Psychologische Hilfe vor und nach der Geburt

Inga Erchova, Dipl.-Psychologin

Kinder-Tyrannen.

November10

und die Bedeutung der Kommunikation.

Der Alltag mit Kindern ist oft weit davon entfernt so zu sein, wie wir uns das harmonische Zusammenleben von Eltern und ihrem Nachwuchs einmal erträumt haben. Viele einfache Alltagssituationen – wie Sich Anziehen, Essen oder Ins-Bett-gehen – werden zu einem scheinbar unlösbaren Kampf der Wünsche: Eltern möchten pünktlich zum Kindergarten und dann zur Arbeit kommen, Kinder wollen endlos herum trödeln. Eltern wollen ein gemeinsames Familienessen am Tisch genießen, Kinder wollen das Spielen für das Essen nicht unterbrechen. Eltern wollen ein paar Stunden abends für sich haben, Kinder machen aus dem Ins-Bett-geh-Ritual einen Marathon, usw.

Dieses Dilemma trifft auf verschiedene Umgangsformen der Eltern, wie z.B.:
1. Nein heißt nein! Eltern machen deutlich, wer der Herr im Haus ist, nehmen dem Kind jegliches Recht darauf, Kind zu sein, missachten seine Bedürfnisse und setzen sich durch. Das fällt ihnen leicht, denn ein Erwachsener ist in seinen Kräften einem Kind weit überlegen. Das passiert natürlich unter der Prämisse, das „pädagogisch Sinnvolle“ zu tun, denn sie wissen besser, was das Kind wirklich braucht – Grenzen, Regeln und „starke“ Eltern. Bald werden diese Kinder vergessen, was sie eigentlich wollten und zu Erwachsenen aufwachsen, die immer noch nicht wissen, was sie aus ihrem Leben machen sollen, denn sie haben nie eine Chance gehabt, es heraus zu finden.

2. Man kann es dir nicht recht machen. Ein anderes Extrem ist, wenn unreife Eltern ihre eigenen Bedürfnisse nicht wahrnehmen und dem Kind in der Ich-Form kommunizieren können, weil sie sie für nicht wichtig halten oder aus einer oben beschriebenen Familie kommen. Kinder solcher Eltern lernen nicht, dass andere Menschen ebenfalls Bedürfnisse haben, denn sie wurden ihnen nie kommuniziert. Sie bekommen nur Pöbel oder Ausreden, wenn ihre Wünsche unerfüllbar sind, doch selten eine sinnvolle Erklärung, warum das so ist. Solche Kinder bitten nicht mehr, sondern sie fordern, fordern und fordern, und werden zu dem, was wir als Tyrannen bezeichnen.

Dabei kommt es im Alltag mit Kindern darauf an, ihre Bedürfnisse zu respektieren und die eigenen in der Ich-Form zu kommunizieren: Ich möchte heute gerne pünktlich zur Arbeit kommen, denn es ist mir wichtig, mit meinen Kollegen (anderen Mamas und Papas) zusammen anzufangen. Ich habe für dich etwas Leckeres gekocht und möchte es mit dir zusammen kosten. Ich habe heute einen anstrengenden Tag gehabt und möchte gerne noch etwas alleine ein Buch lesen, während du schon schläfst. Wenn wir dem Kind unsere echten Gefühle kommunizieren, helfen wir ihm, uns besser zu verstehen und vermitteln, dass wir es wert sind, ebenfalls beachtet zu werden.

2 Comments to

“Kinder-Tyrannen.”

  1. Am Februar 22nd, 2010 um 11:20 inga Says:

    Wir unterschätzen unsere Kinder oft in ihrer Fähigkeit, Dinge zu begreifen, weil wir Erwachsene davon ausgehen, dass Intelligenz und rationales Denken der einzige Weg ist, Erfahrungen zu vermitteln. Kinder sind dagegen in der Lage, intuitiv und unbewusst die Gefühlslage der Eltern aufzuspüren, ganz egal, ob wir davon erzählen oder nicht. Durch unseres Erklären vermitteln wir zusätzlich, dass wir mit unseren Kindern in Kontakt treten, sie ernst nehmen, auf ihre Auffassungsgabe vertrauen und – am wichtigsten – dass wir unsere Gefühlswelt nicht von ihnen verschließen.

  2. Am Januar 23rd, 2010 um 22:21 Schreibabys.com Says:

    Ich denke um ein Kind „kindgerecht“ erziehen zu können braucht es einiges an Lebenserfahrung und Ressourcen von seiten der Eltern.

    Man kann schließlich nichts vermitteln was man nicht kennt. Oder besser gesagt, kann man das nicht „wahrheitsgemäß“ vermitteln.

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