn alles unspektakulär und problemlos verlief, blieb ein verfälschtes Gefühl zurück, der Eindruck, etwas verpasst oder verschenkt zu haben. War das der Schmerz, die Selbstbestimmung, das Gefühl, es aus eigener Kraft geschafft zu haben?
Wir Frauen weigern uns es einzusehen, doch die Geburt, die wir hatten, erzählt immer etwas über uns selbst. Das ist die ehrlichste Situation, die man nur haben kann. Alle Masken fallen, unsere Vorstellungen darüber, wer wir sind (schmerztolerant, sportlich und gesund, bereit, jede Situation zu meistern etc.) verlieren plötzlich an Bedeutung. Es bleibt nur der schmerzende Körper und die nackte Seele, oft ganz anders, als wir sie zu kennen glaubten. Es geht nicht darum, es geschafft oder nicht geschafft zu haben, sondern das anzunehmen, was sowieso uns gehört – unsere Erfahrung des Gebärens. Nichts kann darüber hinwegtäuschen, es ist wie es ist und bleibt vielleicht das wichtigste Ereignis im Leben einer Frau.
Diesmal soll es eine Hausgeburt werden. Nun kommen die Fragen von Freunden und Verwandten: Gibt es einen Plan B oder ein Krankenhaus in der Nähe? Der Wunsch nach Kontrolle und Absicherung ist groß. Nur geht es bei der Geburt gerade darum, die Kontrolle zu verlieren, die Grenzen aufzulösen, sich zu öffnen und los zu lassen, weil die Geburt keine sportliche Leistung sondern seelische Offenbarung ist.
Es sind fast vier Jahre seit meiner ersten Geburt vergangen. Ob ich in meiner Selbstsuche und Selbsterkenntnis weiter gekommen bin, wird mir meine neue Geburt zeigen. Die Gelegenheit hat man nicht alle Jahre lang und ich freue mich auf die neue Begegnung mit mir selbst. Ich freue mich auch darauf, diesmal es selbst in der Hand zu haben, mir die Zeit zu nehmen, den Schmerz bis zum Schluss zu spüren und ihn als Geschenk zu sehen, weil er mich schützt, weil er mich führt, weil er mich die Kontrolle aufgeben lässt, weil er mich zum reißen bringt, sowohl körperlich als auch seelisch. Ich freue mich darauf, die Geburt in aller ihren Fülle erleben zu dürfen, mich ihr hinzugeben, es mit mir passieren zu lassen und zu erfahren, wer ich denn nun geworden bin.

Liebe Yvee, es freut mich sehr für dich! Sicher ist es im Krankenhaus möglich, bedarf aber glaube ich noch viel mehr Selbstbestimmung und Selbstvertrauen als zuhause, um sich gegen manchen Routinen durchzusetzen. Ich gratuliere dir!
Ich hatte diesmal das Gefühl, zum ersten Mal zu gebären, obwohl es meine zweite Geburt war. Als hätte es bei der ersten Geburt jemand anders für mich erledigt gehabt. Die Hausgeburt war für mich kein Spaziergang sonder ein heftiges Stück Arbeit. Ich lernte, dass mir Dinge nicht einfach in den Schoß fallen, sondern dass ich sie mir hart erarbeiten muss. Aber es lohnte sich. Am Ende alles Gut – das Kind und die Mutter sind wohl auf. Und ich freue mich auf den Tag, wenn ich meiner Tochter erzählen kann “Schau mal, in dieser Badewanne bist du zur Welt gekommen.”
Nun ist die Kleine da! Herzlichen Glückwunsch, noch mal. Schreibst Du uns über diese “andere” Erfahrung? Es würde mich interessieren und kann nur selbst bestätigen, dass eine Geburt einen selbst zeigt, wie man ist. Auch in manchen Krankenhäuser ist das möglich. Ich hatte das Glück!