Kinderfilm für einen leichteren Umgang mit dem Tod.

Der Tag der Allerseelen, an dem in der katholischen Kirche an die Verstorbenen gedacht wird, schleicht eher unbemerkt an unserem Alltag vorbei. Wer denkt hier schon gerne an den Tod? Anders ist in Mexiko. Dort zelebrieren am 2. November die Menschen bunte Feierlichkeiten zum “el día de los muertos” (Tag der Toten), vom Trübsal und gedämpfter Stimmung ist dabei keine Spur. Es ist tatsächlich ein Feiertag: die Verstorbenen und ihr Leben werden mit Musik, Tanz und Essen gefeiert. Skelette sind allgegenwärtig, verziert mit Blumen und bunten Farben.

Der Tod ist ein schwieriges Thema für die meisten von uns. Wohl wissend, dass der Tod unmittelbar zum Leben dazugehört, blenden wir ihn im Alltag aus und leben so, als wären wir unsterblich. Auch mit Kindern können wir schwer über ihn reden. Irgendwann im Alter von ca. 3 Jahren begreifen Kindern instinktiv, dass das Leben nicht unendlich dauert: sie erleben Pflanzen, die verwelken, tot getrampelte Insekten auf de Straße oder Todesfälle in der Familie. Sie stellen uns Fragen, haben Angst, uns zu verlieren oder selber zu sterben. Doch der Abschied aus dem Leben hat auch gewisse Faszination. Ich kann mich noch erinnern, dass ich als Kind vom eigenen Tod genüßlich geträumt hatte und die Vorstellung genoß, wie alle mich vermissten und um mich weinten. Ja, der Tod macht das Leben nicht selbstverständlich und die Menschen, die sich seines Todes bewußt sind, genießen ihr Leben mehr, als wäre es der letzte Tag.

Genau der Tag der Toten steht als Sujet-Hintergrund des Kinderanimationsfilmes “Manolo und das Buch des Lebens”. Manolo ist ein junger Mann – ein Pazifist aus der Familie der Toreros, die seit Generationen im Stierkampf kämpfen. Manolo bricht mit der Tradition seiner Vorfahren, er verzichtet auf sinnloses Töten der Stiere und wird von seiner Familie dafür verachtet. Manolo stirbt und trifft in der Unterwelt auf all die Stiere, die seine Verwandten über Jahrzehnte getötet hatten. Eine blutige Abrechnung naht. Doch statt zu kämpfen entschuldigt sich Manolo für die Taten seiner Vorfahren, als ob es seine wären. Er singt ein Lied. Ganz nebenbei wird die versöhnende Kraft einer Entschuldigung demonstriert, die jeden Kampf überflüssig macht. Der Film ist darüberhinaus eine Liebesgeschichte, das Action kommt nicht zu kurz und der Tod in Gestalt von la muerta sieht zum verlieben schön aus – kein Grund zum Fürchten. Der Film ist gleich schön anzuschauen sowohl für die Kinder als auch für die Eltern, er bietet eine schöne Vorlage für das Unterhalten über das schwierige Thema. Denn, solange die Verstorbenen in unserer Erinnerung leben, sind sie nicht wirklich tot. Und ja, auch nach dem Tod werden wir mit den Früchten unseres Lebens auf der Erde konfrontiert.

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Elterncoaching

Elterncoaching

Erziehung

Vielleicht haben Sie das Gefühl, den Draht zum eigenen Kind verloren zu haben. Vielleicht verstehen Sie es nicht mehr oder fühlen sich von ihm nur noch angenervt. Vielleicht wird die Kluft zwischen Ihnen immer größer und eine „schwierige Phase“ nimmt kein Ende? Dann ist es an der Zeit, ein Gespräch mit dem Therapeuten zu suchen und die Sorgen und Zweifel anzusprechen.

Über mich

Inga Erchova ist Dipl.-Psychologin, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Autorin und dreifache Mutter. Erfahre mehr über sie und ihre Arbeitsweise…

Mein Buch

Jede Mutter kann glücklich sein

Psychotherapie am Telefon oder über Skype

Nicht immer müssen wir mit dem Therapeuten im gleichen Raum sein. Das Telefon bietet den Vorteil, dass man in vertrauter Umgebung eigener vier Wände bleibt und sich dadurch besser öffnen kann. Bei einer Sitzung über Skype vergisst man oft die räumliche Distanz und einige Zeitzonen Zeitunterschied.

© 2018 Inga Erchova  Kontakt · Impressum · Datenschutz

Sind die Mütter immer schuld? Vom Schuldgefühl zum Verantwortungsbewusstsein.

Sind die Mütter immer schuld? Vom Schuldgefühl zum Verantwortungsbewusstsein.

Erziehung

Im Laufe der psychotherapeutischen Arbeit entsteht oft eine neue Sicht auf die eigene Vergangenheit, die unsere Vorstellung davon verändert, wer wir sind und woher wir kommen. Auch die Menschen in unserem Leben geraten ins neue Licht, vor allem die Mutter – die so wichtige Person im Leben, deren Einfluss man kaum überschätzen kann. Vielleicht hatten wir bisher ein Bild von der Mutter, das uns gefallen hat – eine liebe Person, ein wenig streng aber nicht unmenschlich, eine gute Freundin, ein Mensch mit Macken und Kanten, nicht perfekt aber nah, verwandt und warm. So ein Bild nährt uns von innen.

Eine gute Beziehung zur Mutter ist ungeheuer wichtig für die psychische Stabilität und das sichere Navigieren durch die Stürme des Lebens. Die Verbundenheit mit ihr ist die zentrale emotionale Stütze, vor allem wenn wir selbst Mütter werden und ihre Energie und Unterstützung brauchen, um sie weiter an unsere Kinder zu geben. Es ist ihre sanfte Berührung, die uns beruhigt, eine feste Umarmung, die neue Energie schenkt, ein Witz, der uns wieder aufheitert oder der Augenkontakt, der uns versichert, dass jemand kleinmaschig für uns sorgt. Meine Mutter hat mir immer gesagt, dass sie mich nicht nur sieht, sondern spürt. So eine Verbindung ist telepathisch. Von ihrem Blick, der durch die Augen bis ans Herz geht, kann man nichts verbergen.

Und was ist wenn die gute Beziehung zur Mutter nicht möglich ist? Vielleicht war der Raum zwischen uns schon immer einer Wüste ähnlich, in der nichts wächst, nur sandiger Wind wütet und kein Tröpfchen Wasser zu finden ist. Statt Aufmunterung kommen nur Vorwürfe, statt Verständnis – besserwisserische Ratschläge, statt Mitgefühl – Desinteresse und statt Nähe – endlose Distanz. Wenn wir ohne mütterlicher Wärme aufwachsen mussten, haben wird ein lebenslanges Handicap, das uns viel Kraft abverlangt, um halbwegs ähnliche Chancen im Leben zu haben wie die Menschen mit einem besseren Start.

Oft ist aber die gute Beziehung zu Mutter nur eine Illusion – die fata morgana, ein Wunschbild, eine Idealvorstellung, die mehr in unserer Fantasie als in der Realität existiert. An diesem Bild wird krampfhaft geklammert, auch wenn alle Lebensumstände dagegen sprechen. Eine junge Mutter berichtet zum Beispiel, dass sie im Wochenbett nur bei ihrer Mutter sein kann, wenn sie eine lange Reise mit ihrem Säugling in ihre entfernte Heimatstadt auf sich nimmt. Für die fitte Großmutter selbst ist es „zu umständlich“, so weit zu reisen. Die junge Mutter erleidet einen Tag vor der Abreise Zusammenbruch aus Angst, die Großmutter mit ihrem Besuch und dem neugeborenen Kind zu sehr zu belasten. Auch dann glaubt sie weiterhin an die selbstlose Hilfsbereitschaft ihrer Mutter. Es ist verständlich, so sehr brauchen wir die gute Mutter an unserer Seite, auch wenn dies nur in der Fantasie möglich ist.

Wenn wir im Laufe der therapeutischen Arbeit neue Aspekte der Beziehung zur Mutter realisieren, entsteht ein Konflikt – wir lieben unsere Mutter, wir brauchen die liebevolle Beziehung zu ihr, doch andere neue Gefühle kommen jetzt hinzu. Es ist die Wut, die Traurigkeit oder das Unverständnis bezüglich ihres Verhaltens. Viele Frauen wollen die negativen Gefühle ihrer Mütter gegenüber nicht empfinden und währen sich dagegen. Sie möchten die noch so anfällige aber halbwegs positive Beziehung nicht zerstören. Um potentielle Konflikte machen sie einen großen Bogen, um nicht noch die letzten Krümel der mütterlichen Liebe aufs Spiel zu setzen. Frauen ringen mit sich: Wie sage ich das, was ich während der Therapie herausgefunden habe, meiner Mutter? Kann ich mit ihr darüber reden? Riskiere ich dadurch einen Streit? Wird sich unser Verhältnis von nun an schlechter?

Für die meisten von uns ist ein klärendes Gespräch mit der Mutter leider nicht möglich, heute genau so wie früher. Damals fanden wir auch kein offenes Ohr für unsere Probleme und Anliegen. Wir mussten unsere Sorgen sogar vor der Mutter verstecken, um sie nicht zu verärgern, sie nicht zu enttäuschen oder um nicht womöglich noch einen oben drauf zu bekommen für die abverlangte Mühe, sich um ein Problemkind kümmern zu müssen. Wir haben früh gelernt, alleine zurechtzukommen. Mehr noch, wir mussten sogar für unsere Eltern sorgen, weil sie „den Spieß umgedreht“ haben.

Die Generation unserer Eltern ist vom Krieg gezeichnet, auch wenn sie diesen nicht direkt miterlebt haben. Ihre Kindheit fiel auf die Zeit des Wiederaufbaus, wenn der Fokus nicht gerade auf dem Verarbeiten des erlebten lag. Nein, leiden wollte man nicht mehr. Man stürzte auf das Leben, froh darüber, überhaupt am Leben zu sein. Mehr war einfach nicht drin. Ihre Eltern waren eisern und gefühlslos, anders wäre es für sie wohl nicht möglich gewesen, die Grausamkeiten des Krieges zu ertragen. Sie verlangten von ihren Kindern vor allem eins – das Funktionieren. Das Kindische wurde ihnen verwehrt: statt spielen mussten sie mitanpacken und das Baden in mütterlicher Liebe stand nicht auf dem Tagesplan. Zu klagen und zu fordern hatte einfach keinen Zweck. Sie durften nie Kinder sein und sind deswegen für immer Kinder geblieben. Darum sind unsere Eltern infantil, unreif und egozentrisch. Erinnern wir uns, als wir noch klein waren, wurden sie aus nichtigem Grund beleidigt, sie schwiegen uns tagelang an und erzwangen damit, dass wir uns schuldig bekennen, reumütig zu ihnen gehen und sie um Entschuldigung bitten. Es ist eine kindische Art, die Aufmerksamkeit der Mutter zu erlangen. Aus ihrem Munde wiederum haben wir das Wort “Entschuldigung” noch nie gehört. Diese Generation entschuldigt sich nicht. Sie ist uneinsichtig und trotzig.

Angesichts der unreifen Eltern mussten wir früh „erwachsen“ werden und uns um sie kümmern. Es entstand die verkehrte Welt, in der die Rollen vertauschen wurden. So haben wir versucht, ihnen ihre Eltern zu ersetzen, was natürlich unmöglich ist. Daher ist das Reifen für uns ebenfalls ein Problem. Die Kindheit kann man nicht überspringen. In der Entwicklung folgt ein Schritt nach dem anderen. Abkürzungen gibt es nicht, nur das Steckenbleiben in der nicht durchlebten Phase. Nun altern wir schon, ohne jeweils die Reife erreicht zu haben.

Unsere Eltern konnten nicht für uns sorgen, da sie selbst verletzt worden sind. Das instinktive Sich-Kümmern und das Lieben als natürliche Art der Bindung zum Nachwuchs ist in ihnen gebrochen, wie in Tieren die in Gefangenschaft leben. Können sie für unsere Verletzungen folglich nichts dafür? Ist es deswegen sinnlos, sie dafür zu beschuldigen wie einen Gehörlosen für das schlechte Singen zu tadeln oder einen Übergewichtigen für seine miesen Sportleistungen? Kann man ihr Versagen verstehen? Sehr wohl. Kann man es ihnen verzeihen? Jeder kann diese Fragen für sich beantworten.

Auch wenn wir unseren Eltern gerne einen Vorwurf machen wollen, die Wahrheit ist, Schuldzuweisungen machen alles nur noch schlimmer. Der Druck erzeugt immer den Gegendruck. Jeder Angeschuldigte wird sich rechtfertigen und sich mit Händen und Füßen verteidigen wollen. Die Reaktion auf Vorwürfe ist immer die Defensive, mehr Verneinung, Flucht, Barrikaden und Krieg. Es entstehen zwei Fronten auf beiden Seiten der Barrikaden – hier sind die Guten und da sind die Bösen. Nichts führt weiter weg von einer Versöhnung und Frieden.

Wenn Vorwürfe zu nichts führen, warum empfinden wir dann diese seltsame Lust am Beschuldigen? Es geht sogar soweit, dass wir statt nach Problemlösung lieber nach Schuldigen suchen, in allen Bereichen des Lebens. Ich glaube dahinter steht der alte Wunsch, gehört und beachtet zu werden sowie der unbewusste Drang, einen Platz zu finden, in dem die aufgestaute Wut abgeladen werden kann. Genau darum geht es, die Wut zu spüren und sie zu zeigen. Es fällt leichter, wenn man dafür einen Empfänger hat.

Die Frage nach der Schuld zieht mit sich die Frage nach der Strafe. Sie Strafe hat aber mit der Einsicht wenig zu tun. Die Strafe wird von außen verhängt und bewirkt wenig Bewegung im Inneren der Seele. Viel mehr lähmt sie diese mit Resignation, Stigmatisierung oder der Flucht ins Verleugnen.

Wenn es so was wie ein konstruktives Schuldgefühl gibt, dann kommt es von innen und kann nur zu einer Veränderung führen, wenn der Mensch über genügend Kraft verfügt, sich vom Schuldgefühl nicht paralysieren zu lassen, sondern es als Leidensdruck, als Anstoß und motivierende Kraft zur Veränderung nutzt. Ein Schuldgefühl kann nur nützlich sein, wenn es in Verantwortung übergeht.

Lassen uns anstelle von Schuld lieber von Verantwortung sprechen. Es ist ein Gefühlt, das uns Bewegungsraum gibt. Ja, wir Mütter sind verantwortlich für das Wohlsein unserer Kinder und können viel für sie tun, auch wenn uns wenig finanzielle oder seelische Mittel zur Verfügung stehen, wenn wir selbst aus belasteten familiären Verhältnissen kommen und wenn wir heute durch schwierige Lebensphasen gehen. Das größte Geschenk für unsere Kinder sind Eltern, die sich hinterfragen, die sich selbst zu verstehen lernen und ihren Schatten nicht stellvertretend an ihren Kindern bearbeiten. Dafür tragen wir Verantwortung, ganz egal wie unsere Kindheit verlaufen ist. Und wir tragen Verantwortung für unser eigenes Leben, denn heute haben wir Ressourcen und den Willen eines erwachsenen Menschen, um einen neuen Umgang mit der Vergangenheit zu suchen.

Wir sind aus den Eltern gemacht. Sie waren früher unser Universum, unsere Umgebung, der Anschluss an die Welt und an das Leben. Auf sie einzuhämmern bedeutet, gegen etwas in uns selbst zu kämpfen und Teile von uns abzuerkennen. Die Verbindung zu ihnen ist wie eine psychologische Nabelschnur an das Leben, ohne die wir nicht sein können, oder nur mit einer großen Wunde im Herzen.

Die Erkenntnis, dass bei der eigenen Mutter nichts zu holen ist, mag bitter sein, denn sie lässt uns endgültig alleine, aber sie bringt Gewissheit anstelle von leeren Hoffnungen, die unsere Energie und die wertvolle Zeit verkonsumieren. Es ist nicht zu ändern, dass unsere Eltern uneinsichtig sind, aber wir können es sein, weil wir die Arbeit des Reifens auf uns nehmen und die Verantwortung für unser Leben und das Leben unserer Kinder übernehmen. Und einsichtige Eltern tun etwas Wichtiges – sie entschuldigen sich bei ihren Kindern. Ich glaube jeder von uns findet leicht einen Grund, sich bei seinen Kindern zu entschuldigen, und das können wir gleich heute tun.

Inga Erchova

Aus meinem Buch zum Thema Mutterschaft, das im Sommer 2017 auf den Markt kommt.

familienschatten

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Inga Erchova ist Dipl.-Psychologin, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Autorin und dreifache Mutter. Erfahre mehr über sie und ihre Arbeitsweise…

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Essstörungen als Folge mütterlicher Dominanz.

Essstörungen als Folge mütterlicher Dominanz.

Erziehung

Psychologisch gesehen ist Nahrung – die Mutter. Sie ist etwas was uns nicht nur mit Nährstoffen, sondern auch mit Sicherheit, Geborgenheit und Liebe am Leben hält. So ist es nicht verwunderlich, dass kaum einer von uns ein unproblematisches Verhältnis zum Essen genauso wie zur eigenen Mutter hat, doch manchmal nimmt es fatale Ausmaße an.

Frauen oder Männer, die von der Bulimie oder Magersucht betroffen sind, haben etwas gemeinsam – eine dominante und bestimmende Mutter, deren Wünsche und Forderungen verwüstend sind. Manchmal nimmt es versteckte Formen an, z.B. wenn die Mutter chronisch krank oder selbst ein Gewaltopfer war. Doch selbst dann – auf eine subtile Art und Weise – richtet sie es so ein, dass nur ihre Wünsche und Bedürfnisse die einzigen sind, die eine Berechtigung haben zu existieren. Die Töchter und Söhne wachsen unter ständigem Druck auf, die Erwartungen der Mutter zu erfüllen, immer zu ihrer Unzufriedenheit. Sie haben eine einzige Aufgabe im Leben – sie glücklich zu machen.

(An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass es keinen Zweck hat, die Schuldigen zu suchen, sondern die Entstehung der Essstörungen zu verstehen. Die Mütter der Betroffenen hatten keine böse Absicht. Ganz im Gegenteil, subjektiv empfunden, haben sie das Maximum des Möglichen, wie jede andere Mutter auch, für ihre Kinder getan. Sie wurden wiederum von ihren eigenen Mütter emotional vernachlässigt und waren sich dessen nicht bewusst. Die Kette der emotionalen Gewalt wird von Generation zu Generation weiter gegeben, wenn man sie nicht durch Bewusstmachen unterbricht..)

Das Überschwemmen mit eigenen Bedürfnissen der Mutter geht einher mit der extremen Vernachlässigung der Bedürfnisse der Kinder. So wie sich die Magersüchtigen unsichtbar machen, sind sie für ihre Mütter schon immer unsichtbar gewesen. Und so wie sich die bulimischen Frauen nicht gegen Essen wehren können, können sie nichts gegen die Dominanz ihrer Mutter ausrichten.

Die Bulimie und die Magersucht sind zwei Seiten einer Medaille – es sind zwei Überlebensmöglichkeiten angesichts der Abwesenheit von Liebe und Beachtung seitens der eigenen Mutter. Die Magersüchtigen verschließen den Mund, weil es das einzige ist, was sie selbst für sich entscheiden können. Sie finden etwas, wo sie endlich gewinnen können – gegen den eigenen Hunger. Wenn sie Nein zum Essen sagen, sagen sie symbolisch zu ihrer eigenen Mutter „Ich brauche dich nicht, ich komme auch ohne dich klar.“ Magersüchtige tragen den stolzen Blick der Siegerin, auch wenn sie bereit sind, diesen Sieg mit dem Leben zu bezahlen.

Während die bulimischen Frauen gegen das Essen, wie auch gegen ihre Mutter, jedes Mal verlieren. Sie werden vom Essen praktisch aufgefressen. Sie tragen den verschämten Verliererblick. Beide leiden unwahrscheinlich, doch eigentlich nicht unter Bulimie oder Magersucht, sondern unter der Tatsache, ungeliebt und unbeachtet zu sein von der eigenen Mutter.

Literaturhinweis: Laura Gutman, La revolución de las madres.

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Das Baby im Elternbett? Warum die Sorge um die Sicherheit ein Nebenkriegsschauplatz ist.

Das Baby im Elternbett? Warum die Sorge um die Sicherheit ein Nebenkriegsschauplatz ist.

Erziehung

Was ist der richtige Schlafort für ein Baby? Wir nehmen stillschweigend an, dass das Baby in sein Bettchen gehört. Diese Vorstellung haben werdende Mütter, wenn sie das Leben mit dem Neugeborenen planen und das zukünftige Kinderzimmer einrichten. Wie könnte es auch anders sein? Wenn man in einen Ausstattungsladen für Babys geht, sieht man ein Meer von Stäbchenbetten mit hübschen Betthimmeln, die alle nahelegen: Da gehört das Baby selbstverständlich hin. Alles andere wäre eine Abweichung von der Norm. Interessanterweise haben wir diese Vorstellung in der Schwangerschaft noch lange bevor wir die Diskussion über die Babysicherheit in aller Wucht mitbekommen. Es ist einfach ein tief verankertes Bild. Die Sicherheitsargumente kommen erst später dazu und rechtfertigen eigentlich nur das Verhalten, das lange vorher festgelegt war.

Wenn das Baby dann da ist, merken wir schnell dass das getrennte Schlafen nicht so leicht klappt, wie wir es uns ausgemalt hatten. Babys werden oft wach und fordern unsere Präsenz ein. Sie wollen und können nicht alleine schlafen. Es fängt das Hadern mit sich selbst, weil die vorgeformte Vorstellung nun ins Schwanken kommt. Darf ich? Darf ich nicht? Ist es gut? Ist es schlecht? Tief im Inneren spüren wir, dass das gemeinsame Schlafen natürlich ist, weil es sich gut anfüllt, und weil das Baby es möchte. Das nächtliche Stillen ist leichter und alle schlafen friedlicher.

Nur nicht zu früh freuen. Jetzt melden sich „Experte“ zum Wort uns sagen: „Es ist gefährlich!“ Der Preis des Vergnügens kann nicht minder sein als die Gefahr des plötzlichen Todes des Säuglings – eine Horrorvorstellung aller Eltern, die schreckliche Angst schürt. Genau erklären können Experte diesen vermeintlichen Zusammenhang jedoch nicht. Faktoren wie die Überhitzung oder der CO2-Rückstoß ziehen bei genauen Untersuchungen nicht.* Was ist also der wahre Grund, der uns davon hindert, mit unserem Baby im Frieden zusammen zu schlafen wie es alle Säugetiere tun, zur Gattung welcher wir Menschen auch gehören?

Im weltweiten kulturellen Vergleich erscheint die Selbstverständlichkeit des separaten Schlafens des Babys gar nicht mehr so selbstverständlich sondern findet nur in den westlichen Kulturen statt. Selbst innerhalb der westlichen Länder schlafen Eltern mit Babys eher zusammen, wenn sie Einwanderer sind oder ihre Wurzeln aus dem nicht-europäischen Ausland stammen.* In Asien, Afrika oder Südamerika ist das gemeinsame Schlafen normal und selbstverständlich. Interessant, dass ausgerechnet in den westlichen Ländern Babys vom plötzlichen Kindstod am häufigsten gefährdet sind. Das Auftreten des Phänomens in Asien z.B. beträgt nur ein Bruchteil der Raten von USA oder Westeuropa.* Unter Tieren ist dieses Phänomen völlig unbekannt. Die Menschenaffenbabys schlafen an der Seite ihrer Mutter bis zum Alter von fünf Jahren, auch wenn die Mutter bereits neuen Nachwuchs hat. Das Phänomen ist daher kultureller Natur, das den Menschen in den westlichen Ländern anhängt.

Was ist also mit uns los – den Westeuropäern und den Nordamerikanern? Was zeichnet die westliche Mentalität aus? Warum fürchten wir uns davor, mit unseren neugeborenen Kindern zusammen zu schlafen?
Unsere westliche Kultur ist auf die Individualität getrimmt, nicht auf die Gemeinschaft oder Solidarität. Sie ist auf das Dominieren des Stärkeren aufgebaut, nicht auf dem Mitgefühl mit dem Schwächeren. Die Durchsetzungskraft im Verdrängungswettbewerb ist erstrebenswert, nicht ein Teil der Gemeinschaft zu sein. Jeder von uns möchte den möglichst hohen Status und den Wohlstand erreichen und den größten Stück vom Kuchen abhaben. Auch wenn wir alle sehr nett tun, leben wir in permanenter Konkurrenz und laufen ausgestreckten Ellenbogen. Wir halten die Unabhängigkeit für gut und die Abhängigkeit für schlecht, auch wenn es um kleine Kinder geht, die per se abhängig sind. Wir möchten aber, dass sie von uns so schnell wie möglich unabhängig werden, am besten gleich nach der Geburt, dass sie alleine einschlafen, alleine durchschlafen, später alleine spielen und uns bei unserem Erwachsenenleben am liebsten gar nicht stören. Ihre Abhängigkeit von uns fühlt sich an wie ein Klotz am Bein, nicht wahr? Was passt nicht zu dieser Mentalität?

Die Nähe! Die Nähe und Intimität passen nicht in die westliche Mentalität hinein – die Nähe zum Nächsten, die Wärme des menschlichen Körpers und die Intimität der menschlichen Beziehung. Die Nähe lässt die Schutzschilder fallen und offenbart unser verletztes Inneres. Die Nähe bietet Angriffsflächen und macht uns verwundbar. Diese Gesellschaft produziert verletzte Menschen, die nicht in der Lage sind, emotionale Nähe einzugehen. Die Nähe macht uns Angst. Die Nähe tut uns weh.

Und da kommt ein Baby auf die Welt, das nach Nähe schreit. Wir verstehen zwar, dass das Baby es braucht, können es ihm aber nicht geben. Wie täuschen die Nähe nur vor und bleiben emotional weit entfernt. Und wo und wann ist die Nähe so spürbar, so greifbar und so offensichtlich wie beim Schlafen? Im Schlaf sind wir schlapp und wehrlos, die Masken sind abgelegt. Wenn wir mit unserem Baby zusammen schlafen, dann bekennen wir uns zur Nähe zu ihm. Wir sagen und zeigen es offen, dass wir zusammen sein wollen und es auch können, Expertenmeinungen hin oder her. Es geht nicht um die vermeintliche Sicherheit des gemeinsamen Schlafens. Es geht um die Nähe, die wir nicht aushalten können, die uns zu nah geht, die uns zu viel abverlangt und die uns weh tut. Die Nähe, die wir selbst als Kinder so sehr gebraucht und nicht bekommen haben. Jetzt tun wir unseren Kindern das Gleiche an, was uns widerfahren ist und uns emotional abgestumpft hat.

Wenn wir das Baby fragen, wo es schlafen möchte, was zeigt uns das Baby mit seinem Verlangen? Es will in keinem anderen Ort sein, als an der Seite seiner Mutter, auch und vor allem beim Schlafen. Es kann nicht und soll nicht alleine schlafen. Es ist gegen seine Natur und verletzt seine Psyche. Das Baby kommt auf die Welt mit intakten Instinkten, die uns zeigen, was es braucht. Wir müssen blind sein, um nicht zu sehen, was es verlangt und herzlos sein, um ihm es nicht zu geben.

* Quelle: Mother–Infant Cosleeping, Breastfeeding and Sudden Infant Death Syndrome: What Biological Anthropology Has Discovered About Normal Infant Sleep and Pediatric Sleep Medicine. YEARBOOK OF PHYSICAL ANTHROPOLOGY 50:133–161 (2007)

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