Psychologische Hilfe vor und nach der Geburt

Inga Erchova, Dipl.-Psychologin

Die Wurzeln der Sucht.

Februar10

Vielleicht erscheint es für einige von uns entlastend, für andere – erschreckend – zu wissen, dass eine Sucht – egal nach welcher Substanz oder Gefühl – nicht erst im Erwachsenenalter entsteht. Sie etabliert sich während der frühen Hilflosigkeit, das heißt in der Zeit als wir noch keine Fähigkeiten besaßen, über unser Leben selbst zu bestimmen und darauf angewiesen waren, was unsere Mutter oder die Ersatzperson mit uns macht. Genau so, wie wir früher in der „Gewalt“ der anderen Person waren, befinden wir uns heute in der Gewalt von Alkohol, Nikotin oder Adrenalin und können selbst nicht über uns bestimmen. Wir bleiben, ohne es zu wissen, gefangen vom unbefriedigten Grundbedürfnis nach Nähe und Geborgenheit.

Das tragische ist, dass egal wie viel von der Rauschsubstanz wir zu uns nehmen, werden wir das zugrunde liegende Problem – die Abwesenheit der Mutter – nicht lösen können, es bleibt eine alte Geschichte. Deswegen kann man eine Sucht nicht mit Abstinenz oder Kontrolle besiegen. Das macht die Sache nur noch schlimmer – nicht nur die Mutter wird uns verwehrt, sondern auch noch die Ersatzbefriedigung.

Der Weg aus der Sucht kann nur folgen über die Suche nach der persönlichen Wahrheit und durch das Verstehen, warum es uns in Wirklichkeit geht, wenn wir so verzweifelt zum Stoff greifen. In dem Moment sind wir so beschäftig mit unserer eigenen Hilflosigkeit, dass wir nicht in der Lage sind, Bedürfnisse anderer wahrzunehmen. In dieser Hinsicht sind süchtige Menschen egoistisch, weil sie ihre Bedürfnisse über die der anderen Menschen stellen, vielleicht sogar ihrer eigenen Kinder. Wenn wir aufhören, die Geister der Vergangenheit zu jagen, nach Mama zu rufen und anerkennen, dass wir heute keine hilfslosen Kinder mehr sind und über mehr Ressourcen verfügen als damals, wenn wir die Augen für Wünsche der anderen öffnen, werden wir jede Sucht überwunden haben.

giantbubble1

One Comment to

“Die Wurzeln der Sucht.”

  1. Am November 8th, 2012 um 19:48 Laika Says:

    Aber leider kann uns Sucht umbringen, bis wir diese Erkenntnis gewinnen. Abstinenz löst den Grundkonflikt nicht, verschafft uns aber wertvolle Zeit! Lebenszeit!

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