Psychologische Hilfe vor und nach der Geburt

Inga Erchova, Dipl.-Psychologin

Stillen wie die Löwin.

Wenn wir vom Stillen sprechen, dann sprechen wir meistens über wie oft, wie lange, Positionen, Techniken oder Stellungen, doch selten über Liebe. Dabei wenn wir lieben, ist es uns völlig egal, wie oft und wie lange, oben oder unten. Wenn wir lieben, dann denken wir überhaupt nicht, sondern fühlen, uns einander nähern, fusionieren. Genau so ist es auch beim Stillen. Die Mutter und das Baby sind eins, ihre Körper sind verbunden, die Flüssigkeiten fließen, das ist das Leben in seiner nackten Form.

Alles was wir brauchen, um Stillen zu können ist Intimität, Zeit und Ruhe. Die Milch ist nicht nur Nahrung, sondern Liebe, Kommunikation, Nähe, Wärme, Zuwendung, Unterstützung, Fürsorge. Wenn man das Stillen so sieht, erscheint es völlig absurd, dem Kind die Brust zu verweigern, weil es ja schon satt ist oder „nur” Aufmerksamkeit braucht. Wenn wir unseren Mann um eine Umarmung bitten, ist es auch nur Aufmerksamkeit?

Beim Stillen sind wir der Mutter Erde und unseren Wurzeln als Säugetiere am nächsten. Wir sind wild und stark wie die Löwin, Katze, Hündin oder Wölfin . Das Stillen fällt leicht, wenn wir uns von all den sich widersprechenden Tipps und Produktempfehlungen frei machen. Stillen muss nicht gelernt werden, wir müssen uns nur daran erinnern – in den tiefsten Kontakt mit sich selbst zu treten, die Masken ablegen und all die Vorstellungen darüber, was wir sein müssen oder dürfen. Stillen zu können ist ein Segen, unser Kind satt und zufrieden zu sehen, den Geruch und die Zartheit seiner Haut zu spüren, mit ihm eins zu sein. Beim Stillen geht es eigentlich nicht ums Ernähren, sondern vor allem um das Zusammen-Sein.

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Bildquelle: Flickr