Vom Patriarchat bis Wochenbett. Was Frauen wirklich hilft.

… und wie das Wochenbett dabei helfen kann.

Sie sind allgegenwärtig – die schwarzen Anzüge als Sinnbild des Patriarchats – rechteckig und freudlos, wie Kapseln, die alles Weiche, Spontane oder Kreative im Inneren ersticken lassen. Auf Gruppenfotos der Regierungschefs erleuchten ein-zwei Farbtupfer der weiblichen Kostüme, oft aber gar keine. In den Chef-Etagen der Konzerne sind Frauen genau so rar. Da, wo das Geld und die Macht wohnen, sind Frauen eher Exotinnen. Patriarchat, wie der Name schon sagt, hebt den Patriarch – den Übervater – auf den Thron der Herrschaft. Aber nicht nur ihn oder den Mann generell. Wir heben auf das Podest unbewusst die männlichen Eigenschaften, die ja zu dieser Machtposition geführt haben müssen und daher erfolgversprechend seien. Nicht nur Männer regieren in der Gesellschaft, sondern die männliche Energie durchdringt die Gesellschaft im Übermaß und bringt den Energiefluss in der Gesellschaft aus dem Gleichgewicht.

Männliche und weibliche Energien fließen in jedem Menschen. Es ist nur die Frage der Gewichtung, welche von ihnen die dominantere ist. Natürlicherweise dominiert bei Frauen die weibliche Energie und bei Männern – die männliche. Die Energie ist an sich wertfrei. Wie im Zeichen von Jin und Yang ergänzen sich beide Energien idealerweise, spielen zusammen und bilden ein harmonisches Miteinander – ein Ganzes. Keine von den beiden Energien ist wichtiger oder besser, das wäre ja absurd zu behaupten und würde das Gleichgewicht sofort zerstören. Aber unsere Bewertungen machen genau diese Einstufung und diesen Fehler. Im Patriarchat wird die männliche Energie überbetont und überbewertet, und die weibliche Energie wird abgewertet oder gar unterdrückt. So glauben wir z.B. aktiv wäre besser als passiv, rational wäre besser als emotional, geplant besser als intuitiv, dominant besser als nachgiebig, hart besser als weich, und so weiter. Wir präferieren unbewusst viele Attribute der männlichen Energie gegenüber der weiblichen und tragen unbewusst dazu bei, dass dieses Ungleichgewicht weiter aufrechterhalten bleibt. Das Traurige ist, dass wir Frauen es unbewusst ebenfalls tun. Dadurch lehnen wir die weibliche Energie, die in uns natürlicherweise die dominantere ist, unbewusst ab, beschneiden unsere ur-eigene Stärke und schwächen uns dadurch selbst.

Der Feminismus befeuert diese Tendenz nur noch. Auch wenn seine Absichten legitim sind, zweifle ich stark an der Wirksamkeit der Mittel. Feminismus ist auf Krawall gebürstet, unzufrieden, aufgebracht. Er wirkt unbeholfen und unreif. Er schreit „Ich will aber!“ wie ein kleines Kind. Er erzeugt bei mir eher Mitleid als Respekt. (Mein Sinnbild dafür schlechthin ist die Anna-Lena Baerbock.) Eine reife Frau ist selten feministisch. Sie weiß, sie muss nicht kreischen, um gehört zu werden. Sie nimmt Einfluss durch ihre schiere Präsenz.

Feminismus setzt Protest und offene Konfrontation als Mittel im Kampf um die Gleichberechtigung ein – und es sind genau die männlichen Methoden. Er atmet männliche Energie und stellt sie damit unbewusst als die bessere dar. Indem wir uns mit Männern messen wollen, nehmen wir ihre Standards an. Indem wir so sein wollen wie Männer, sagen wir implizit, dass das die bessere Art wäre zu sein. Es motiviert Frauen, wie unreife Männer zu agieren – hart, rücksichtslos, egoistisch. Aber das ist gegen unsere weibliche Natur. Studien belegen, dass Frauen sich mehr um das Allgemeinwohl kümmern als um ihre eigenen Vorteile. Altruismus ist uns von der Natur gegeben worden, (wahrscheinlich damit wir so manche schlaflosen Nächte überstehen können, wenn wir uns um den Nachwuchs kümmern). Wir können bei diesem sinnlosen Kampf nur verlieren, weil wir nicht die besseren Männer sein können. Feminismus entfernt uns von unserer weiblichen Essenz.

Quotenvorgaben für Führungspositionen sind nicht mehr als Versuche, Symptome zu bekämpfen, statt an den Ursachen anzusetzen. Aus Zeiten, als ich in Marketing gearbeitet habe, weiß ich, dass man den Konkurrenten nicht dadurch besiegen kann, indem man ihn kopiert, sondern indem man sich auf eigene Stärken besinnt. Wir Frauen haben viel wirksamere Einwirkungsmöglichkeiten, die wir noch nicht nutzen. Und möchte hier einen besseren Weg aufzeigen, wie wir aus dieser Schieflage wieder herauskommen. Wir Frauen bringen die Welt wieder in Lot, indem wir wieder wie Frauen sind und nicht wie Männer.

Im Kerne des Problems liegt in meinen Augen die gedrosselte weibliche Energie, sowohl in der Gesellschaft als Ganzes, als auch bei uns Frauen. Die weibliche Energie gilt latent als schwach und nachteilig für den höheren Status, den man sich ja erkämpfen muss. Auch in der Familie wird sie selten kultiviert und von der Mutter zur Tochter als etwas Wertvolles weitergereicht. Ich vermute, dass diese Drosselung noch auf die Zeit der Hexenjagd zurückzuführen ist. Damals wurden Frauen, die sinnlich und naturverbunden waren, sich mit Pflanzen und Tieren auskannten, klug und eigenwillig waren, für Hexen erklärt, gefoltert und öffentlich am Scheiterhaufen verbrannt. Was für eine Brutalität! Die Hexenjagd ging über mehrere Jahrhunderte. Je nach Quelle sind Hunderte Tausend von Frauen (und wenige Männer auch) ihr zum Opfer gefallen. Die treibende Kraft hinter der Hexenjagd war die Kirche und ihre Bestrebung nach Macht, aber auch die Suche nach Sündenböcken bei Missernten oder Pandemien. Was hat die Kirche in Frauen gesehen, das sie so fürchten ließ und zu so einer Brutalität bewegte? Es muss eine Energie von ihnen ausgegangen sein, die unkontrollierbar erschien. Männer hatten keinen Zugang zu ihr. Wie müssen sich Frauen in dieser Zeit über Jahrhunderte gefühlt haben? Sie versuchten vermutlich alles, was weiblich anmuten könnte, zu verstecken oder zu unterdrücken.

Männer regieren das Sichtbare, Frauen regieren das Unsichtbare. Dieser Bereich ist für Männer schier unerreichbar. Weibliche Energie ist tiefgründig, subtil, intuitiv. Sie ist zuhause im Reich der Gefühle, des Unbewussten, des Dunklen und Animalischen. Sie ist verbunden mit der Mutter Erde auf der einen Seite und mit dem ganzen Universum auf der anderen. Frauen kommen durch den Akt des Gebärens an das Geheimnis des Lebens viel näher heran als Männer. Das ist unser großes Privileg und eine gewaltige Machtposition.

Der wahre Sprungbrunnen der weiblichen Energie ist das Wochenbett. Diese sensible Zeit nach der Geburt ist wirklich magisch. Das neugeborene Kind öffnet nicht nur den Körper der Frau während der Geburt, sondern auch die Seele der Mutter. Es öffnet sich der Zugang zum seelischen Schatten. Der zeitlose seelische Raum zeigt sich, und das innere Kind der Mutter erwacht. Mehr noch, es öffnet sich der Kanal, der uns mit der kosmischen Energiequelle verbindet und mit dem gesamten Universum selbst. Deswegen fühlen wir uns nach der Geburt in den eigenen vier Wänden wie auf einem anderen Planeten. Nicht die Welt hat sich verändert, sondern wir sind durch das große Tor gegangen, das Tor der Erkenntnis über das Geheimnis des Lebens. Das Wochenbett ist die Zeit, in der wir uns mit der weiblichen Energie wieder verbinden können, selbst wenn der Zugang dazu vorher abhandengekommen ist. Es ist ein heilender Prozess, wenn wir es zulassen.

Für viele Frauen fühlt sich der Zustand im Wochenbett aber so befremdlich und neu an, dass sie anfangen, dagegen zu kämpfen. Sie versuchen mit aller Kraft, diesem Sog zu widerstehen, was sie nicht selten in eine seelische Krise stürzt. In dieser Zeit haben alle um die junge Mutter herum – die Familie, Freunde, Hebammen und Arbeiter der frühen Hilfen – als wichtigste Aufgabe, den Fluss der weiblichen Energie bei der jungen Mutter zu unterstützen, zu bestärken und nicht zu unterbinden. Das sichert nicht nur der Mutter den inneren Frieden, sondern dem Kind das Überleben. Das Wochenbett macht uns Frauen ein großes Geschenk – es belebt die Quelle der weiblichen Energie in uns, genau diese weibliche Energie, die über Jahrhunderte verfolgt, unterdrückt und fast schon ausgerottet ist. Aber jedes neugeborene Kind, das frisch diese Erde betritt, legt diese Quelle in uns wieder frei, weil die Natur es so will und weil das Kind sie zum Überleben braucht. (Darüber habe ich ein ganzes Buch geschrieben.)

Jede Mutter spürt im Wochenbett den inneren Konflikt: Darf ich bei meinem Kind bleiben oder soll ich schnell wieder arbeiten gehen? Darf ich weich und nachgiebig sein, oder muss ich hart und konsequent bleiben? Kann ich dem Verlangen meines Babys nachgeben, oder werde ich dafür verurteilt? Ist es nicht rückständig und altmodisch, lange bei dem Kind zu bleiben? Die Gesellschaft suggeriert, dass eine moderne Frau schnell wieder arbeiten gehen soll, um sich zu verwirklichen. Da, in der Arbeitswelt, liegt vermeintlich die Erfüllung. Warum glauben wir eigentlich, dass die Selbstverwirklichung auf der Arbeit passiert, die ich vielleicht gar nicht mag? Dabei müssen wir nicht kämpfen, sondern im Gegenteil weich werden und den betörenden, genussvollen Stöhnlauten unseres Babys lauschen, während es an der Brust trinkt, und dabei die subtilen Schwingungen aus dem Universum empfangen. Wir müssen uns auf die Wellenlänge unseres Babys einlassen und mit ihm zusammen in die tiefen Gewässer der weiblichen Energie eintauchen – in einen Raum ohne Zeit, ohne fester Struktur, ohne Regeln und ohne Zensur. Hier hat niemand die Macht über uns. Es ist der Raum frei von schwarzen Anzügen, vielleicht der einzige Raum überhaupt. Hier gelten unsere Regeln, wenn wir es uns erlauben.

Und später, wenn die lange Zeit des Wochenbetts durchlebt ist (nach ca. 1,5 bis zwei Jahren), wenn unser Kind an Autonomie gewinnt und uns nicht mehr so braucht wie vorher; wenn die direkte Beziehung zum Vater aufgebaut ist, wird es an der Zeit sein, dass wir uns wieder in die Außenwelt hineinbegeben können, aber verändert, bereichert, wie neugeboren. Wir haben einen wichtigen Teil von uns zurückgewonnen – unsere weibliche Energie, die anders ist als die männliche – weicher, subtiler, tiefgründiger, ganzheitlicher, gefühlsbetonter, fließender, kreativer. Die weibliche Energie kennt nicht nur das „höher, schneller, weiter“, sondern auch runder, erfüllender, harmonischer. Weich bedeutet nicht schwach, sondern weise. Und die schiere Stärke ohne die Weisheit kann an sich selbst zerbrechen.

Viele Frauen wollen nach der Babypause nicht in ihren alten Beruf zurückkehren, weil sie spüren, dass er ihrer wahren Essenz nicht mehr entspricht. Viele machen sich mit neuen kreativen Ideen selbständig. Das ist die wahre Selbstverwirklichung, auch wenn sie monetär gesehen oft nachteilig ist. Aber die Lebensqualität und die innere Erfüllung sind nicht nur mit Geld zu bemessen.

Der Feminismus kann das Patriarchat nicht besiegen, weil es selbst nach den Regeln des Patriarchats spielt. Es setzt aggressive männliche Methoden ein. Dadurch zementiert er es nur noch mehr. Wir Frauen müssen unsere eigenen Regeln etablieren, und zwar nicht als die besseren, sondern als die, die bisher gefehlt haben und zu dieser Schieflage geführt haben – die Regeln der weiblichen Energie. Wenn die männliche Energie die Felsen sind, so ist die weibliche Energie das Wasser, das dazwischen fließt. Das Wasser mag weich sein, aber es fließt mit Nachdruck, es formt die Landschaft und es kann eine Kraft entwickeln, die die Felsen versetzen kann. Männer und Frauen müssen sich nicht bekämpfen, sondern in Harmonie miteinander leben und arbeiten.

Die Zielscheibe für feministische Anfeindungen ist das Feinbild der alten weißen Männer, die skrupellos und machtsüchtig über unsere Köpfe entscheiden. Wir bekämpfen dieses Feinbild und vergessen dabei, dass diese, zugegeben oft ekligen Gestalten, die nur auf ihr Machterhalt bedacht sind, auch einmal kleine Jungs gewesen sind. Sie hatten ihre Mütter als die ersten Frauen in ihrem Leben, waren von ihnen abhängig, haben um ihre Liebe gekämpft, um sich um ihre Nähe bemüht und um ihre Anerkennung gebuhlt. Wie war diese Beziehung? Ich befürchte nicht gut, weil man oft den Eindruck bekommt, als wollten sie sich an Frauen rächen. Ich glaube, die Zeit der extremen Verletzbarkeit wie in der Kindheit, die Zeit der Abhängigkeit und Ohnmacht, wenn diese ungünstig ohne wohlwollenden Umgang durchlebt wird, ist die Keimzelle der toxischen Männlichkeit. Eine verletzende Mutter-Sohn-Beziehung kann die männliche Energie in destruktive Bahnen lenken. Männer führen Kriege, weil sie die Frauen vermissen, die an sie glauben, statt sie zu bekämpfen. Merken wir eigentlich, was für eine Machtposition wir Frauen haben? Wir können eine andere Generation von Männern heranwachsen lassen – Männer mit Herz, Ehre und Integrität, die die Gesellschaft wieder zum Aufblühen bringen, statt endlose Kriege zu führen. Es liegt in unseren weiblichen Händen.

Wir Frauen müssen uns auf die weibliche Energie zurückbesinnen. Wenn wir sie selbst nicht kultivieren und nicht respektieren, wird es niemand für uns tun. Männer regieren das Sichtbare, Frauen – das Unsichtbare. Wir müssen wieder lernen, das Unsichtbare zu spüren, das Unbewusste gelten zu lassen, Energien zu lenken, Stimmungen zu nutzen. Wir müssen begreifen, dass das Unsichtbare zu regieren, nicht die unterlegene Position ist. Der Reich der Gefühle, der Kreativität, der Beziehungen und des Unbewussten sind mächtige Bereiche unseres Lebens. Wir können Lösungen für Probleme aufspüren, die man mit Augen nicht sehen kann, aber sehr wohl, wenn man auf die Intuition vertraut. Wir können Konflikte zum Wohle aller entschärfen, weil wir weniger konfrontativ agieren, weil wir in Interessen denken und nicht auf vordergründigen Positionen beharren.

Es ist unsere Aufgabe, die weibliche Energie in uns wieder zu entdecken, sie in die Welt zu tragen, sie da als einen unabdingbaren Teil des Lebens zu etablieren und zu hüten. Finde die Harmonie zuerst in dir, statt sie von außen einzufordern. Suche das Wasser als erstes in der Tiefe deiner Seele. Lasse dann den Stang der weiblichen Energie in deiner Familie fließen, fülle mit ihr den Raum, versorge deine Familie mit Liebe und Zufriedenheit, sehe, wie sie dadurch aufblühen und gedeihen. Bringe dann deine weibliche Energie in deine Arbeitswelt. Motiviere deine Kollegen durch Vertrauen, Mitgefühl und nicht durch starre Anweisungen oder Dominanz. Lenke und gestalte, inspiriere und begeistere, weich, subtil und wirksam. Und wenn das jede Frau tut, wird aus kleinen Tropfen der weiblichen Energie jeder einzelnen Frau ein großes Wasser zusammenfließen, das die Gesellschaft als Ganzes heilt.

Männer regieren das Sichtbare. Frauen regieren das Unsichtbare. Das bedeutet nicht, dass eine Frau nicht auch die Chefin sein kann. Selbstverständlich kann sie das, aber sie wird es anders tun als ein Mann – mit unsichtbaren Mitteln der weiblichen Energie. Sie muss nicht ihr Ego aufblähen oder Hierarchien wahren, sie kann gemeinschaftlich denken und das Ganze besser im Blick behalten. Sie reagiert flexibel auf Veränderungen, denn das Fließen ist ihr so vertraut wie das Wasser.

Ich betone, nicht die Frauenquote kann die Klauen des Patriarchats entschärfen, sondern das Beleben der weiblichen Energie. Denn auch Frauen agieren manchmal wie Männer. Ich habe zwei Cheffinnen von Großkonzernen beobachtet – die eine setzt ihre weibliche Energie ein, und die andere agiert eher nach männlichen Stereotypen. Die erstere Frau ist die neue Chefin der Deutschen Bahn, Evelyn Palla. Ob es Zufall war oder nicht, aber meine erste Bahnfahrt nach dem Wechsel im Vorstand war seit langer Zeit die erste, die pünktlich ankam, trotz verpasster Anschlüsse dank der flexiblen Gestaltung der Route und der Streichung einiger kleiner Stationen. Zu den Sofortmaßnahmen zählten bei der Deutschen Bahn die Verdoppelung des Reinigungspersonals und der Versorgungsstationen in Zügen und Bahnöfen – eine sehr weibliche Geste, wie mir scheint. Auch erwähnenswert ist, dass sie die Zahl der Manager sofort halbiert hat und die Hierarchie dadurch abgeflacht. Bravo, Evelyn Palla!

Mein negatives Beispiel ist die Chefin der Commerzbank Bettina Orlopp. Sie betont ihre Wachstumsambitionen, die sie mit steiler Preissteigerung durchsetzt. Es ist aber kurzfristig gedacht, dann langfristig führt das zum Verlust der Kunden. Im Auftreten zeigt sie die übertriebene politische Korrektheit, die über jeglichen Ziel hinausschießt. Es ist für mich ein Zeichen, dass man gefallen möchte, dass man den externen Erwartungen entsprechen will, ohne authentisch zu bleiben. Die italienische Großbank Uni Credit bemüht sich seit einiger Zeit um die „Übernahme“ von Comdirect, oder um eine „Fusion“? Doch die Chefin währt sich nicht nur eisern, sondern ignoriert diese Entwicklung und mögliche Vorteile regelrecht. Auf der Pressekonferenz antwortet sie auf die Frage des Journalisten: „Wir haben kein italienisches Problem“ und geht dann ohne Pause zum nächsten Punkt der Agenda. Ein merkwürdiges Straußvogel-Verhalten. Ich würde nicht die Aktien der Commerzbank kaufen.

Zusammenfassend möchte ich an Frauen appellieren, wie Frauen zu bleiben. Wir sind nicht schwach, wenn wir unsere weiblichen Kräfte wieder entdecken. Doch wir werden weiterhin ein leichtes Opfer bleiben, wenn wir diese nicht nutzen. Wir können von niemandem Respekt einfordern, wenn wir selbst unsere wahre Natur nicht respektieren. Feminismus kämpft ja schon seit einiger Zeit für die Gleichstellung der Frauen, leider mit mäßigem Erfolg. Ist es nicht an der Zeit, unsere Strategie zu überdenken? Verbinde dich mit deinem Atem, mit deinem Körper, mit deinem Herzen und deiner Intuition. Suche die Schönheit in allem. Werde weich, weise und mächtig, wie das Wasser. Happy Women’s Day, Ladies!

Interview mit Elterngespräch – ein Podcast von Eltern.de

Persönlichkeitsverlust im Wochenbett.

Und noch ein gelungenes Interview, wie mir scheint, das „Das Elterngespräch“ – die Podcastreihe vom renommierten Magazin „Eltern“ mit mir geführt hat. Diesmal ging es um das verbreitete Gefühl, das viele junge Mütter im Wochenbett empfinden, nämlich nicht mehr die alte zu sein, sich nicht mehr wieder zu erkennen und damit zu kämpfen, eine neue Identität zu finden.

Dieses Thema ist sehr ausführlich in meinem Buch im Kapitel über das Wochenbett beschrieben. Es ist ein Phänomen, das uns sehr unerwartet trifft, denn wir haben uns bisher mit unserer angelernten Identität im sozialen und beruflichen Leben gemütlich gemacht. Wir tragen eine Maske, die ein gewünschtes Bild nach außen abgibt. Nur just im Moment des Mutterwerdens zerbröselt sie wie eine alte aufgesetzte Fassade und offenlegt ihr falsches Dasein. Sie trägt nicht mehr und wir wollen sie auch nicht mehr tragen. Das ist der Grund, warum wir im Wochenbett oft die Kontakte zu unseren alten Freunden und Bekannten meiden, nicht ans Telefon gehen und uns zurückziehen. „Sie rufen doch noch die Frau an, die ich früher war und die ich nicht mehr bin.“ lautet dann oft die Antwort.
Aber wer sind wir jetzt?

Dieser und einigen anderen Fragen geben wir in diesem Interview auf den Grund, aber noch viel mehr und tiefer in meinem Buch. Hört gerne rein! https://open.spotify.com/episode/1M017SKXypt7lpTIbdhg8V?si=1f58295fa8de458e

 

Zwei neue Interviews auf Instagram TV

Ich möchte euch zwei neue Interviews nicht vorenthalten, die auf IGTV vor kurzem stattgefunden haben. Diesmal hat mir Maria Pacific @liebeundgeborgenheit Fragen zum Thema Muttersein gestellt.

Im ersten Interview geht es um das Wochenbett – diese andere Gefühlswelt, in die wir nach der Geburt oft völlig unvorbereitet katapultiert werden, tiefe Gewässer und die Begegnung mit unseren dunklen Seiten. Erfahre, was Wochenbett mit der Zeit der Trauer gemeinsam hat. Hier geht es zum Interview 1

Im zweiten Interview geht es um den Alltag mit Kleinkindern. Hier strömt ganz andere Energie, oft Konflikt beladen, aufbrausend, frustrierend, sowohl für Kinder, als auch für die Eltern. Aber das muss gar nicht sein und die sogenannte Trotzphase ist nur hausgemacht. Hier geht es zum Interview 2

Persönlichkeitsverlust im Wochenbett. Und was wir dafür für die neue Weltordnung gewinnen.

Persönlichkeitsverlust im Wochenbett. Und was wir dafür für die neue Weltordnung gewinnen.

Persönlichkeitsverlust im Wochenbett. Und was wir dafür für die neue Weltordnung gewinnen.

Nachdem die Wucht der Geburt abgeebbt ist, sind wir mit einer neuen Situation konfrontiert: aus Eins wurden Zwei. So endgültig und greifbar wie es im Körper geschehen ist, ist es in der Seele aber noch nicht. Die seelische Verwandlung von Eins- zum Zwei-sein geschieht nicht sofort sondern erstreckt sich über die Zeit. Seelisch gesehen sind wir noch lange nicht da, wo der Körper auf einen Schlag schon ist. Jetzt bin ich Mama und nicht mehr die Alte. Aber was für eine Person bin ich jetzt?

Persönlichkeitsverlust

Was uns nach der Geburt zu schaffen macht, ist der Persönlichkeitsverlust. Unser altes Ich fällt in sich zusammen, das Neue muss sich erst formen. Es braucht Zeit. Bis dahin entsteht ein Vakuum, Chaos und das Gefühl der inneren Leere. Wir können nicht mehr mit Sicherheit sagen, wer wir sind, denn das, womit wir uns bis zur Geburt identifiziert hatten, fällt auf einen Schlag weg: das Berufsleben, sozialen Kontakte, Hobbys, das Ausgehen oder Reisen. All diese Dinge waren bis dato die Quelle des positiven Selbstwertgefühls und bescherten uns Anerkennung: brillant im Beruf, beliebt bei den Freunden, bewundert im sozialen Umfeld. Was ist jetzt mit unserem Glanz geschehen? Jetzt, wenn diese Ego-Booster in den Hintergrund treten, fällt uns ihre stützende Kraft erst auf. Abgeschnitten von der Außenwelt, eingeschlossen in unseren vier Wänden, erleiden wir einen harten Entzug. Das Leben da draußen – in der Gesellschaft – zieht an uns vorbei wie im Film und fehlt uns enorm.

Die zerrende Einsamkeit breitet sich im Alltag aus. Das besagte „Dorf“ der Unterstützung fehlt, denn wir leben in Großstädten, entfernt von unseren Herkunftsfamilien (auch das nicht ohne Grund). Wir bekommen kaum Hilfe im Alltag. Der Lebenspartner arbeitet lange und kommt nach Hause spät. Freunde besuchen uns immer seltener, da wir für ihre „erwachsenen“ Themen kein offenes Ohr mehr haben. Auch wir finden sie im Gegenzug plötzlich oberflächlich. Wir schwingen nicht mehr auf der gleichen Wellenlänge, zwischen uns ist eine tiefe Kluft entstanden.

Unser vermeintlicher Erfahrungsschatz, den wir uns durch Studieren und das Berufsleben mühsam erarbeitet hatten, erscheint lächerlich nutzlos angesichts des kleinen Wesens in unserem Arm, das untröstlich weint. Am Abend verschlimmert sich die Situation. Wir sehen der Nacht panisch entgegen und wissen nicht, woran wir uns noch halten können. Kontrollverlust, Hilfslosigkeit, Überforderung, Verzweiflung verschlimmern den Teufelskreis.

Die männlich geprägte Außenwelt

Je stärker wir uns bis zur Geburt mit der Außenwelt identifiziert hatten umso krasser erleiden wir ihr plötzliches Verschwinden. Wir sehnen uns danach, wieder zu der Außenwelt zurückzukehren, schick und schlank auszusehen, geregelten Tagesablauf zu führen, intelligent und fähig zu sein, etwas zu tun, was uns gut gelingt und die Anerkennung dafür zu bekommen. Das Leben in den Tag hinein mit einem kleinen Wesen zusammen, das sich (auf die erwachsene Art und Weise) nicht verständigen kann, laugt uns aus. Am Ende des Tages sind wir geschafft, dabei sehen wir nicht mal sichtbare Ergebnisse unserer „Arbeit“ und können uns dem Feierabend nicht entgegen freuen, denn in der Nacht geht ja die „Schicht“ weiter.

Manche von uns flüchten zurück ins Berufsleben, merken aber schnell, dass sie sich in der männlich dominierten Arbeitswelt plötzlich fehl am Platz fühlen. Die Rückkehr zur Arbeit schien nur eine Erlösung zu sein. Bei der Rückkehr aus der Babypause spüren wir aber, dass wir nicht mehr voll und ganz hierhin gehören. Etwas hat sich in unserem Inneren verändert. Meetings erscheinen uns plötzlich sinnlos, die Aufgaben redundant, Kollegen oberflächlich, Themen unwichtig, während es zuhause einen kleinen Menschen gibt, der uns wirklich, wirklich, wirklich braucht. Was gibt es Wichtigeres, als jetzt bei ihm zu sein? Ein Teil unserer Seele ist zuhause geblieben, bei unserem Baby. Das unsichtbare Band zwischen uns lässt nicht los und zieht uns zurück.

Am Arbeitsplatz erwartet man von uns, dass wir uns wieder in die aktive Arbeitswelt einfügen und wie bisher funktionieren, dass wir unseren Intellekt einsetzen, Ideen haben und energievoll an ihrer Umsetzung arbeiten, dass wir nicht emotional wirken oder womöglich „verändert“. Nein, wir müssen so tun, als wäre nichts Bedeutendes in unserem Leben geschehen, wie nach einem Kurzurlaub. Aber wir sind nicht mehr die Alten, ganz und gar nicht, als hätten wir die dunkle Seite des Mondes gesehen, während alle nur von der hellen Seite sprechen. Wir wissen, dass es sie gibt und können nicht länger so tun, als wüssten wir von nichts.

Es fällt uns auf, wie einseitig unsere Gesellschaft tickt. Sie ist auf die maskuline Energie gepolt – auf das aktive Tun, Durchsetzen und Beherrschen. Hier gewinnt der Stärkere, der Dominantere. Man kumuliert die Macht und das Geld. Die „Schwachen“ müssen sich fügen. Alles weicht diesem einen Ziel – der Macht. Der Kampf um die Gleichberechtigung hat uns eingeredet, dass wir auch so funktionieren müssen. Aber wir wollen niemanden dominieren, niemanden ausbeuten oder auf Kosten anderer Vorteile ergattern.

Die weibliche Energie im Wochenbett

Im Wochenbett öffnet sich uns völlig andere Welt – die Welt der weiblichen Energie: Hier gibt es nicht nur schwarz oder weiß, viel mehr erklingen nun die Zwischentöne und erstrahlen gedämpfte Farben. Es zählen keine Ziele und Ergebnisse, sondern allein das Zusammensein. Die Mutter fühlt sich ohne das Baby unvollständig und das Baby fühlt sich ohne die Mutter haltlos, wie im freien Fall. Hier geht es nicht ums Dominieren sondern um die Verbindung. Die Relikte der männlichen Welt – wie der Ehrgeiz, Zielstrebigkeit, Aktivsein, rationales Denken oder Individualismus – sind in Wochenbett sinnlos, nutzlos und störend. Wenn wir unsere Persönlichkeit auf diesen Relikten aufgebaut hatten, bricht sie im Wochenbett wie ein wackeliges Kartenhaus in sich zusammen und eine brillante Businessfrau ertrinkt im halben Glass Wasser angesichts des weinenden Babys, das sie nicht beruhigt bekommt.

Spätestens jetzt ist es an der Zeit, die andere – die weibliche – Energie in uns aufkommen zu lassen, in das Dunkle einzutauchen, die Zwischentöne wahrzunehmen, das Irrationale gelten zu lassen, Gefühle als real und berechtigt zu akzeptieren, uns vom Baby betören zu lassen, weicher, sanfter und leiser zu werden, uns zu öffnen, uns hinzugeben, halten, wiegen, anschmiegen, schnuppern, berühren, verschmelzen, weinen, lieben.

Womit wir vor der Geburt nicht gerechnet hatten, ist, dass wir uns nach der Geburt von der rationalen Welt da draußen für eine Weile verabschieden werden müssen und in eine andere Welt abtauchen werden. Im Wochenbett ist die „Zivilisation“ nebensächlich, dafür umso mehr das Innenleben, Gefühle und die Verbindung. Jetzt sind wir den Katzen, Hündinnen oder Löwinnen ähnlicher als unseren Ex-Kolleginnen. Das „Muttertier“ ist weich, sensibel, zuhörend und beschützend. Das Wochenbett sind tiefe Gewässer – dunkel und berauschend, wenn alles fließt: der Wochenfluss, die Milch und die Tränen. Wir schämen uns vielleicht dafür, so „unzivilisiert“ zu erscheinen, aber es gibt keinen Grund für Scham. Im Gegenteil – es ist ein Gewinn: Endlich haben wir ein Teil von uns zurückerobert, das lange verborgen war – unsere weibliche, feminine Energie, sie ist subtil, tiefsinnig, emotional, fließend, weich, nährend, sorgend, schützend, behütend, gebend, altruistisch, liebevoll. Hier zählt keine sichtbare Ergebnisse am Ende des Tages sondern das süße Gurgeln des zufriedenen Babys, ein Hauch vom Lächeln in seinem Gesicht und der betörende Duft seiner Haut. Nicht sich Durchsetzen und Gewinnen, sondern Nachgeben, Hingeben, sich öffnen, für einander da sein – eine völlig neue Sicht der Dinge, nicht wahr? 

Im ersten Lebensjahr nährt sich das Baby vor allem der weiblichen Energie, nicht der männlichen. Daher, je weicher und sanfter wir im Wochenbett werden, desto wohler fühlt sich unser Baby mit uns. Dagegen, wenn wir in der männlichen Energie verharren, entfacht sich ein Kampf zwischen uns und dem Baby. 

Das Innenleben kommt hervor.

Jetzt, wo die äußere Welt in den Hintergrund tritt, drückt sich das Innenleben in den Vordergrund. Wir erfahren so viel über uns selbst, wenn wir die Gelegenheit ergreifen, dem verlockenden Ruf der tiefen Gewässer nachzugeben und in sie abzutauchen. Die Geburt hat die Eigenschaft, die Seele der Mutter zu öffnen und all das Verborgene, Vergessene, Verdrängte oder als unwichtig Abgetane, wieder an die Oberfläche zu ziehen. Wenn wir hinschauen, verstehen wir, woher wir kommen und was uns geformt hat. Auch die Wunden und Verletzungen gehören zu uns, es sind unsere Spuren und Narben, die uns zu dem machen, wer wir heute sind. Und das fühlt sich stimmiger und echter an, als all der Glanz der alten Tage. Er war mehr Schein als sein.

Gewinn durch das Wochenbett.

Gerade in der männlich geprägten Welt des Patriarchats, in der wir leben, gehen wir unbewusst davon aus, dass nur die männliche Energie ihre Existenzberechtigung hat und gesellschaftlich akzeptabel ist. Aber genau dieser Irrglaube ist der Nährboden des Patriarchats. Es gibt nicht nur die Sonne und das Licht, sondern auch den Mond und den Schatten, nicht nur das aktive Tun, sondern das passive Dasein, nicht nur das rationale Denken, sondern die Intuition und die Gefühle, nicht nur der Individualismus, sondern die Solidarität, nicht nur das eigene Wohl, sondern das Wohl des anderen, nicht das Durchsetzen, sondern das Zusammensein. 

Ja, wir haben im Wochenbett so manchen Stuck der Fassade abbröseln sehen dafür unser Fundament gestärkt. Wir spüren jetzt deutlicher, was wirklich zählt und lassen uns auf keine Kleinkriege des Egos mehr ein. Wir stehen drüber und merken schnell, welche Menschen ihr Leiden vertuschen und sich auf Kosten anderer besser fühlen wollen.

Wir entwickeln Solidarität unter Frauen, die uns enorm stärkt. Wir haben keine Angst mehr vor unseren Gefühlen, weil wir wissen, dass sie unsere zuverlässigen Leiter sind zu dem, was wirklich zählt. Und das Leben, erscheint so viel reicher und mit mehr Sinn erfüllt, dass die alte „verlorene“ Persönlichkeit ruhig da bleiben kann, wo sie war – im alten Leben.

Dieser Gewinn geschieht nicht automatisch und wir verschenken ihn, wenn wir uns im Wochenbett dafür entscheiden, die neu aufgeblühte Welt zu ignorieren, sie zu verschmälern oder alles auf Hormone abzuschieben. Dann verschwindet diese wunderbare Welt im nu und unser Baby bleibt alleine, auch in unserem Beisein. Wenn man die Kraft und die Mut aufbringt, die Unterstützung und den Zuspruch der Angehörigen genießt, geht man gestärkt und verändert aus dem Wochenbett hervor. Was früher wichtig war, relativiert sich, Prioritäten verschieben sich. Wie vorher sein zu wollen, heißt nur auf einem Bein weiter zu laufen. 

Wenn wir die Welt verändern und das Patriarchat verabschieden wollen, dann müssen wir auf die subtile Musik des Wochenbetts hören. Sie zeigt uns, wie es anders gehen kann – liebevoller, geduldiger, emotionaler und solidarischer.

Im Wochenbett lernen wir, dass man Dinge nicht immer durch aktives Tun lösen muss, sondern manchmal mit dem einfachen für-einander-da-sein; dass die Verbindung unsichtbar ist aber enorme Kraft besitzt; dass die Kommunikation nicht immer Worte braucht und telepathisch sein kann; dass die Kraft des weiblichen Körpers enorm ist; dass es Kräfte jenseits des Sichtbaren und Messbaren gibt, die aber nicht weniger real sind; dass die Liebe und der Schmerz sich nicht gegenseitig ausschließen; dass wir genau so geliebt werden, wie wir sind –  nicht perfekt, gemessen an den Schönheitsidealen, und absolut vollkommen in den Augen des kleinen Menschen in unserem Arm. 

Im Kampf um die Gleichberechtigung verlieren wir oft den Fokus und glauben, das Patriarchat mit gleichen Mitteln schlagen zu müssen. Dabei müssen nicht die Frauen männlicher werden, sondern die Welt insgesamt – weiblicher. Erst dann ist Patriarchat passé und mit ihm die Ausbeutung der Erde. Das Wochenbett macht uns ein Geschenkt, indem es zeigt, wie das geht.

Inga Erchova ist Dipl.-Psychologin, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Autorin und dreifache Mutter. Erfahre mehr über sie und ihre Arbeitsweise…

Jede Mutter kann glücklich sein

Psychotherapie am Telefon oder Online

Nicht immer müssen wir mit dem Therapeuten im gleichen Raum sein. Das Telefon bietet den Vorteil, dass man in vertrauter Umgebung eigener vier Wände bleibt und sich dadurch besser öffnen kann. Bei einer Online-Sitzung vergisst man oft die räumliche Distanz und einige Zeitzonen Zeitunterschied.

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Sind die Eltern im Wochenbett austauschbar?

Sind die Eltern im Wochenbett austauschbar?

Sind die Eltern im Wochenbett austauschbar?

In meiner Nachbarschaft sehe ich seit einiger Zeit des öfteren einen Mann, der mit dem Kinderwagen durch die Straßen zieht, bei jedem Wetter zur gleichen Uhrzeit. Manchmal schallt aus dem Kinderwagen verzweifeltes Schreien des Babys, worauf der Vater mit noch zügigeren Schritten und ernsterem Gesichtsausdruck reagiert. Manchmal sitzt er draußen im Cafe und gibt dem Baby die Flasche. Er sieht dabei in die Ferne und sein Gesichtsausdruck sagt mir „Was mache ich hier eigentlich?“. Ich spekuliere, dass es ein Vater in der Elternzeit ist, sehr früh nach der Geburt seines Babys.

Ich höre die protestierenden Stimmen der Leser, die behaupten, dass der Vater für das Baby doch mindestens genau so gut sei wie die Mutter und dass es doch keinen Unterschied mache, solange sich jemand um das Baby kümmert. In einer modernen Familie sind die Aufgaben sowieso gleich verteilt. Es wäre sexistisch oder altmodisch zu behaupten, dass der Vater nicht gut genug für den Säugling wäre. Was ist daran wahr und was sind die Vorurteile unserer Zeit? Sind die Mutter und der Vater tatsächlich austauschbar? Merkt das Baby überhaupt, ob er bei der Mutter oder bei dem Vater ist und macht es für ihn überhaupt einen Unterschied.

Die Gleichberechtigung ist heute ein wichtiges Thema in der Berufswelt, Politik oder Gesellschaft. Wir fordern mehr Frauen in den Vorständen, den gleichen Lohn für die gleiche Arbeit, die gleichen Aufstiegschancen oder Bildungsmöglichkeiten für die beiden Geschlechter. Sollten wir nicht in den eigenen vier Wänden genau so gleich und gleichberechtigt sein wie da draußen? Und das ist genau der kritischer Punkt: Wir verwechseln die Gleichberechtigung mit dem Gleich-sein. Ja, der Mann und die Frau haben gleiche Rechte, sie sind aber nicht gleich, d.h. nicht identisch im Körper, in der Seele und nicht in ihrer Beziehung zum Nachwuchs. Irgendwie haben wir Angst, einen Unterschied zu sehen, weil „unterschiedlich sein“ setzen wir gleich mit „unterschiedlich gut sein“. Es ist jedoch nichts als ein Denkfehler. Für das Baby sind die Mutter und der Vater nicht identisch in ihren Aufgaben und in ihrer Beziehung zum Neugeborenen.

In den ersten Wochen und Monaten nach der Geburt haben die Mutter und ihr Baby eine fast schon telepathische Verbindung. Diese Verbindung ist für das bloße Auge unsichtbar, doch jede Mutter, die sich auf die veränderte Wellenfrequenz des Wochenbetts einlässt, spürt sie. Die Geburt trennt zwar die Körper der Mutter und ihres Babys, doch die seelische Abnabelung verläuft bei weitem nicht so schnell. Sie ist lang und graduell und kann sich bis zum Ende des zweiten Lebensjahres des Babys erstrecken. Bis dahin bleiben die beiden seelisch gesehen noch ein Ganzes, als würde eine Seele in zwei Körpern leben. Die Mütter fühlen sich ohne ihre Babys nicht komplett. Das gleiche erlebt das Baby, nur noch viel extremer – ohne seiner Mutter kann das Neugeborene nicht existieren, nicht leben und nicht sein. Nur an der Seite seiner Mutter fühlt es sich sicher und vollständig. Ein Neugeborenes ist nicht einfach nur ein Objekt, das man versorgen muss wie eine Topfpflanze. Ein Neugeborenes lebt in der Seele seiner Mutter und ohne sie fühlt es sich verlassen, auch in den Armen seines Vaters. Die Aufgabe des Vaters besteht daher nicht darin, die Mutter zu ersetze, sonder die Mutter nach Kräften zu unterstützen, damit sie genug Kraft hat, führ ihr Kind zu sorgen.

Diese Aufgabe des Vaters ist nicht weniger wichtig, ganz im Gegenteil. Ohne seine Unterstützung verzweifelt die Mutter manchmal ohne richtigen Grund, was oft Verwunderung der Angehörigen verursacht. Was soll daran schon schwierig sein, für ein Neugeborenes zu sorgen? Leider sind wir gewohnt, nur mit den Augen zu sehen und registrieren und das, was die Mutter tatsächlich tut. Was wir jedoch nicht sehen ist die enorme Verantwortung auf ihren Schultern, ununterbrochen für das Leben ihres Babys verantwortlich zu sein, denn ohne sie ist es nicht überlebensfähig. Alle ihre seelischen Ressourcen sind auf das Neugeborene gerichtet – sie fühlt mit, versucht zu entziffern, was es gerade braucht, sie wiegt, nährt, trägt und weint mit, wenn das Baby nicht zu beruhigen ist.

Moment mal, fragt vermutlich der Leser, tut der Vater nicht das Gleiche, wenn er die Elternzeit nimmt? Er tut vielleicht das Gleiche, aber er fühlt nicht das Gleiche. Er bleibt emotional reserviert, denn er teilt seine Seele nicht mit ihrem Kind, wie es die Mutter tut. Er bleibt die gleiche Person wie vorher, während sie nie wieder die Gleiche sein wird und darauf muss sie erstmal klar kommen. Nicht nur der Körper des Vaters ist im Gegensatz zur Mutter unversehrt geblieben, auch seine Seele erleidet keinen Bruch. Und das ist gut so, denn so behält er die emotionale Stabilität und die Verwurzelung in der konkreten Welt, während die Mutter in die subtile und für sie völlig neue Welt des Wochenbetts mit ihrem Baby zusammen abtauchen kann. Mit seiner Unterstützung kann sie es sich erst leisten, sich auf die Wellenfrequenz ihres Babys einzulassen und ein wenig so sein wie es – empfindlich, emotional, irrational und unausgesprochen. So versteht sie seine Sprache und schwingt mit ihm mit. Die unten stehende Zeichnung verdeutlicht die wichtigste Aufgabe des Vaters in der neu entstandenen Familie als emotionale Sicherheitsschnur für die junge Mutter. Platztausch wäre hier unvorstellbar, oder?

Illustration Quelle: Puerperios. L. Gutman[/caption]

Über mich

Inga Erchova ist Dipl.-Psychologin, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Autorin und dreifache Mutter. Erfahre mehr über sie und ihre Arbeitsweise…

Mein Buch

Jede Mutter kann glücklich sein

Psychotherapie am Telefon oder Online

Nicht immer müssen wir mit dem Therapeuten im gleichen Raum sein. Das Telefon bietet den Vorteil, dass man in vertrauter Umgebung eigener vier Wände bleibt und sich dadurch besser öffnen kann. Bei einer Online-Sitzung vergisst man oft die räumliche Distanz und einige Zeitzonen Zeitunterschied.

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