SPD und Olaf Scholz: Nüchtern vor dem Inferno?

Olaf Scholz ist sich siegessicher und sieht sich schon im großen Amt. Doch wie wirken seine Wahl-Kommunikation und er als Person? Ist sein Erfolg wirklich nur das Ergebnis der gekonnten Werbekampagne?

Die Plakate der SPD heben sich wahrhaftig von den übrigen auf. Auffällig ist die rote Farbe im Hintergrund – nicht etwa Rot wie die Ampel oder Feuerwehr. Nein, dieses Rot ist anders, – es brennt förmlich, es leuchtet, es strahlt Hitze aus. Man sieht regelrecht die brennenden Wälder im Hintergrund, spürt die Hitze und die Gefahr, sodass man fast davonlaufen will.

Und Scholz? Er sitzt vor dieser brennenden Kulisse entspannt und gelassen, mit verschmitztem Lächeln im Gesicht, in Schwarz-Weiß.

Die Schwarz-Weiß-Abbildung soll im Kontrast zu lichterloh im Hintergrund wahrscheinlich die Nüchternheit des Kandidaten betonen, seinen kühlen Kopf, die Unaufgeregtheit. So der Plan der Strategen. Doch es wirkt eher realitätsfremd, ausgestiegen, Attrappen artig. Gerade in Kombination mit den verzerrten Körperproportionen: Seine Hände wirken vergrößert, der Kopf dagegen wirkt kleiner und die Schulter schmaler. Verzerrte Proportionen vermitteln verzerrte Einschätzungen des Politikers, seine Entgleisungen. Er soll es anpacken, heißt es. Wird er es aber schultern können?

Die vermeintlich nüchterne Natur des Kandidaten scheint sein Trumpf zu sein, worauf viele reinfallen. Doch die Nüchternheit ist trügerisch und hat ihre Kehrseite. Scholz ist mit seinen spitzzüngigen Sprüchen mehrfach aufgefallen, wie z. B. „Wir waren gerne eure Versuchskaninchen“, – sagt er zu den Impfskeptikern, womit er die Rüge von Laschet kassiert hat. Oder „Niemand ist (nach der Impfung) zum Alien geworden“ wieder zu den Impfskeptikern, verschmähend dabei die Sachlage zu den Nebenwirkungen in manchen Fällen mit tödlichem Ausgang. Hier offenbart sich Scholzes saloppe Seite, die ihn immer wieder in die Schieflage bringt. Jeder „Wums“ ist eben ein unkontrollierter Hieb, kein mäßiger Schritt.

Im letzten TV-Triell, vom Konkurrenten in die Defensive getrieben, leuchteten vor Aufregung seine Ohren rot. „Ach, Scholz ist ja doch ein Mensch“ – schrieb darauf hin die Presse. Man kann seine Kehrseite eben nicht ewig verbergen, früher oder später kommt sie zum Vorschein. So kann es mit vermeintlich ruhigem Scholz doch ganz schön brenzlig werden, wie der Hintergrund der Plakate schon richtig andeutet.

Sein Werbespot ist wie ein verfilmter Lebenslauf, in dem seine Stationen und „Errungenschaften“ minutiös aufgezählt werden. Auch das soll nüchtern und sachlich daherkommen. Fast bin ist davon überzeugt worden, nur lässt die geschauspielte Art zu sprechen am Schluss wieder Misstrauen in mir wachsen.

„Scholz packt das an“, verspricht die Werbung, doch man darf mit Scholz Entgleisungen, Verwicklungen in Skandale, Seitenhiebe und Lösungsversuche mit Bazooka erwarten, das ist meine persönliche Prognose.