Vom Patriarchat bis Wochenbett. Was Frauen wirklich hilft.

… und wie das Wochenbett dabei helfen kann.

Sie sind allgegenwärtig – die schwarzen Anzüge als Sinnbild des Patriarchats – rechteckig und freudlos, wie Kapseln, die alles Weiche, Spontane oder Kreative im Inneren ersticken lassen. Auf Gruppenfotos der Regierungschefs erleuchten ein-zwei Farbtupfer der weiblichen Kostüme, oft aber gar keine. In den Chef-Etagen der Konzerne sind Frauen genau so rar. Da, wo das Geld und die Macht wohnen, sind Frauen eher Exotinnen. Patriarchat, wie der Name schon sagt, hebt den Patriarch – den Übervater – auf den Thron der Herrschaft. Aber nicht nur ihn oder den Mann generell. Wir heben auf das Podest unbewusst die männlichen Eigenschaften, die ja zu dieser Machtposition geführt haben müssen und daher erfolgversprechend seien. Nicht nur Männer regieren in der Gesellschaft, sondern die männliche Energie durchdringt die Gesellschaft im Übermaß und bringt den Energiefluss in der Gesellschaft aus dem Gleichgewicht.

Männliche und weibliche Energien fließen in jedem Menschen. Es ist nur die Frage der Gewichtung, welche von ihnen die dominantere ist. Natürlicherweise dominiert bei Frauen die weibliche Energie und bei Männern – die männliche. Die Energie ist an sich wertfrei. Wie im Zeichen von Jin und Yang ergänzen sich beide Energien idealerweise, spielen zusammen und bilden ein harmonisches Miteinander – ein Ganzes. Keine von den beiden Energien ist wichtiger oder besser, das wäre ja absurd zu behaupten und würde das Gleichgewicht sofort zerstören. Aber unsere Bewertungen machen genau diese Einstufung und diesen Fehler. Im Patriarchat wird die männliche Energie überbetont und überbewertet, und die weibliche Energie wird abgewertet oder gar unterdrückt. So glauben wir z.B. aktiv wäre besser als passiv, rational wäre besser als emotional, geplant besser als intuitiv, dominant besser als nachgiebig, hart besser als weich, und so weiter. Wir präferieren unbewusst viele Attribute der männlichen Energie gegenüber der weiblichen und tragen unbewusst dazu bei, dass dieses Ungleichgewicht weiter aufrechterhalten bleibt. Das Traurige ist, dass wir Frauen es unbewusst ebenfalls tun. Dadurch lehnen wir die weibliche Energie, die in uns natürlicherweise die dominantere ist, unbewusst ab, beschneiden unsere ur-eigene Stärke und schwächen uns dadurch selbst.

Der Feminismus befeuert diese Tendenz nur noch. Auch wenn seine Absichten legitim sind, zweifle ich stark an der Wirksamkeit der Mittel. Feminismus ist auf Krawall gebürstet, unzufrieden, aufgebracht. Er wirkt unbeholfen und unreif. Er schreit „Ich will aber!“ wie ein kleines Kind. Er erzeugt bei mir eher Mitleid als Respekt. (Mein Sinnbild dafür schlechthin ist die Anna-Lena Baerbock.) Eine reife Frau ist selten feministisch. Sie weiß, sie muss nicht kreischen, um gehört zu werden. Sie nimmt Einfluss durch ihre schiere Präsenz.

Feminismus setzt Protest und offene Konfrontation als Mittel im Kampf um die Gleichberechtigung ein – und es sind genau die männlichen Methoden. Er atmet männliche Energie und stellt sie damit unbewusst als die bessere dar. Indem wir uns mit Männern messen wollen, nehmen wir ihre Standards an. Indem wir so sein wollen wie Männer, sagen wir implizit, dass das die bessere Art wäre zu sein. Es motiviert Frauen, wie unreife Männer zu agieren – hart, rücksichtslos, egoistisch. Aber das ist gegen unsere weibliche Natur. Studien belegen, dass Frauen sich mehr um das Allgemeinwohl kümmern als um ihre eigenen Vorteile. Altruismus ist uns von der Natur gegeben worden, (wahrscheinlich damit wir so manche schlaflosen Nächte überstehen können, wenn wir uns um den Nachwuchs kümmern). Wir können bei diesem sinnlosen Kampf nur verlieren, weil wir nicht die besseren Männer sein können. Feminismus entfernt uns von unserer weiblichen Essenz.

Quotenvorgaben für Führungspositionen sind nicht mehr als Versuche, Symptome zu bekämpfen, statt an den Ursachen anzusetzen. Aus Zeiten, als ich in Marketing gearbeitet habe, weiß ich, dass man den Konkurrenten nicht dadurch besiegen kann, indem man ihn kopiert, sondern indem man sich auf eigene Stärken besinnt. Wir Frauen haben viel wirksamere Einwirkungsmöglichkeiten, die wir noch nicht nutzen. Und möchte hier einen besseren Weg aufzeigen, wie wir aus dieser Schieflage wieder herauskommen. Wir Frauen bringen die Welt wieder in Lot, indem wir wieder wie Frauen sind und nicht wie Männer.

Im Kerne des Problems liegt in meinen Augen die gedrosselte weibliche Energie, sowohl in der Gesellschaft als Ganzes, als auch bei uns Frauen. Die weibliche Energie gilt latent als schwach und nachteilig für den höheren Status, den man sich ja erkämpfen muss. Auch in der Familie wird sie selten kultiviert und von der Mutter zur Tochter als etwas Wertvolles weitergereicht. Ich vermute, dass diese Drosselung noch auf die Zeit der Hexenjagd zurückzuführen ist. Damals wurden Frauen, die sinnlich und naturverbunden waren, sich mit Pflanzen und Tieren auskannten, klug und eigenwillig waren, für Hexen erklärt, gefoltert und öffentlich am Scheiterhaufen verbrannt. Was für eine Brutalität! Die Hexenjagd ging über mehrere Jahrhunderte. Je nach Quelle sind Hunderte Tausend von Frauen (und wenige Männer auch) ihr zum Opfer gefallen. Die treibende Kraft hinter der Hexenjagd war die Kirche und ihre Bestrebung nach Macht, aber auch die Suche nach Sündenböcken bei Missernten oder Pandemien. Was hat die Kirche in Frauen gesehen, das sie so fürchten ließ und zu so einer Brutalität bewegte? Es muss eine Energie von ihnen ausgegangen sein, die unkontrollierbar erschien. Männer hatten keinen Zugang zu ihr. Wie müssen sich Frauen in dieser Zeit über Jahrhunderte gefühlt haben? Sie versuchten vermutlich alles, was weiblich anmuten könnte, zu verstecken oder zu unterdrücken.

Männer regieren das Sichtbare, Frauen regieren das Unsichtbare. Dieser Bereich ist für Männer schier unerreichbar. Weibliche Energie ist tiefgründig, subtil, intuitiv. Sie ist zuhause im Reich der Gefühle, des Unbewussten, des Dunklen und Animalischen. Sie ist verbunden mit der Mutter Erde auf der einen Seite und mit dem ganzen Universum auf der anderen. Frauen kommen durch den Akt des Gebärens an das Geheimnis des Lebens viel näher heran als Männer. Das ist unser großes Privileg und eine gewaltige Machtposition.

Der wahre Sprungbrunnen der weiblichen Energie ist das Wochenbett. Diese sensible Zeit nach der Geburt ist wirklich magisch. Das neugeborene Kind öffnet nicht nur den Körper der Frau während der Geburt, sondern auch die Seele der Mutter. Es öffnet sich der Zugang zum seelischen Schatten. Der zeitlose seelische Raum zeigt sich, und das innere Kind der Mutter erwacht. Mehr noch, es öffnet sich der Kanal, der uns mit der kosmischen Energiequelle verbindet und mit dem gesamten Universum selbst. Deswegen fühlen wir uns nach der Geburt in den eigenen vier Wänden wie auf einem anderen Planeten. Nicht die Welt hat sich verändert, sondern wir sind durch das große Tor gegangen, das Tor der Erkenntnis über das Geheimnis des Lebens. Das Wochenbett ist die Zeit, in der wir uns mit der weiblichen Energie wieder verbinden können, selbst wenn der Zugang dazu vorher abhandengekommen ist. Es ist ein heilender Prozess, wenn wir es zulassen.

Für viele Frauen fühlt sich der Zustand im Wochenbett aber so befremdlich und neu an, dass sie anfangen, dagegen zu kämpfen. Sie versuchen mit aller Kraft, diesem Sog zu widerstehen, was sie nicht selten in eine seelische Krise stürzt. In dieser Zeit haben alle um die junge Mutter herum – die Familie, Freunde, Hebammen und Arbeiter der frühen Hilfen – als wichtigste Aufgabe, den Fluss der weiblichen Energie bei der jungen Mutter zu unterstützen, zu bestärken und nicht zu unterbinden. Das sichert nicht nur der Mutter den inneren Frieden, sondern dem Kind das Überleben. Das Wochenbett macht uns Frauen ein großes Geschenk – es belebt die Quelle der weiblichen Energie in uns, genau diese weibliche Energie, die über Jahrhunderte verfolgt, unterdrückt und fast schon ausgerottet ist. Aber jedes neugeborene Kind, das frisch diese Erde betritt, legt diese Quelle in uns wieder frei, weil die Natur es so will und weil das Kind sie zum Überleben braucht. (Darüber habe ich ein ganzes Buch geschrieben.)

Jede Mutter spürt im Wochenbett den inneren Konflikt: Darf ich bei meinem Kind bleiben oder soll ich schnell wieder arbeiten gehen? Darf ich weich und nachgiebig sein, oder muss ich hart und konsequent bleiben? Kann ich dem Verlangen meines Babys nachgeben, oder werde ich dafür verurteilt? Ist es nicht rückständig und altmodisch, lange bei dem Kind zu bleiben? Die Gesellschaft suggeriert, dass eine moderne Frau schnell wieder arbeiten gehen soll, um sich zu verwirklichen. Da, in der Arbeitswelt, liegt vermeintlich die Erfüllung. Warum glauben wir eigentlich, dass die Selbstverwirklichung auf der Arbeit passiert, die ich vielleicht gar nicht mag? Dabei müssen wir nicht kämpfen, sondern im Gegenteil weich werden und den betörenden, genussvollen Stöhnlauten unseres Babys lauschen, während es an der Brust trinkt, und dabei die subtilen Schwingungen aus dem Universum empfangen. Wir müssen uns auf die Wellenlänge unseres Babys einlassen und mit ihm zusammen in die tiefen Gewässer der weiblichen Energie eintauchen – in einen Raum ohne Zeit, ohne fester Struktur, ohne Regeln und ohne Zensur. Hier hat niemand die Macht über uns. Es ist der Raum frei von schwarzen Anzügen, vielleicht der einzige Raum überhaupt. Hier gelten unsere Regeln, wenn wir es uns erlauben.

Und später, wenn die lange Zeit des Wochenbetts durchlebt ist (nach ca. 1,5 bis zwei Jahren), wenn unser Kind an Autonomie gewinnt und uns nicht mehr so braucht wie vorher; wenn die direkte Beziehung zum Vater aufgebaut ist, wird es an der Zeit sein, dass wir uns wieder in die Außenwelt hineinbegeben können, aber verändert, bereichert, wie neugeboren. Wir haben einen wichtigen Teil von uns zurückgewonnen – unsere weibliche Energie, die anders ist als die männliche – weicher, subtiler, tiefgründiger, ganzheitlicher, gefühlsbetonter, fließender, kreativer. Die weibliche Energie kennt nicht nur das „höher, schneller, weiter“, sondern auch runder, erfüllender, harmonischer. Weich bedeutet nicht schwach, sondern weise. Und die schiere Stärke ohne die Weisheit kann an sich selbst zerbrechen.

Viele Frauen wollen nach der Babypause nicht in ihren alten Beruf zurückkehren, weil sie spüren, dass er ihrer wahren Essenz nicht mehr entspricht. Viele machen sich mit neuen kreativen Ideen selbständig. Das ist die wahre Selbstverwirklichung, auch wenn sie monetär gesehen oft nachteilig ist. Aber die Lebensqualität und die innere Erfüllung sind nicht nur mit Geld zu bemessen.

Der Feminismus kann das Patriarchat nicht besiegen, weil es selbst nach den Regeln des Patriarchats spielt. Es setzt aggressive männliche Methoden ein. Dadurch zementiert er es nur noch mehr. Wir Frauen müssen unsere eigenen Regeln etablieren, und zwar nicht als die besseren, sondern als die, die bisher gefehlt haben und zu dieser Schieflage geführt haben – die Regeln der weiblichen Energie. Wenn die männliche Energie die Felsen sind, so ist die weibliche Energie das Wasser, das dazwischen fließt. Das Wasser mag weich sein, aber es fließt mit Nachdruck, es formt die Landschaft und es kann eine Kraft entwickeln, die die Felsen versetzen kann. Männer und Frauen müssen sich nicht bekämpfen, sondern in Harmonie miteinander leben und arbeiten.

Die Zielscheibe für feministische Anfeindungen ist das Feinbild der alten weißen Männer, die skrupellos und machtsüchtig über unsere Köpfe entscheiden. Wir bekämpfen dieses Feinbild und vergessen dabei, dass diese, zugegeben oft ekligen Gestalten, die nur auf ihr Machterhalt bedacht sind, auch einmal kleine Jungs gewesen sind. Sie hatten ihre Mütter als die ersten Frauen in ihrem Leben, waren von ihnen abhängig, haben um ihre Liebe gekämpft, um sich um ihre Nähe bemüht und um ihre Anerkennung gebuhlt. Wie war diese Beziehung? Ich befürchte nicht gut, weil man oft den Eindruck bekommt, als wollten sie sich an Frauen rächen. Ich glaube, die Zeit der extremen Verletzbarkeit wie in der Kindheit, die Zeit der Abhängigkeit und Ohnmacht, wenn diese ungünstig ohne wohlwollenden Umgang durchlebt wird, ist die Keimzelle der toxischen Männlichkeit. Eine verletzende Mutter-Sohn-Beziehung kann die männliche Energie in destruktive Bahnen lenken. Männer führen Kriege, weil sie die Frauen vermissen, die an sie glauben, statt sie zu bekämpfen. Merken wir eigentlich, was für eine Machtposition wir Frauen haben? Wir können eine andere Generation von Männern heranwachsen lassen – Männer mit Herz, Ehre und Integrität, die die Gesellschaft wieder zum Aufblühen bringen, statt endlose Kriege zu führen. Es liegt in unseren weiblichen Händen.

Wir Frauen müssen uns auf die weibliche Energie zurückbesinnen. Wenn wir sie selbst nicht kultivieren und nicht respektieren, wird es niemand für uns tun. Männer regieren das Sichtbare, Frauen – das Unsichtbare. Wir müssen wieder lernen, das Unsichtbare zu spüren, das Unbewusste gelten zu lassen, Energien zu lenken, Stimmungen zu nutzen. Wir müssen begreifen, dass das Unsichtbare zu regieren, nicht die unterlegene Position ist. Der Reich der Gefühle, der Kreativität, der Beziehungen und des Unbewussten sind mächtige Bereiche unseres Lebens. Wir können Lösungen für Probleme aufspüren, die man mit Augen nicht sehen kann, aber sehr wohl, wenn man auf die Intuition vertraut. Wir können Konflikte zum Wohle aller entschärfen, weil wir weniger konfrontativ agieren, weil wir in Interessen denken und nicht auf vordergründigen Positionen beharren.

Es ist unsere Aufgabe, die weibliche Energie in uns wieder zu entdecken, sie in die Welt zu tragen, sie da als einen unabdingbaren Teil des Lebens zu etablieren und zu hüten. Finde die Harmonie zuerst in dir, statt sie von außen einzufordern. Suche das Wasser als erstes in der Tiefe deiner Seele. Lasse dann den Stang der weiblichen Energie in deiner Familie fließen, fülle mit ihr den Raum, versorge deine Familie mit Liebe und Zufriedenheit, sehe, wie sie dadurch aufblühen und gedeihen. Bringe dann deine weibliche Energie in deine Arbeitswelt. Motiviere deine Kollegen durch Vertrauen, Mitgefühl und nicht durch starre Anweisungen oder Dominanz. Lenke und gestalte, inspiriere und begeistere, weich, subtil und wirksam. Und wenn das jede Frau tut, wird aus kleinen Tropfen der weiblichen Energie jeder einzelnen Frau ein großes Wasser zusammenfließen, das die Gesellschaft als Ganzes heilt.

Männer regieren das Sichtbare. Frauen regieren das Unsichtbare. Das bedeutet nicht, dass eine Frau nicht auch die Chefin sein kann. Selbstverständlich kann sie das, aber sie wird es anders tun als ein Mann – mit unsichtbaren Mitteln der weiblichen Energie. Sie muss nicht ihr Ego aufblähen oder Hierarchien wahren, sie kann gemeinschaftlich denken und das Ganze besser im Blick behalten. Sie reagiert flexibel auf Veränderungen, denn das Fließen ist ihr so vertraut wie das Wasser.

Ich betone, nicht die Frauenquote kann die Klauen des Patriarchats entschärfen, sondern das Beleben der weiblichen Energie. Denn auch Frauen agieren manchmal wie Männer. Ich habe zwei Cheffinnen von Großkonzernen beobachtet – die eine setzt ihre weibliche Energie ein, und die andere agiert eher nach männlichen Stereotypen. Die erstere Frau ist die neue Chefin der Deutschen Bahn, Evelyn Palla. Ob es Zufall war oder nicht, aber meine erste Bahnfahrt nach dem Wechsel im Vorstand war seit langer Zeit die erste, die pünktlich ankam, trotz verpasster Anschlüsse dank der flexiblen Gestaltung der Route und der Streichung einiger kleiner Stationen. Zu den Sofortmaßnahmen zählten bei der Deutschen Bahn die Verdoppelung des Reinigungspersonals und der Versorgungsstationen in Zügen und Bahnöfen – eine sehr weibliche Geste, wie mir scheint. Auch erwähnenswert ist, dass sie die Zahl der Manager sofort halbiert hat und die Hierarchie dadurch abgeflacht. Bravo, Evelyn Palla!

Mein negatives Beispiel ist die Chefin der Commerzbank Bettina Orlopp. Sie betont ihre Wachstumsambitionen, die sie mit steiler Preissteigerung durchsetzt. Es ist aber kurzfristig gedacht, dann langfristig führt das zum Verlust der Kunden. Im Auftreten zeigt sie die übertriebene politische Korrektheit, die über jeglichen Ziel hinausschießt. Es ist für mich ein Zeichen, dass man gefallen möchte, dass man den externen Erwartungen entsprechen will, ohne authentisch zu bleiben. Die italienische Großbank Uni Credit bemüht sich seit einiger Zeit um die „Übernahme“ von Comdirect, oder um eine „Fusion“? Doch die Chefin währt sich nicht nur eisern, sondern ignoriert diese Entwicklung und mögliche Vorteile regelrecht. Auf der Pressekonferenz antwortet sie auf die Frage des Journalisten: „Wir haben kein italienisches Problem“ und geht dann ohne Pause zum nächsten Punkt der Agenda. Ein merkwürdiges Straußvogel-Verhalten. Ich würde nicht die Aktien der Commerzbank kaufen.

Zusammenfassend möchte ich an Frauen appellieren, wie Frauen zu bleiben. Wir sind nicht schwach, wenn wir unsere weiblichen Kräfte wieder entdecken. Doch wir werden weiterhin ein leichtes Opfer bleiben, wenn wir diese nicht nutzen. Wir können von niemandem Respekt einfordern, wenn wir selbst unsere wahre Natur nicht respektieren. Feminismus kämpft ja schon seit einiger Zeit für die Gleichstellung der Frauen, leider mit mäßigem Erfolg. Ist es nicht an der Zeit, unsere Strategie zu überdenken? Verbinde dich mit deinem Atem, mit deinem Körper, mit deinem Herzen und deiner Intuition. Suche die Schönheit in allem. Werde weich, weise und mächtig, wie das Wasser. Happy Women’s Day, Ladies!

Neuer Artikel: „Dein Wunsch ist mir Befehl.“

Es ist ein neuer Artikel im Bereich „Artikel“ auf meiner Seite erschienen. Es handelt sich um ein Thema, das mir persönlich sehr vertraut ist, nämlich, wie wir mit den Wünschen anderer Menschen umgehen? Es prallen im Alltag ständig Wünsche aufeinander. (Alle wollen was von mir, höre ich oft.) Auch wir haben Wünsche, die wir oft nur schwer kommunizieren oder nicht einmal erkennen können. Im Artikel ist das Phänomen beschrieben, wenn wir uns von fremden Wünschen wie fremdgesteuert fühlen und die Verbindung zu uns sofort verlieren. Kennst du das auch? Berichte über deine Erfahrungen. Hier geht es zum Artikel „Dein Wunsch ist mir Befehl.“:

Dein Wunsch ist mir Befehl.

Dein Wunsch ist mir Befehl.

Dein Wunsch ist mir Befehl.

Dein Wunsch ist mir Befehl.

Spät am Abend komme ich am Bahnhof an, strapaziert von der langen Fahrt, ein halber Tag im Zug. Jetzt nur noch nach Hause schaffen und dann ins Bett. Ich komme aus dem Bahnhofsgebäude nach draußen, begleitet vom knatterndem Geräusch der Räder meines Rollkoffers über die Steinkacheln. Das Scheppern schreckt die wartenden Taxifahrer auf. Es ist eine lange Schlange der Cabs aufgestaut. Früher wahren immer nur ein-zwei Wagen da und immer schnell vergriffen. Jetzt warten sie lange auf Fahrgäste. Auch hier ist die Wirtschaftskrise angekommen. Sie blicken alle voller Erwartung in meine Richtung. Nimmt sie wohl ein Taxi? Ich zucke kurz, überlege, nein, ich habe nicht genug Bargeld dabei und der Weg ist nicht sehr lang, und es ist Sommer und warm. Kein Grund also, ich laufe, beschließe ich. Ich gehe an den wartenden Fahrern vorbei mit meinem Rollkoffer und merke: Ich enttäusche sie. Und fühle mich augenblicklich schlecht. Ich habe sie in ihrer Not zurückgelassen, ich habe keine Erleichterung schenken können. Ein quälendes Gefühl überkommt mich. Wie kann ich nur?

Kennst du es auch? Du fühlst die Not des Anderen und willst sie sofort wegnehmen, selbst wenn dies gar nicht deine Aufgabe ist?

Noch absurder hörte ich einmal von einer Klientin: „Wenn ich an der Käse-Theke stehe und mich für eine Käsesorte entscheide, fühle ich mich schlecht gegenüber dem anderen Käse daneben. Wahrscheinlich wollte er auch von mir gekauft werden, und ich lasse ihn alleine zurück.“

Natürlich sind das Projektionen. Der Käse fühlt nicht. Es sind unsere Gefühle, die wir hineinprojizieren: Jemand braucht mich. Ich muss mich kümmern. Ich muss denjenigen retten. Ich bin für die anderen da. Die Wünsche anderer lassen mich nicht kalt, wie in meinem Fall mit den Taxifahrern. 

Im alltäglichen Leben sind wir permanent mit den Wünschen anderer Menschen konfrontiert. Mein Kind will, mein Chef will, meine Eltern wollen, mein Mann. Es hört nicht auf.

Kaum vernehmen wir den Wunsch des anderen, geraten wir in eine Art Sog hinein, dem wir uns wehrlos ausgeliefert fühlen. Schon rattert es im Kopf, wie wir den an uns gerichteten Wunsch erfüllen könnten, was wir dafür alles in die Wege leiten könnten, welche Möglichkeiten uns dazu zur Verfügung stünden und machen uns unverzüglich an die Arbeit. Der Auftrag steht und wirkt. (Ich habe tatsächlich in mein Portemonnaie hineingeschaut und das Bargeld zusammengezählt. Vielleicht reicht es ja doch?)

Nicht einmal kommt uns in den Sinn, Nein zu sagen oder den Wunsch des anderen zu hinterfragen, ob er überhaupt zu unserer Zuständigkeit gehört? Noch weniger fragen wir uns, ob wir in der Lage sind, diesen Wunsch zu erfüllen, ob wir Zeit, Kraft oder Lust haben, es zu tun? Und ob wir es überhaupt müssen?

Alleine, dass der Wunsch im Raum steht (nicht einmal ausdrücklich an uns gerichtet), reicht völlig dafür aus, dass wir uns in Marionetten verwandeln und wie an den Fäden gezogen uns an die Arbeit machen.

Ist es nicht sonderbar? Hast du dich selbst schon einmal dabei ertappt, sich in dieser fremdbestimmten Realität wie aufzulösen? Wenn ja, dann ist der erste wichtige Schritt zur Veränderung bereits getan – das Durchdringen in das Bewusstsein. Bis dahin geschieht in den meisten Fällen noch folgendes: Wir spüren uns selbst in diesem Moment nicht, wir verschwinden förmlich, verlieren den Boden unter den Füßen, hören auf zu existieren und tun nur eins: dienen, gehorchen, erfüllen. 

Ist das so verkehrt? Zunächst fühlt es sich gut an dem anderen zu dienen, besonders unseren Kindern. Das Gehirn schüttelt große Mengen Belohnungshormone aus, denn wir tun dem anderen etwas Gutes, fühlen uns gebraucht, großzügig, selbstlos. Bestimmt liefert uns der Verstand genügend Gründe, warum die Wünsche des anderen sicher berechtigt sind, besonders die der Kinder, die ja noch so klein und hilflos sind. Sicher doch.

Und dann passiert etwas, was die Situation zum Kippen bringt: Es kommen mehr Wünsche und noch mehr und dann kommt ein Wunsch am Ende, den wir nicht erfüllen können. Ein Tropf, der das Fass zum Überlaufen bringt. Etwas reißt im Inneren und die gütige innere Mutter Theresa verwandelt sich in die wütende, monströse Krake Ursula, die zu allen Seiten austeilt – Blicke wie Blitze, Beschimpfungen, Wutkaskaden, Handgreiflichkeiten und purer Zerstörungsdrang. 

Was ist passiert? 

Im Moment der Überforderung zeigen sich immer unsere Schattenseiten, unsere vergessenen Verletzungen, verdrängter Schmerz und unsere Überlebensstrategie in dieser Welt, nämlich schon immer nur dann sein zu dürfen, wenn wir uns selbst aufgeben, wenn wir uns anpassen und uns aufopfern.

Wahrscheinlich waren wir als Kinder seelisches Futter gewesen, verschlungen und vereinnahmt von unseren Eltern. Wir hatten nie gelernt, mit sich verbunden zu sein. Wir wissen gar nicht, wie das geht, eigene Wünsche zu haben, eigene Grenzen zu wahren, etwas selbst zu entscheiden, für sich Raum einzufordern, eigenes Gesicht zu zeigen, eigene Stimme klingen zu lassen, präsent sein, hier in dieser Welt. Wir mussten stattdessen andere trösten, zwischen Eltern vermitteln, sich um kleinere Geschwister kümmern, andere stolz und zufrieden machen, nicht auffallen, keine Probleme bereiten, mitlaufen, nicht enttäuschen.

Ich gehöre auch dazu. Als ich Mutter wurde, habe ich zehn Jahre gebraucht, um zu begreifen, dass ich meinem Kind auch mal Nein sagen kann, ohne mich dabei schuldig zu fühlen. Wie lächerlich erscheint mir diese Binsenweisheit heute. Doch damals war ich schockiert, als ich den Titel des Buches „Nein aus Liebe“ von Jasper Juul gesehen habe. „So ein verlogenes Buch werde ich doch niemals lesen!“ – dachte ich. Das Buch habe ich bis heute nicht gelesen, aber ich kann heute sehr wohl freundlich aber bestimmt zu meinem Kind Nein sagen, ohne dass ich mich dabei schlecht fühlen muss. Ein Nein bedeutet noch lange keinen Liebesentzug oder Abweisung. Das ist schlicht das Bewahren eigener Grenzen.

Und nun? Was tue ich, wenn ich mich genau in dieser Situation befinde und zumindest das Bewusstsein darüber erlangen habe? 

Soll ich einfach mal öfter Nein sagen? So einfach wie es klingt, es ist es leider nicht. Es kann passieren, dass wir an der falschen Stelle Nein sagen, dass es unkontrolliert oder übertrieben herausbricht. Daran scheitern die klassischen Ratgeber, weil sie uns zu Handlungen auffordern, die wir mechanisch ausführen sollen, entfernt von uns selbst. Es hilft niemanden und führt eher noch zu Eskalation. Wir müssen uns zunächst selbst spüren, dann spüren wir den anderen auch und können zwischen dem fremden und dem eigenen Wunsch angemessen vermitteln. Beide Wünsche sind berechtigt und beide Wünsche dürfen sein. Wir müssen nur einen Weg finden, wie sie co-existieren können.

Aus meiner Erfahrung kann ich behaupten, dass die Heilung nur dort stattfinden kann, wo die Verletzung ursprünglich stattgefunden hat – in der Kindheit. Deswegen praktiziere ich mit meinen Klientinnen die sogenannten Zeitreisen in die Kindheit, zu dem Ort und der Zeit der Verletzung. Wir lernen eigene Grenzen wieder zu spüren und zu bewahren; lernen mit gutem Gefühl und Gewissen Nein zu sagen und entdecken unsere eigenen Wünsche; lernen die Stimme wieder klingen zu lassen, das Gesicht zu zeigen. Wir lernen kontra zu geben und entdecken dabei, das die Welt dadurch nicht zusammenbricht, dass sich die uns nahestehenden Menschen nicht von uns abwenden, dass wir keinen Liebesentzug riskieren und wenn ja, dann ist es ein sicheres Zeichen für eine toxische Beziehung, die ruhig in Frage gestellt werden darf. 

Das alles ist ein Prozess und ein Weg zu sich selbst. Aber lohnt es sich, anders zu leben?

Mein Wunsch ist mir Befehl. 

Über mich

Inga Erchova ist Dipl.-Psychologin, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Autorin und dreifache Mutter. Erfahre mehr über sie und ihre Arbeitsweise…

Buchvorschau

Jede Mutter kann glücklich sein

Psychotherapie am Telefon oder Online

Nicht immer müssen wir mit dem Therapeuten im gleichen Raum sein. Das Telefon bietet den Vorteil, dass man in vertrauter Umgebung eigener vier Wände bleibt und sich dadurch besser öffnen kann. Bei einer Online-Sitzung vergisst man oft die räumliche Distanz und einige Zeitzonen Zeitunterschied.

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Toxische Beziehung zwischen den Menschen und dem Staat.

Eine lang ersehnte Verschnaufpause von der Pandemie und ihren drakonischen „Bekämpfungsmaßnahmen“ ist da. Die Sonne verleitet zum Vergessen, doch es ist ein guter Zeitpunkt, das Erlebte der letzten Monate kritisch zu durchleuchten und zu verarbeiten, um im Herbst nicht in die gleiche Gefühlsspirale zu geraten.

Die Beziehung zwischen den Bürgern und dem Staat seit Beginn der Pandemie erinnerte mich stark an die toxischen Beziehungsmuster zwischen Kindern und ihren unreifen Eltern. Der Giftpegel dieser Beziehung ist mit der Zeit so stark angestiegen, dass er in meinen Augen mehr Schaden eingerichtet hat als die Pandemie oder das Virus selbst. Folgende Beziehungsmuster konnte ich erkennen:

1. Du kannst erst wider leben, wenn du dich aufgibst.

„Du kommst erst aus deinem Zimmer wieder raus, wenn du nicht mehr weinst/schreist/wütend bist/dich beruhigt hast, etc.“ „Ich rede solange nicht mit dir, bis du wieder lieb bist“, „Wenn du so weitemachst, gehen wir sofort vom Spielplatz nachhause“. Das hören wir doch jeden Tag irgendwo oder?

Die Verantwortung wird hier scheinbar auf das Kind übertrage. Es hat es scheinbar selbst in der Hand. Es braucht sich ja nur konform zu verhalten, um die „Liebe“ der Eltern zu bekommen, die es will. Ein teuflischer Pakt, denn dafür muss das Kind auf seine Gefühle verzichten, sie ignorieren, sie verneinen, einfrieren lassen, sie nicht fühlen, um den Kontakt zu seinen Eltern wieder herzustellen. Sonst ist es selbst an allem schuld – daran, dass Mama böse, überfordert oder traurig ist. Es wird dem Kind die Verantwortung aufgeladen, die es nicht halten kann, die ungerecht ist, die erwürgt und beschämt. Es ist das Gegenteil von bedingungsloser Liebe der Eltern.

Das gleiche passiert heute in der Gesellschaft auch. Wir sind scheinbar selbst an der Härte der Maßnahmen schuld, weil wir uns nicht brav, diszipliniert oder konform genug verhalten. Dann dürfen wir uns auch nicht beklagen. „Wegen dieser Idioten, die die Maske nicht tragen, müssen die Geschäfte schließen!“ Nicht die Erlasse werden kritisiert, sondern diejenigen, die sich nicht an diese halten. Die Ausreißer werden angefeindet wie die rebellierenden Geschwister damals. Warum können sie sich nicht zusammenreißen, damit Mama/Papa endlich Ruhe gibt?

2. Nicht den eigenen Kopf benutzen.

Kinder hinterfragen ihre Eltern nicht. Sie können es nicht, es fehlen ihnen dafür das Denkvermögen, der Vergleich und die Lebenserfahrung. Für Kinder sind ihre Eltern das Universum und so wie sie sind, so können sie nur sein und nicht anders.

In dieser infantilen Position verharren wir heute auch und nehmen alles hin, was von oben auf uns niederprasselt, ohne es kritisch zu hinterfragen. Es macht scheinbar die Pandemie, das böse Virus und nicht die Regierung, die unantastbar bleibt. Wir vergessen, unseren eigenen Kopf zu benutzt, als wären wir noch Kinder und könnten es nicht. Der innere Kompass, der uns spüren lässt, was uns gut tut und was nicht, fehlt uns, weil es uns schon früh aberzogen wurde. Es bleibt uns nur widerstandslos zu akzeptieren, was von oben kommt ganz wie damals, „weil sie es sagen.“

3. Die Panik und die Unberechenbarkeit.

Wenn wir als Kinder mit unberechenbaren Eltern lebten, dann waren wir immer auf der Hut: Wie ist die Mama heute gelaunt? Kommt Papa wieder betrunken nach Hause? Davon hing ab, wie der Tag verläuft, wird er gut oder schlecht? Werde ich heute im Frieden gelassen oder soll ich mich lieber rechtzeitig verkriechen? Wir konnten die feinste Stimmlage der Mutter deuten, ihren Blick, ihre Körperhaltung. Wir konnten am Geräusch des Schlüssels im Schlüsselloch erkennen, ob der Vater betrunken nach Hause kommt und sogar wie stark. Wir haben enorme Sensibilität entwickelt, um uns die Welt ein wenig berechenbarerzu machen. Und trotzdem hat es uns immer unvorbereitet getroffen – die Wut der Eltern, ungerechte Strafen, Schlägereien aus nichtigem Grund. Das hat uns verletzt und den Verstand geraubt, es hat uns wie „verrückt“ gemacht. Deswegen fühlt sich das Leben heute für uns immer noch wie das Laufen auf dem Minenfeld: Man weiß nie, wo und wann es knallt.

Mit dieser Angst und erlebter Willkür im Nacken können wir die oft genauso willkürlichen und unlogischen Maßnahmen der Regierung kaum ertragen. Ich glaube, dass das der Nährboden vieler Verschwörungstheorien ist. Denn eine Theorie versucht dem ganzen Geschehen ein wenig Sinn zu verleihen. Dass das oft übertrieben wird, liegt auf der Hand. Und viele Menschen erleben ernsthafte Angstzustände bis zur Panik angesichts der Staatswillkür.

Ich persönlich glaube nicht an Verschwörungen, sehr wohl aber an die Hilflosigkeit und Unreife der Politiker, ihre Ohnmacht und schnelles Greifen zu scheinbar einfachen Lösungen, die das Symptom aus der Welt schaffen wollen und nicht das Problem an sich.

4. Die Freiheit, die du dir verdienen musst, mit deinem Körper!

Freiheiten für Geimpfte, wie perfide klingt das? Grundrechte gegen eine Spritze. Das widerspricht der Idee der Grundrechte, die unantastbar sein müssen und an keine Bedingung geknüpft werden dürfen. Dein menschliches Dasein hängt davon ab, ob du eine Substanz in deinen Körper reinlässt oder nicht. Ist das nicht Prostitution, Erpressen, Missbrauch? Ein Mensch zu sein, frei zu atmen, sich frei zu bewegen, sich mit anderen Menschen zu treffen und Beziehungen einzugehen, darf von nichts abhängig sein, schon gar nicht von etwas, was die körperlichen Grenzen verletzt.

Die Medien sind zugepflastert mit Bildern von Menschen mit der Spritze im Arm, jetzt auch noch von Kindern mit der Spritze im Arm, damit wir uns an den Gedanken langsam gewöhnen können und es uns mit der Zeit normaler vorkommt. So durchschaubar! Die Ärmel hochkrempeln bedeutet ursprünglich etwas ganz anderes. In der heutigen Variante verwendet ähnelt es eher dem Ausdruck „die Hose runterlassen.“

Einige „Fachleute“ für Medizin und Ethik (!) haben sich dafür ausgesprochen, den Schulbesuch für Kindern oder die Teilhabe am sozialen Leben an die Bedingung geimpft zu sein zu knüpfen. Das nenne ich kriminell! Und ich danke an dieser Stelle Stiko, die sich bisher nich dem politischen Druck gebeugt hat. Ich hoffe, sie behalten ihren Rückgrat und den kühlen Kopf.

5. Bist du nicht ganz dicht?

Diffamieren, auslachen, nicht für voll nehmen, durch Kakao ziehen, wenn der andere sein Empfinden mitteilt, ist eine erniedrigende Art der emotionalen Gewalt, die wir heute seitens des Staats gegenüber seinen kritischen Bürgern erleben. Die Medien werden zum Sprachrohr dieser Haltung und viele konforme Bürger machen mit. So braucht man auf die kritischen Argumente nicht einzugehen, sich nicht mit ihnen auseinandersetzen, es reicht, die Kritiker für verrückt zu erklären und mit der eigenen Politik weiterfahren. Es ist beschämend und erniedrigend. Man trifft sich nicht auf der Augenhöhe, sondern wird von oben herab aus seiner Machtposition diffamiert. Es ist Machtmissbrauch! Es wirkt beängstigend, man kommt gegen die Maschinerie nicht dagegen an und riskiert noch das Letzte, was einem übrig bleibt, nämlich seine Würde zu verlieren.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich erkennen, dass wir Menschen in der Pandemie zu einem Instrument der Politik degradiert sind, benutzt und entwürdigt werden. In allen diesen Formen wird das Ausmaß der emotionalen Gewalt deutlich. Eine toxische Beziehung baut auf diesen faulen Bausteinen auf: Schuld, Scham oder Wertlosigkeit. Wir sind doch alle selbst schuld an unserer Misere, wenn wir Anweisungen nicht folgen. Wir können nicht frei sagen, was wir denken, dann werden wir nicht für voll genommen oder ausgegrenzt. Und wir müssen von unserem Empfinden abtreten, uns blind beugen, uns entwürdigen lassen.

Auch Politiker sind nur Menschen mit ihren Schattenseiten und Ego-Ambitionen. In der Krise kommen diese besonders deutlich zum Vorschein. Sie handeln getrieben von Angst, manchmal im blinden Aktionismus. Hauptsache, etwas tun und nicht passiv wirken. Dabei kommen die größten Veränderungen durch die Bewegung im Bewusstsein. Den vermeintlichen „Feind“ im Außen zu bekämpfen, anstatt nach innen zu schauen, ist ein deutliches Zeichen der seelischen Blindheit.

Leider wird die Chance dieser Krise bisher nicht wahrgenommen, uns selbst als Menschheit zu hinterfragen, unseren Platz auf der Erde, unsere gemeinsame Existenz mit anderen Lebewesen, unsere Gier und Egoismus. Die Chance dieser Pandemie – im kollektiven Bewusstsein zu wachsen, – dürfen wir nicht verpassen. Und der erste Schritt in dieser Bewegung ist es, die toxischen Beziehungen, in denen wir gerade stecken, zu durchschauen und nicht weiter mitzumachen.

Allein sein – Belastung oder Geschenk?

Wenn du an die Einsamkeit denkst, was kommt dir zuerst in den Sinn? Welches Gefühl verbindest du mit der Einsamkeit?

Diesen Sommer durfte ich gleich zwei  Mal jeweils eine Woche lang die Einsamkeit erleben.

Als alleinerziehende Mutter mit drei Kindern bin ich selten allein. Die knappen Stunden alleine, während die Kinder in der Schule oder im Kindergarten sind, sind schnell gefüllt mit Arbeit, Besorgungen und Haushalt. In den Ferien fällt die kostbare Zeit alleine ganz weg. Ich merke, dass es mir in der Ferienzeit schwerer fällt, mich um die Kinder zu kümmern. Die Kraft, ihnen Zuwendung zu schenken, schwindet, das Nervenkostüm wird dünner und die Geduld umso knapper. Die Zeit alleine gibt mir also die Möglichkeit, wieder zu mir zu finden und Kraft zu tanken. Doch nicht immer erleben wir es so.

Als ich noch vor einem Jahr unerwartet eine Woche lang Zeit für mich „geschenkt“ bekam, während meine Kinder mit ihrem Papa kurzfristig in Urlaub gefahren sind, fiel ich wie in ein Loch. Die absolute Stille im Haus war unerträglich. Ich suchte mir schnell einen Sprachkurs, der mich fünf Stunden am Tag eine Woche lang beschäftigt hielt. So kam ich über die Zeit hinweg.

Diesen Sommer fühlt sich für mich die Zeit alleine wie ein Geschenk. Die erste Woche bin ich zuhause geblieben. Ich genoss die Ruhe, die Stille, das Faulenzen, das Nichtstun und niemanden bedienen zu müssen. Ich spielte ausgiebig Klavier, pflückte Kirschen im Garten direkt in den Mund, bis ich satt war oder fuhr mit dem Fahrrad bis nach Dänemark. Ich ging zum Strand, legte mich hin und schloss die Augen – was für ein Luxus, auf niemanden aufpassen zu müssen! Ich las bis tief in die Nacht, schlief mit offener Balkontür, wurde von Möwen in den Schlaf gesungen und morgens wieder aufgeweckt. Ich frühstückte ausgiebig lang und ging abends Tangotanzen.

In der zweiten Woche entschloss ich mich zum Tapetenwechsel und fuhr nach Berlin. Hier traf ich Laura – Tango-Lehrerin, die ich vor einiger Zeit beim Festival kennenlernte und die mich sehr bewegte. Zu ihr spürte ich sofort eine tiefe Verbindung. Ich lernte mit ihr Tanzen und am Abend gingen wir zusammen zu Berliner Milongas (Tangotanzabende).

Obwohl ich aus meiner früheren Zeit in Berlin noch viele Leute kenne, beschloss ich mich bewusst, niemanden anzurufen. Nur die Zeit mit meiner Lehrerin sollte im Mittelpunkt stehen, ihre Stimme und Worte sollten in mir ihre Nachwirkung entfalten.

In der übrigen Zeit genoss ich die Einsamkeit. Der Lärm der Großstadt stand im Kontrast zu der Stille in mir. Ich fühlte mich wie im Auge des Wirbelsturms, wo alles wie in der Zeitlupe stehen bleibt. Ich habe nur wenige Worte am Tag gesprochen, und das entspannte mich.

Wenn man alleine ist, fehlt die Erinnerung von außen daran, wer man eigentlich ist, oder? Wenn meine Kinder zum Beispiel um mich herum sind und ständig etwas von mir verlangen, dann erinnern sie mich konstant daran, dass ich Mutter bin und dies oder jedes zu tun habe. Wenn sie nicht da sind, „vergesse“ ich es fast. Ich liege im Park auf dem Rasen mit geschlossenen Augen, lasse die Sonnenstrahlen meine Haut erwärmen, tauche in die Geräuschkulisse hinein, nicke wie im Sekundenschlaf weg und vergesse für einen Moment, wo ich eigentlich bin, und wer ich bin. Ich musste mich einen Moment sammeln, um mich wieder daran zu erinnern, verrückt.

Wenn die Referenz von außen fehlt, kommt unser Innenleben umso mehr zum Ausdruck. Die Einsamkeit lässt das Innere in uns aufsteigen: die Nöte und die Sorgen, das Nicht-Abgeschlossene, das Unfertige, das Suchende und das Wollende. Man kann hineinlauschen, oder davon rennen, je nachdem, wie wir uns gerade fühlen. Die Zeit alleine kann als belastend oder entspannend empfunden werden, doch sie hilft immer der Seelenhygiene und ist ein guter Indikator unserer aktuellen seelischen Verfassung.

Was ist die Einsamkeit für dich im Moment?

Ländlicher Fahrradweg

Mit dem Leihfahrrad durch Berlin

Die späte Milonga

Mit Laura <3

Der falsche Postbote.

Der falsche Postbote.

Foto: Bauforum24

 

Sonntagabend Zuhause. Es klingelt an der Tür. „Na, wer klingelt denn um diese Uhrzeit?“, fragte meine Tochter verwundert.

„Hallo?“, – melde ich mich an der Sprechanlage.

„Post!“, – sagt eine Frauenstimme, forsch und leicht drängelnd, so wie ein gewöhnlicher Postbote es sagen würde.

„Am Sonntag?“, – frage ich ungläubig zurück.

„Ja!“ – ziemlich frech und diesmal deutlich drängelnder sagt die Stimme, und fügt dann hinzu: „Ich muss für meine Freundin etwas einwerfen“.

Wie fremdgesteuert drücke ich auf die Taste und mache ihr die Hauseingangstür auf.

Schon wenige Augenblicke später überkommt mich unbehagliches Gefühl, wie aus dem Nichts überrollt worden zu sein. Das Gedankenkarussell geht los: „Sie hat mich aber leicht um den Finger wickeln können. Wer ist sie überhaupt und warum klingelt sie bei mir? Als würde sie gewusst haben, dass sie bei mir ein leichtes Spiel hat. Warum habe ich nicht weiter nachgefragt? Warum war ich so leichtgläubig und nachgiebig? Es könnte ja auch nur ein Trick gewesen sein, um ins Haus hereinzukommen. Usw., usw.

Schnell wurde mir klar, hier wurden Seiten in mir belebt, mit denen ich kein Freund bin – mein Schatten. Diese unbeliebten Seiten von mir sind meine alten Bekannten – die Unfähigkeit, meine Grenzen zu bewahren, Nein zu sangen, kontra zu geben oder schlagfertig zu antworten. In mich kann man so hineingreifen, wie in einen Sahnepudding. Wie weiche Butter für ein Messer leiste ich keinerlei Widerstand. Bzw. doch, wenn ich die Zeit zum Nachdenken habe, aber nicht wenn sich der Autopilot einschaltet und die gewohnten Muster automatisch abspielt.

Bekannt ist mir das alles ja schon lange und ich arbeite auch schon lange daran. Die Situation hat mir nur gezeigt, dass ich mit meiner Arbeit offenbar noch nicht so weit gekommen bin. Da kommt Ärger hoch.  Die eigenen Schwächen so leicht vorgeführt zu bekommen, uff. Dann die erste Entwarnung: Zumindest konnte ich den aufgekommenen Ärger gleich lokalisieren und habe ihn nicht etwa an meinen Kindern abreagiert. Gut gemacht! Erst später am Abend, wenn meine Kinder im Bett waren, habe ich mir den Vorfall noch mal vorgenommen, mich in eine entspannte Lage begeben und in mich hineingeschaut.

Zunächst habe ich den Vorfall wie in Zeitlupe noch einmal durchlebt und auf meine Gefühle in jedem Augenblick geachtet.

  • Es klingelt: Mich treibt die Neugier zur Sprechanlage. Was ich erwarte? Einen netten Überraschungsbesucher vielleicht, der sagt: „Hey, wie geht es dir? Wollte nur kurz Hallo sagen.“ Fehlanzeige, *grmpf*.
  • Die Stimme: „Post!“: Ich spüre meinen Zweifel, doch der Nachdruck der Stimme lässt meine Skepsis weichen. Die Stimme klingt forsch und frech. Ich merke, da ist mehr im Spiel und schaue jetzt in meine Vergangenheit: Wann habe ich mich so ähnlich gefühlt? Tatsächlich hat mich meine (sehr dominante) Mutter oft gedrängelt. „Los, los, los, los!“ peitschte sie mich an, damit sie ihren Alltag bewältigt bekommt. Ich erinnere mich gut an das Gefühl, wie von einer Asphaltwalze überrollt zu werden, absolute Ohnmacht. Ich hatte keine Chance, ihr etwas entgegenzusetzen und fügte mich dem Druck. Und ja, mit der Zeit wurde daraus Automatismus, der offenbar bis heute andauert, besonders wenn dieser Druck wie aus dem Nichts kommt und mich unvorbereitet trifft.
  • „Ich muss etwas für die Freundin reinwerfen“. Dieser Satz hat eine andere Seite in mir berührt – nett zu anderen sein zu wollen (oder müssen?) Etwas für die Freundin, wie kann ich da Nein sagen? Es kam mir nicht mal in den Sinn zu fragen, warum sie dann bei mir klingelt? „Entschuldigen Sie, ich kenne Sie nicht und mache nicht auf“, würde ich jetzt sagen wollen. Doch ich wollte nett sein, Ja sagen, helfen. Wo kommt das wieder her? Ich schaue wieder in meine Kindheit hinein und werde sofort fündig: Ich durfte nie frech sein, ausgelassen toben oder mir „Blödsinn“ erlaufen. Das gewünschte Bild, das ich abgeben musste war ein gut erzogenes, „seriöses“ Mädchen ohne „Flusen“ im Kopf. Bis heute vermisse ich diese freche Seite in mir. Ich denke, daher kommt meine Unfähigkeit, witzig zu sein, anzuecken oder zu provozieren, denn dann bin ich ja nicht „seriös“. Auch diesen Knopf in mir hat die vermeintliche Postbotin in der kürzesten Zeit drücken können.
  • Ich realisierte, dass der Ärger, den ich kurz nach dem Türöffnen verspürt habe, sich in Wirklichkeit nicht gegen die Frauenstimme von der Straße richtete, sondern gegen meine Mutter. Wahrscheinlich war es tatsächlich nur eine Freundin, die eine Nettigkeit vorbereitet hat. Und ihre freche Art war gar nicht böse gemeint, sondern nur spielerisch. Ich habe sie nur so erlebt. Den Ärger konnte ich nun richtig zuordnen.

Ich konnte meine Ohnmacht wieder spüren. Und ja, als Kind war ich ohnmächtig, weil ich klein war. Heute bin ich groß und kann kontra geben, wenn ich das will. Und wenn es mich das nächste Mal wieder unvorbereitet trifft, werde ich sehen, ob ich im Überwinden meiner Automatismen einen Minischritt weitergekommen bin. Auf dem Weg der Verarbeitung kindlicher Verletzungen werden wir wohl nie wirklich am Ziel ankommen und diese wie ungeschehen machen können, aber es ist wichtig, dass wir diesen Weg gehen und in uns hineinsehen, sonst würden wir die Menschen in unsere Umgebung, besonders unsere Kinder und den Partner, als „Mülleimer“ für all die schlechten Gefühle in uns benutzen. Wollen wir das?

Und so war es am Ende doch ein netter Überraschungsbesucher. Es war mein Schatten, der an der Tür klingelte.

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