Psychologische Hilfe vor und nach der Geburt

Inga Erchova, Dipl.-Psychologin

Stillen wie die Löwin.

Dezember5

Wenn wir vom Stillen sprechen, dann sprechen wir meistens über wie oft, wie lange, Positionen, Techniken oder Stellungen, doch selten über Liebe. Dabei wenn wir lieben, ist es uns völlig egal, wie oft und wie lange, oben oder unten. Wenn wir lieben, dann denken wir überhaupt nicht, sondern fühlen, uns einander nähern, fusionieren. Genau so ist es auch beim Stillen. Die Mutter und das Baby sind eins, ihre Körper sind verbunden, die Flüssigkeiten fließen, das ist das Leben in seiner nackten Form.

Alles was wir brauchen, um Stillen zu können ist Intimität, Zeit und Ruhe. Die Milch ist nicht nur Nahrung, sondern Liebe, Kommunikation, Nähe, Wärme, Zuwendung, Unterstützung, Fürsorge. Wenn man das Stillen so sieht, erscheint es völlig absurd, dem Kind die Brust zu verweigern, weil es ja schon satt ist oder „nur“ Aufmerksamkeit braucht. Wenn wir unseren Mann um eine Umarmung bitten, ist es auch nur Aufmerksamkeit?

Beim Stillen sind wir der Mutter Erde und unseren Wurzeln als Säugetiere am nächsten. Wir sind wild und stark wie die Löwin, Katze, Hündin oder Wölfin . Das Stillen fällt leicht, wenn wir uns von all den sich widersprechenden Tipps und Produktempfehlungen frei machen. Stillen muss nicht gelernt werden, wir müssen uns nur daran erinnern – in den tiefsten Kontakt mit sich selbst zu treten, die Masken ablegen und all die Vorstellungen darüber, was wir sein müssen oder dürfen. Stillen zu können ist ein Segen, unser Kind satt und zufrieden zu sehen, den Geruch und die Zartheit seiner Haut zu spüren, mit ihm eins zu sein. Beim Stillen geht es eigentlich nicht ums Ernähren, sondern vor allem um das Zusammen-Sein.

nursing
Bildquelle: Flickr

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5 Comments to

“Stillen wie die Löwin.”

  1. Am Dezember 3rd, 2010 um 20:11 Inga Says:

    Liebe Connie, eigentlich will ich Frauen eher Mut machen, gerade und besonders die Schwierigkeiten während der Mutterschaft als einmalige Chance zu sehen, persönlich weiter zu kommen. Welchen Weg letztendlich die Frau wählt, ist natürlich ihre eigene Entscheidung. Kinder werden auch mit der Flasche groß, keine Frage und es geht gar nicht darum. Die Sache ist nur, dass wenn wir uns selbst nicht kennen und verstehen, tragen wir unbewusst unsere persönlichen Probleme auf Kosten von anderen Menschen aus, und ganz besonders auf Kosten unserer Kinder. Wir brauchen nur unsere eigenen Eltern anzuschauen, um zu verstehen, dass es so ist. Es geht gar nicht darum, perfekte Mutter zu sein, sie gibt es sowieso nicht. Ich glaube bloss, dass es eine Verpflichtung unseren Kindern gegenüber ist, uns selbst besser kennen zu lernen, damit wir sie für unsere Probleme nicht „benützen“ müssen und sie in Frieden wachsen und gedeihen lassen können. Ist es nicht ein gutes Ziel?

  2. Am Dezember 3rd, 2010 um 09:35 Connie Says:

    Seid mir nicht böse, aber Eure Kommentare sind genau solche, die junge und unerfahrene Mütter in die Verzweiflung treiben können. Durch die Mutterschaft können wir erst herausfinden, wer wir wirklich sind? Na herzlichen Glückwunsch. Und was hast Du gemacht, BEVOR Du Mutter wurdest, Inga? Ich liebe mein Kind über alles, und natürlich lernt man neue Seiten an sich kennen, wenn man Mutter wird, aber das andere ist hoffentlich auch noch da und wird gewürdigt.
    Ich kann diese ganzen Huldigungen wirklich nicht mehr hören, auf diese Weise werden Frauen bis aufs Äußerste psychisch und emotional unter Druck gesetzt, bei denen am Anfang der Mutterschaft Schwierigkeiten auftreten, die nicht stillen können o.ä. Denen wird dann subtil oder weniger subtil von Hebammen u.a. klar gemacht, dass irgendetwas mit ihnen nicht stimmt, dass sie keinen Mutterinstinkt haben etc. Letzeren gibt es übrigens nicht, dazu bitte Frau Badinter lesen!

  3. Am Februar 16th, 2009 um 18:03 Vatertier Says:

    Liebe Hannah, liebe Inga,

    interessant ist die Lavazza-Anzeige noch in (mindestens) einer weiteren Hinsicht: Die säugende Frau ist nicht nur wild, sie ist auch nicht die leibliche Mutter der properen Kinder. Sie hat sie – im Wortsinne – mutterseelenallein gefunden und zieht sie jetzt groß. Und den Kindern scheint es nicht zu schaden, so rund und zufrieden wie sie aussehen!

    Genau das ist die Legende von Romulus und Remus, die Gründer Roms, auf die diese Anzeige Bezug nimmt. Gezeugt in einem Vergewaltigungsakt (der Kriegsgott Mars vergewaltigte die Priesterin Rhea), wurden die Zwillinge ausgesetzt und von einer Wölfin gesäugt; ein Specht brachte zusätzliche Nahrung. Später gründeten die Zwillinge Rom.

    Also – Stillen hin oder her: Diese Anzeige verweist darauf (wie bewusst es den Machern auch immer gewesen sein mag…), dass es so gar nicht auf die biologische Mutterschaft ankommt, sondern darauf, Kindern sozial und psychologisch gerecht zu werden – und sie mit Nahrung zu versorgen. In welcher Konstellation auch immer. Und sei es „unter Wölfen“… 🙂

    Liebe Grüße

  4. Am Dezember 19th, 2008 um 14:28 inga Says:

    Wir fühlen uns nach der Geburt so destabilisiert, weil das womit wir uns bisher so leidenschaftlich identifiziert hatten – der Name auf der Visitenkarte, unser schickes Kostüm, der Firmenwagen oder Miles-and-more Karte – fallen auf einen Schlag weg. Wir haben das Gefühl, damit auch unsere Persönlichkeit verloren zu haben. Wir befürchten, wenn wir die ganze Zeit nur mit dem Kind verbringen, verschwinden wir ganz von der Erdoberfläche. Daher zwingen wir uns krampfhaft so schnell wie möglich wieder in die enge Hose rein, versuchen so schnell wie möglich „rauszukommen“ damit wir wieder ein „Jemand“ sind.
    Dabei können wir durch die Mutterschaft erst herausfinden, wer wir wirklich sind, Seiten von uns entdecken, von denen wir vergessen haben, dass sie existieren – subtile, unaussprechbare, animalische und magische. Wenn wir unsere Kinder mit Liebe nähren, tun wir mehr für diese Welt als in manchen sinnlosen Meetings.

  5. Am Dezember 18th, 2008 um 20:17 Hannah Says:

    Liebe Inga,
    Vielleicht lebe ich in einer anderen Welt als Du. Hier jedenfalls gibt es keine Ärzte, die empfehlen, ein Kind nur alle drei Stunden zu stillen. Im Gegenteil, meiner hat mir sogar davon abgeraten mein Kind 4 Stunden fremd betreuen zu lassen, weil das wie er sagte, der Anfang vom Abstillen sei. Das stimmte nicht – ich habe meine Große noch viele Monate weiter gestillt. Ich habe damals lange nach einer Empfehlung für einen sinnvollen Rhythmus zum Stillen gesucht und fand es dann sehr hilfreich zu wissen, dass ich mein Baby nicht alle Stunde Stillen muss und auch nicht stundenlang. Wenn ein Baby nämlich satt ist, schreit es vielleicht tatsächlich, weil es Aufmerksamkeit will, aber da ist kein „nur“ wie Du schreibst, sondern auch das ist ein wichtiges Bedürfnis, was nicht unbedingt mit der Brust „ruhig gestellt“ werden sollte. Außerdem muss eine Mutter wissen, wann sie anderen die Babyfürsorge überlassen kann, damit sie sich selbst und auch ihren älteren Kindern gerecht werden kann und schließlich will ja auch der Vater mal was für sein Baby tun. Ich finde die Lavazza-Werbung aus einem anderen Grund interessant: weil das Bild genau nicht die heimelige und exklusive, also den Vater ausschließende, Intimität der Adventa, Stilleinlagen und Baby-Walz-Werbung vermittelt. Diese Frau hat bestimmt nicht immer Zeit und Ruhe, aber sie stillt trotzdem. Und das ist ja die nur selten genannte Wahrheit beim Stillen: Es ist einfach unglaublich praktisch. Oder wie meine Schwägerin, Vorstandsmitglied eines großen deutschen Unternehmens, sagt: „Wenn ich meine Kinder nicht gestillt hätte, hätte ich niemals meine Karriere so weiterverfolgen können.“ Sie hat drei Kinder und alle zwei bzw. eins sogar drei Jahre gestillt.

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