Wir Menschen sind so gemacht, dass es für uns keine „objektive“ Realität gibt, sondern eine einzige Projektionsfläche. Wir projizieren unsere Wünsche, Ängste, Widerstände auf das, was uns widerfährt. Wir erleben praktisch nur das, was in uns selbst drin steckt, unbewusst natürlich, mit der Illusion der „objektiven“ Realität.

Und so ist eine Pandemie längst keine Pandemie mehr, sondern eine Religion, in der es Gläubige gibt und Leugner. Eine Impfung ist keine Medizin, sondern eine heilige Kommunion, mit der wir uns bekennen und bekehren lassen. Eine Impfkampagne dient nicht unserem Schutz (wozu sollen sich dann die Genesenen und die Kinder impfen lassen?), sondern sie ist ein Kreuzzug gegen den sich quer stellenden, nicht einlenken wollenden Teil der Bevölkerung. Gleichzeitig will man diejenigen schnell in die eigenen Reihen ziehen, die noch nicht kritisch genug sind – Kinder.

Dass die vorgeschriebenen Tests ab dieser Woche eine Menge Geld kosten, hat wohl die Absicht, den „Trotzkindern“ wehzutun, sie weiter auszuschließen, damit sie aus dem Weltbild am liebsten ganz verschwinden. Es ist unerträglich zu sehen, wie jemand so sehr für seinen Willen kämpft. Wir kennen es alle aus der Kindheit: „Du darfst dein Zimmer erst wieder verlassen, wenn du nicht mehr schreist/ nicht mehr weinst/ nicht zickst und das tust, was von dir verlangt wird.“ „Ich bin wieder lieb Mama,“- sagten wir dann reumütig und entschuldigten uns für etwas, was wir nicht einmal verstanden hatten. Zurückgeblieben sind die gebrochene Seele, eingefrorenen Gefühle, heruntergeschluckte Wut, lähmende Ungerechtigkeit, Scham und Schuldgefühl.

Das Perfide ist, dass dem Kind suggeriert wird, dass es sich selbst in diese Situation gebracht hat. Es wüsste ja, wie es sich zu verhalten hat – lieb, brav, stets gut gelaunt und konform. Es wird ihm eine „Freiheit“ suggeriert, die in Wirklichkeit eine Erpressung ist. Um Liebesentzug und Ausgrenzung zu vermeiden, muss das Kind seine Gefühle ausblenden, sie einfrieren, sich von ihnen distanzieren und auf sein wahres authentisches Ich verzichten. Es wird zur Marionette und verleumdet sich selbst. Das Gleiche passiert heute auf der kollektiven Ebene: Die Ungeimpften haben ja die „Freiheit“ zu entscheiden: hohe Kosten für die Tests oder ein kostenloser Piecks. Na, wie frei fühlt man sich bei diesem „Deal“?

Alles ist nur eine Projektionsfläche, auch diese Pandemie. Darin offenbaren sich unsere Ängste nicht vor dem Virus, sondern vor der Einsamkeit, vor ausgeschlossen werden, vor Liebesentzug und einsamem Zimmer, in dem wir solange alleinbleiben müssen, bis wir uns fügen. Solange das Trauma unbewusst bleibt, wird es sich immer und immer wieder wiederholen, bis es ins Bewusstsein dringt. Die Pandemie könnte uns beim Bewussteren alter Verletzungen weiterbringt, doch es sieht für mich nicht danach aus, als würden wir als Gesellschaft die Chance ergreifen.