Psychologische Hilfe vor und nach der Geburt

Inga Erchova, Dipl.-Psychologin

Persönliches Wachstum durch die Mutterschaft.

Juli5

Vieler Frauen, die schwanger werden, sehen trotz aller Freude den herankommenden „Einschränkungen“ mit Bedauern entgegen. „Ich habe doch nicht dafür studiert und Karriere gemacht, um Mama zu sein. Ich werde versuchen, so schnell wie möglich wieder zu arbeiten.“ Oder „ich hoffe, ich verschwinde danach nicht komplett von der Bildfläche und verdumme nicht ganz durch die Zeit zuhause.“ Wir lassen die Außenwelt den größten Teil unserer Persönlichkeit ausmachen – die Arbeit, die Anerkennung, das Aussehen. Wir haben das Gefühl, durch die Mutterschaft unsere Persönlichkeit zu verlieren, ein Niemand zu werden, weil wir nicht gewohnt sind, in unserer Innenwelt zu leben.

Ich möchte nicht missverstanden werden. Ich bin dafür, dass Frauen ihren Berufen und Berufungen nachgehen, das tue ich auch und finde es wichtig. Ich möchte nur nicht die Mutterschaft und die Zeit zuhause als etwas sehen, was uns Frauen aufhält, verlangsamt oder verunstaltet. Ganz im Gegenteil.

Die Geburt und die Zeit nach der Geburt, die ersten Schritte in der Beziehung zum eigenen Kind sind eine einzigartige Gelegenheit im Leben einer Frau, sich selbst wahrhaftig kennen zu lernen. Das sind Grenzerfahrungen, die von der Intensität, wenn man ihnen mit offenem Herzen und Augen begegnet, jede berufliche Herausforderung leicht in den Schatten stellen können. In dieser Zeit erweitert sich der Blickwinkel auf unseren Schatten – die unbewussten Seiten unserer Persönlichkeit. Der Schatten spiegelt sich in dem, wie wir die Geburt und die Zeit danach erleben, aber vor allem in der Beziehung mit unserem Kind. Unsere Kinder halten uns den Spiegel vor. Es erscheint so schwer, Kinder groß zu ziehen, nicht weil man sie viel wickeln oder tragen muss, sondern weil sie uns mit unserem Schatten konfrontieren – Seiten, die wir nicht mögen, die uns weh tun, die wir nicht als eigene anerkennen wollen. Es erfordert viel Mut und liebevolle Unterstützung, dem eigenen Schatten zu begegnen. Doch wenn wir das tun, integrieren wir neue Seiten von uns und werden kompletter. Alte Konflikte lösen sich, die Partnerschaft bekommt neue Impulse, viele Alltagssituationen werden nach ihrem wahrem Maß gemessen.

Deswegen sind die 1-2 Jahre nach der Geburt keine Zeit der Degradierung, sondern die Zeit des persönlichen Wachstums, wenn wir sie so nutzen. Wir verändern uns. Wie vorher sein zu wollen, würde bedeuten, nur mit einer Hälfte weiter laufen zu wollen. Danach sind wir anders – reifer, erwachsener, vollkommener.

Bild Quelle: Flickr.

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4 Comments to

“Persönliches Wachstum durch die Mutterschaft.”

  1. Am November 29th, 2010 um 10:34 sapphinessapphines Says:

    Vielen Dank für die berührenden Worte.
    Es hilft sehr diese Themen auf diese Art und Weise zu lesen, wie Du sie schreibst. Immer noch nicht wird der Mutterschaft und der Frau als Frau und ihrer Rolle als Mutter genügend Wert entgegengebracht. Das macht es oft immer noch schwer sich positiv damit zu identifizieren und sich eben nicht degradiert und aussen vor zu fühlen. In unserer intellektuell, männlich-und leistungsorientierter Gesellschaft die Mutterschaft als Stärke und nicht als Verlust von Freiheit, Unabhängigkeit und Identität (Beruf) ist wirklich nicht einfach. Deswegen sind deine Texte sehr hilfreich und wunderschön.
    liebe Grüße

  2. Am Januar 23rd, 2010 um 21:51 Schreibabys.comSchreibabys.com Says:

    sehr schöner Artikel, werde auf jedenfall öfter mal vorbeischauen hier

  3. Am August 2nd, 2009 um 13:07 Ingainga Says:

    das freut mich! leider kann ich nicht besonders oft etwas posten. ich schaue auch in deinem blog vorbeit. liebe grüße!

  4. Am August 2nd, 2009 um 12:30 IchbinimmerichIchbinimmerich Says:

    DANKE – viele bewegende Themen, viel Lese- und Nachdenkestoff, ich werde öfter reinschauen!

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