Persönlichkeitsverlust im Wochenbett. Und was wir dafür für die neue Weltordnung gewinnen.

Persönlichkeitsverlust im Wochenbett. Und was wir dafür für die neue Weltordnung gewinnen.

Wochenbett

Nachdem die Wucht der Geburt abgeebbt ist, sind wir mit einer neuen Situation konfrontiert: aus Eins wurden Zwei. So endgültig und greifbar wie es im Körper geschehen ist, ist es in der Seele aber noch nicht. Die seelische Verwandlung von Eins- zum Zwei-sein geschieht nicht sofort sondern erstreckt sich über die Zeit. Seelisch gesehen sind wir noch lange nicht da, wo der Körper auf einen Schlag schon ist. Jetzt bin ich Mama und nicht mehr die Alte. Aber was für eine Person bin ich jetzt?

Persönlichkeitsverlust

Was uns nach der Geburt zu schaffen macht, ist der Persönlichkeitsverlust. Unser altes Ich fällt in sich zusammen, das Neue muss sich erst formen. Es braucht Zeit. Bis dahin entsteht ein Vakuum, Chaos und das Gefühl der inneren Leere. Wir können nicht mehr mit Sicherheit sagen, wer wir sind, denn das, womit wir uns bis zur Geburt identifiziert hatten, fällt auf einen Schlag weg: das Berufsleben, sozialen Kontakte, Hobbys, das Ausgehen oder Reisen. All diese Dinge waren bis dato die Quelle des positiven Selbstwertgefühls und bescherten uns Anerkennung: brillant im Beruf, beliebt bei den Freunden, bewundert im sozialen Umfeld. Was ist jetzt mit unserem Glanz geschehen? Jetzt, wenn diese Ego-Booster in den Hintergrund treten, fällt uns ihre stützende Kraft erst auf. Abgeschnitten von der Außenwelt, eingeschlossen in unseren vier Wänden, erleiden wir einen harten Entzug. Das Leben da draußen – in der Gesellschaft – zieht an uns vorbei wie im Film und fehlt uns enorm.

Die zerrende Einsamkeit breitet sich im Alltag aus. Das besagte „Dorf“ der Unterstützung fehlt, denn wir leben in Großstädten, entfernt von unseren Herkunftsfamilien (auch das nicht ohne Grund). Wir bekommen kaum Hilfe im Alltag. Der Lebenspartner arbeitet lange und kommt nach Hause spät. Freunde besuchen uns immer seltener, da wir für ihre „erwachsenen“ Themen kein offenes Ohr mehr haben. Auch wir finden sie im Gegenzug plötzlich oberflächlich. Wir schwingen nicht mehr auf der gleichen Wellenlänge, zwischen uns ist eine tiefe Kluft entstanden.

Unser vermeintlicher Erfahrungsschatz, den wir uns durch Studieren und das Berufsleben mühsam erarbeitet hatten, erscheint lächerlich nutzlos angesichts des kleinen Wesens in unserem Arm, das untröstlich weint. Am Abend verschlimmert sich die Situation. Wir sehen der Nacht panisch entgegen und wissen nicht, woran wir uns noch halten können. Kontrollverlust, Hilfslosigkeit, Überforderung, Verzweiflung verschlimmern den Teufelskreis.

Die männlich geprägte Außenwelt

Je stärker wir uns bis zur Geburt mit der Außenwelt identifiziert hatten umso krasser erleiden wir ihr plötzliches Verschwinden. Wir sehnen uns danach, wieder zu der Außenwelt zurückzukehren, schick und schlank auszusehen, geregelten Tagesablauf zu führen, intelligent und fähig zu sein, etwas zu tun, was uns gut gelingt und die Anerkennung dafür zu bekommen. Das Leben in den Tag hinein mit einem kleinen Wesen zusammen, das sich (auf die erwachsene Art und Weise) nicht verständigen kann, laugt uns aus. Am Ende des Tages sind wir geschafft, dabei sehen wir nicht mal sichtbare Ergebnisse unserer „Arbeit“ und können uns dem Feierabend nicht entgegen freuen, denn in der Nacht geht ja die „Schicht“ weiter.

Manche von uns flüchten zurück ins Berufsleben, merken aber schnell, dass sie sich in der männlich dominierten Arbeitswelt plötzlich fehl am Platz fühlen. Die Rückkehr zur Arbeit schien nur eine Erlösung zu sein. Bei der Rückkehr aus der Babypause spüren wir aber, dass wir nicht mehr voll und ganz hierhin gehören. Etwas hat sich in unserem Inneren verändert. Meetings erscheinen uns plötzlich sinnlos, die Aufgaben redundant, Kollegen oberflächlich, Themen unwichtig, während es zuhause einen kleinen Menschen gibt, der uns wirklich, wirklich, wirklich braucht. Was gibt es Wichtigeres, als jetzt bei ihm zu sein? Ein Teil unserer Seele ist zuhause geblieben, bei unserem Baby. Das unsichtbare Band zwischen uns lässt nicht los und zieht uns zurück.

Am Arbeitsplatz erwartet man von uns, dass wir uns wieder in die aktive Arbeitswelt einfügen und wie bisher funktionieren, dass wir unseren Intellekt einsetzen, Ideen haben und energievoll an ihrer Umsetzung arbeiten, dass wir nicht emotional wirken oder womöglich „verändert“. Nein, wir müssen so tun, als wäre nichts Bedeutendes in unserem Leben geschehen, wie nach einem Kurzurlaub. Aber wir sind nicht mehr die Alten, ganz und gar nicht, als hätten wir die dunkle Seite des Mondes gesehen, während alle nur von der hellen Seite sprechen. Wir wissen, dass es sie gibt und können nicht länger so tun, als wüssten wir von nichts.

Es fällt uns auf, wie einseitig unsere Gesellschaft tickt. Sie ist auf die maskuline Energie gepolt – auf das aktive Tun, Durchsetzen und Beherrschen. Hier gewinnt der Stärkere, der Dominantere. Man kumuliert die Macht und das Geld. Die „Schwachen“ müssen sich fügen. Alles weicht diesem einen Ziel – der Macht. Der Kampf um die Gleichberechtigung hat uns eingeredet, dass wir auch so funktionieren müssen. Aber wir wollen niemanden dominieren, niemanden ausbeuten oder auf Kosten anderer Vorteile ergattern.

Die weibliche Energie im Wochenbett

Im Wochenbett öffnet sich uns völlig andere Welt – die Welt der weiblichen Energie: Hier gibt es nicht nur schwarz oder weiß, viel mehr erklingen nun die Zwischentöne und erstrahlen gedämpfte Farben. Es zählen keine Ziele und Ergebnisse, sondern allein das Zusammensein. Die Mutter fühlt sich ohne das Baby unvollständig und das Baby fühlt sich ohne die Mutter haltlos, wie im freien Fall. Hier geht es nicht ums Dominieren sondern um die Verbindung. Die Relikte der männlichen Welt – wie der Ehrgeiz, Zielstrebigkeit, Aktivsein, rationales Denken oder Individualismus – sind in Wochenbett sinnlos, nutzlos und störend. Wenn wir unsere Persönlichkeit auf diesen Relikten aufgebaut hatten, bricht sie im Wochenbett wie ein wackeliges Kartenhaus in sich zusammen und eine brillante Businessfrau ertrinkt im halben Glass Wasser angesichts des weinenden Babys, das sie nicht beruhigt bekommt.

Spätestens jetzt ist es an der Zeit, die andere – die weibliche – Energie in uns aufkommen zu lassen, in das Dunkle einzutauchen, die Zwischentöne wahrzunehmen, das Irrationale gelten zu lassen, Gefühle als real und berechtigt zu akzeptieren, uns vom Baby betören zu lassen, weicher, sanfter und leiser zu werden, uns zu öffnen, uns hinzugeben, halten, wiegen, anschmiegen, schnuppern, berühren, verschmelzen, weinen, lieben.

Womit wir vor der Geburt nicht gerechnet hatten, ist, dass wir uns nach der Geburt von der rationalen Welt da draußen für eine Weile verabschieden werden müssen und in eine andere Welt abtauchen werden. Im Wochenbett ist die „Zivilisation“ nebensächlich, dafür umso mehr das Innenleben, Gefühle und die Verbindung. Jetzt sind wir den Katzen, Hündinnen oder Löwinnen ähnlicher als unseren Ex-Kolleginnen. Das „Muttertier“ ist weich, sensibel, zuhörend und beschützend. Das Wochenbett sind tiefe Gewässer – dunkel und berauschend, wenn alles fließt: der Wochenfluss, die Milch und die Tränen. Wir schämen uns vielleicht dafür, so „unzivilisiert“ zu erscheinen, aber es gibt keinen Grund für Scham. Im Gegenteil – es ist ein Gewinn: Endlich haben wir ein Teil von uns zurückerobert, das lange verborgen war – unsere weibliche, feminine Energie, sie ist subtil, tiefsinnig, emotional, fließend, weich, nährend, sorgend, schützend, behütend, gebend, altruistisch, liebevoll. Hier zählt keine sichtbare Ergebnisse am Ende des Tages sondern das süße Gurgeln des zufriedenen Babys, ein Hauch vom Lächeln in seinem Gesicht und der betörende Duft seiner Haut. Nicht sich Durchsetzen und Gewinnen, sondern Nachgeben, Hingeben, sich öffnen, für einander da sein – eine völlig neue Sicht der Dinge, nicht wahr? 

Im ersten Lebensjahr nährt sich das Baby vor allem der weiblichen Energie, nicht der männlichen. Daher, je weicher und sanfter wir im Wochenbett werden, desto wohler fühlt sich unser Baby mit uns. Dagegen, wenn wir in der männlichen Energie verharren, entfacht sich ein Kampf zwischen uns und dem Baby. 

Das Innenleben kommt hervor.

Jetzt, wo die äußere Welt in den Hintergrund tritt, drückt sich das Innenleben in den Vordergrund. Wir erfahren so viel über uns selbst, wenn wir die Gelegenheit ergreifen, dem verlockenden Ruf der tiefen Gewässer nachzugeben und in sie abzutauchen. Die Geburt hat die Eigenschaft, die Seele der Mutter zu öffnen und all das Verborgene, Vergessene, Verdrängte oder als unwichtig Abgetane, wieder an die Oberfläche zu ziehen. Wenn wir hinschauen, verstehen wir, woher wir kommen und was uns geformt hat. Auch die Wunden und Verletzungen gehören zu uns, es sind unsere Spuren und Narben, die uns zu dem machen, wer wir heute sind. Und das fühlt sich stimmiger und echter an, als all der Glanz der alten Tage. Er war mehr Schein als sein.

Gewinn durch das Wochenbett.

Gerade in der männlich geprägten Welt des Patriarchats, in der wir leben, gehen wir unbewusst davon aus, dass nur die männliche Energie ihre Existenzberechtigung hat und gesellschaftlich akzeptabel ist. Aber genau dieser Irrglaube ist der Nährboden des Patriarchats. Es gibt nicht nur die Sonne und das Licht, sondern auch den Mond und den Schatten, nicht nur das aktive Tun, sondern das passive Dasein, nicht nur das rationale Denken, sondern die Intuition und die Gefühle, nicht nur der Individualismus, sondern die Solidarität, nicht nur das eigene Wohl, sondern das Wohl des anderen, nicht das Durchsetzen, sondern das Zusammensein. 

Ja, wir haben im Wochenbett so manchen Stuck der Fassade abbröseln sehen dafür unser Fundament gestärkt. Wir spüren jetzt deutlicher, was wirklich zählt und lassen uns auf keine Kleinkriege des Egos mehr ein. Wir stehen drüber und merken schnell, welche Menschen ihr Leiden vertuschen und sich auf Kosten anderer besser fühlen wollen.

Wir entwickeln Solidarität unter Frauen, die uns enorm stärkt. Wir haben keine Angst mehr vor unseren Gefühlen, weil wir wissen, dass sie unsere zuverlässigen Leiter sind zu dem, was wirklich zählt. Und das Leben, erscheint so viel reicher und mit mehr Sinn erfüllt, dass die alte „verlorene“ Persönlichkeit ruhig da bleiben kann, wo sie war – im alten Leben.

Dieser Gewinn geschieht nicht automatisch und wir verschenken ihn, wenn wir uns im Wochenbett dafür entscheiden, die neu aufgeblühte Welt zu ignorieren, sie zu verschmälern oder alles auf Hormone abzuschieben. Dann verschwindet diese wunderbare Welt im nu und unser Baby bleibt alleine, auch in unserem Beisein. Wenn man die Kraft und die Mut aufbringt, die Unterstützung und den Zuspruch der Angehörigen genießt, geht man gestärkt und verändert aus dem Wochenbett hervor. Was früher wichtig war, relativiert sich, Prioritäten verschieben sich. Wie vorher sein zu wollen, heißt nur auf einem Bein weiter zu laufen. 

Wenn wir die Welt verändern und das Patriarchat verabschieden wollen, dann müssen wir auf die subtile Musik des Wochenbetts hören. Sie zeigt uns, wie es anders gehen kann – liebevoller, geduldiger, emotionaler und solidarischer.

Im Wochenbett lernen wir, dass man Dinge nicht immer durch aktives Tun lösen muss, sondern manchmal mit dem einfachen für-einander-da-sein; dass die Verbindung unsichtbar ist aber enorme Kraft besitzt; dass die Kommunikation nicht immer Worte braucht und telepathisch sein kann; dass die Kraft des weiblichen Körpers enorm ist; dass es Kräfte jenseits des Sichtbaren und Messbaren gibt, die aber nicht weniger real sind; dass die Liebe und der Schmerz sich nicht gegenseitig ausschließen; dass wir genau so geliebt werden, wie wir sind –  nicht perfekt, gemessen an den Schönheitsidealen, und absolut vollkommen in den Augen des kleinen Menschen in unserem Arm. 

Im Kampf um die Gleichberechtigung verlieren wir oft den Fokus und glauben, das Patriarchat mit gleichen Mitteln schlagen zu müssen. Dabei müssen nicht die Frauen männlicher werden, sondern die Welt insgesamt – weiblicher. Erst dann ist Patriarchat passé und mit ihm die Ausbeutung der Erde. Das Wochenbett macht uns ein Geschenkt, indem es zeigt, wie das geht.

Inga Erchova ist Dipl.-Psychologin, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Autorin und dreifache Mutter. Erfahre mehr über sie und ihre Arbeitsweise…

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Nicht immer müssen wir mit dem Therapeuten im gleichen Raum sein. Das Telefon bietet den Vorteil, dass man in vertrauter Umgebung eigener vier Wände bleibt und sich dadurch besser öffnen kann. Bei einer Sitzung über Skype vergisst man oft die räumliche Distanz und einige Zeitzonen Zeitunterschied.

© 2018 Inga Erchova  Kontakt · Impressum · Datenschutz

Sind die Eltern im Wochenbett austauschbar?

Sind die Eltern im Wochenbett austauschbar?

Wochenbett

In meiner Nachbarschaft sehe ich seit einiger Zeit des öfteren einen Mann, der mit dem Kinderwagen durch die Straßen zieht, bei jedem Wetter zur gleichen Uhrzeit. Manchmal schallt aus dem Kinderwagen verzweifeltes Schreien des Babys, worauf der Vater mit noch zügigeren Schritten und ernsterem Gesichtsausdruck reagiert. Manchmal sitzt er draußen im Cafe und gibt dem Baby die Flasche. Er sieht dabei in die Ferne und sein Gesichtsausdruck sagt mir „Was mache ich hier eigentlich?“. Ich spekuliere, dass es ein Vater in der Elternzeit ist, sehr früh nach der Geburt seines Babys.

Ich höre die protestierenden Stimmen der Leser, die behaupten, dass der Vater für das Baby doch mindestens genau so gut sei wie die Mutter und dass es doch keinen Unterschied mache, solange sich jemand um das Baby kümmert. In einer modernen Familie sind die Aufgaben sowieso gleich verteilt. Es wäre sexistisch oder altmodisch zu behaupten, dass der Vater nicht gut genug für den Säugling wäre. Was ist daran wahr und was sind die Vorurteile unserer Zeit? Sind die Mutter und der Vater tatsächlich austauschbar? Merkt das Baby überhaupt, ob er bei der Mutter oder bei dem Vater ist und macht es für ihn überhaupt einen Unterschied.

Die Gleichberechtigung ist heute ein wichtiges Thema in der Berufswelt, Politik oder Gesellschaft. Wir fordern mehr Frauen in den Vorständen, den gleichen Lohn für die gleiche Arbeit, die gleichen Aufstiegschancen oder Bildungsmöglichkeiten für die beiden Geschlechter. Sollten wir nicht in den eigenen vier Wänden genau so gleich und gleichberechtigt sein wie da draußen? Und das ist genau der kritischer Punkt: Wir verwechseln die Gleichberechtigung mit dem Gleich-sein. Ja, der Mann und die Frau haben gleiche Rechte, sie sind aber nicht gleich, d.h. nicht identisch im Körper, in der Seele und nicht in ihrer Beziehung zum Nachwuchs. Irgendwie haben wir Angst, einen Unterschied zu sehen, weil “unterschiedlich sein” setzen wir gleich mit “unterschiedlich gut sein”. Es ist jedoch nichts als ein Denkfehler. Für das Baby sind die Mutter und der Vater nicht identisch in ihren Aufgaben und in ihrer Beziehung zum Neugeborenen.

In den ersten Wochen und Monaten nach der Geburt haben die Mutter und ihr Baby eine fast schon telepathische Verbindung. Diese Verbindung ist für das bloße Auge unsichtbar, doch jede Mutter, die sich auf die veränderte Wellenfrequenz des Wochenbetts einlässt, spürt sie. Die Geburt trennt zwar die Körper der Mutter und ihres Babys, doch die seelische Abnabelung verläuft bei weitem nicht so schnell. Sie ist lang und graduell und kann sich bis zum Ende des zweiten Lebensjahres des Babys erstrecken. Bis dahin bleiben die beiden seelisch gesehen noch ein Ganzes, als würde eine Seele in zwei Körpern leben. Die Mütter fühlen sich ohne ihre Babys nicht komplett. Das gleiche erlebt das Baby, nur noch viel extremer – ohne seiner Mutter kann das Neugeborene nicht existieren, nicht leben und nicht sein. Nur an der Seite seiner Mutter fühlt es sich sicher und vollständig. Ein Neugeborenes ist nicht einfach nur ein Objekt, das man versorgen muss wie eine Topfpflanze. Ein Neugeborenes lebt in der Seele seiner Mutter und ohne sie fühlt es sich verlassen, auch in den Armen seines Vaters. Die Aufgabe des Vaters besteht daher nicht darin, die Mutter zu ersetze, sonder die Mutter nach Kräften zu unterstützen, damit sie genug Kraft hat, führ ihr Kind zu sorgen.

Diese Aufgabe des Vaters ist nicht weniger wichtig, ganz im Gegenteil. Ohne seine Unterstützung verzweifelt die Mutter manchmal ohne richtigen Grund, was oft Verwunderung der Angehörigen verursacht. Was soll daran schon schwierig sein, für ein Neugeborenes zu sorgen? Leider sind wir gewohnt, nur mit den Augen zu sehen und registrieren und das, was die Mutter tatsächlich tut. Was wir jedoch nicht sehen ist die enorme Verantwortung auf ihren Schultern, ununterbrochen für das Leben ihres Babys verantwortlich zu sein, denn ohne sie ist es nicht überlebensfähig. Alle ihre seelischen Ressourcen sind auf das Neugeborene gerichtet – sie fühlt mit, versucht zu entziffern, was es gerade braucht, sie wiegt, nährt, trägt und weint mit, wenn das Baby nicht zu beruhigen ist.

Moment mal, fragt vermutlich der Leser, tut der Vater nicht das Gleiche, wenn er die Elternzeit nimmt? Er tut vielleicht das Gleiche, aber er fühlt nicht das Gleiche. Er bleibt emotional reserviert, denn er teilt seine Seele nicht mit ihrem Kind, wie es die Mutter tut. Er bleibt die gleiche Person wie vorher, während sie nie wieder die Gleiche sein wird und darauf muss sie erstmal klar kommen. Nicht nur der Körper des Vaters ist im Gegensatz zur Mutter unversehrt geblieben, auch seine Seele erleidet keinen Bruch. Und das ist gut so, denn so behält er die emotionale Stabilität und die Verwurzelung in der konkreten Welt, während die Mutter in die subtile und für sie völlig neue Welt des Wochenbetts mit ihrem Baby zusammen abtauchen kann. Mit seiner Unterstützung kann sie es sich erst leisten, sich auf die Wellenfrequenz ihres Babys einzulassen und ein wenig so sein wie es – empfindlich, emotional, irrational und unausgesprochen. So versteht sie seine Sprache und schwingt mit ihm mit. Die unten stehende Zeichnung verdeutlicht die wichtigste Aufgabe des Vaters in der neu entstandenen Familie als emotionale Sicherheitsschnur für die junge Mutter. Platztausch wäre hier unvorstellbar, oder?

Illustration Quelle: Puerperios. L. Gutman[/caption]

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“Ich habe eine perfekte Mutter.” Warum die Illusion die Besserungschancen mindert.

“Ich habe eine perfekte Mutter.” Warum die Illusion die Besserungschancen mindert.

Wochenbett

„Ich habe eine tolle Mutter!“- höre ich nicht selten von Frauen, die mich bei Stimmungstief im Wochenbett aufsuchen. Sie schwärmen von ihrer Mutter und bezeichnen sie als beste Freundin, großes Vorbild oder Galionsfigur. Ich persönlich fasse diesen Lobgesang mit Latexhandschuhen und langer Pinzette an. Warum glaube ich ihnen kein Wort und warum haben diese Frauen aus meiner Erfahrung geringe Besserungschancen?

Ist es nicht ein Grund zu Freude, fragt der Leser, eine tolle Mutter und eine schöne Kindheit gehabt zu haben? Doch sicher, wenn es stimmt. Nur, wenn wir die Therapiesituation aus der Brille eines Detektiven betrachten, riechen wir sofort, dass etwas nicht zusammenpasst? Was passt nicht zusammen? Der Glaube an die perfekte Mutter passt nicht mit dem heutigen Zustand der jungen Mutter zusammen – ihrer Trauer, ihrer Überforderung bis hin zu Wochenbettdepression. Das Kind schreit, sie kann sich nicht um ihn kümmern, die Muttergefühle stellen sich nicht ein, sie will sich vom Kind lieber entfernen, seinen Nähe ist unerträglich, der Anblick seiner Bedürftigkeit tut weh, sein Verlangen nach Nähe und ihre Fähigkeit es zu bedienen klaffen extrem auseinander, das Stillen wird zur Tortur, das Kind schreit noch mehr, die Welt bricht zusammen und das Leben wird zum Alptraum.

Wenn wir uns im Wochenbett um den Nachwuchs nicht kümmern können, dann ist es ein sicheres Zeichen dafür, dass der Fluss der mütterlichen Energie unterbrochen ist. Wir können nur das geben, was wir selbst bekommen haben – so funktioniert nun mal der seelische Energiefluss. Wenn unsere Reserven an Liebe, Geduld, Zuwendung und Fürsorge leer sind, dann wurden sie nie gefüllt, soviel ist sicher. Doch solange wir es nicht realisieren, tappen wir im Dunklen.

Was ist der Ausweg aus diesem Alptraum? Der Ausweg ist eine Neubewertung der alten Beziehungsmuster und Vorbilder. Unsere Gefühle lügen nicht. Das Wochenbett ist der große Lügentest alter Glaubenssätze.

Doch diese Frauen sind für eine Neubewertung nicht bereit. Sie sind irritiert, gereizt und leisten großen Widerstand. Sie demonstrieren extreme Loyalität und nehmen ihre Mutter in Schutz. Sie sind nicht in der Lage, ihre Handlungen mit ein Wenig Abstand beurteilen zu können. Zu sagen, dass das positive Bild ihrer Mutter für sie wichtig ist, ist eine Untertreibung. Wie ein Wachhund greifen sie alles an, was dieses Bild noch so sanft zu hinterfragen droht.

Übertriebene Reaktionen sind in der Psychotherapie immer ein Zeichen für eine besondere persönliche Bedeutung, verborgene Konflikte, Schutzreaktion oder seelischen Brandherd. Was hängt also am positiven Bild der Mutter alles daran?

Als wir klein waren, war die Bindung zu unserer Mutter überlebenswichtig. Sie ist wie die psychologische Nabelschnur, die uns am Leben hält und ist stärker als Liebe oder Freundschaft. Neugeborene verstehen instinktiv, dass sie auf die Fürsorge eines Erwachsenen angewiesen sind. Sie begreifen, dass wenn es keinen Erwachsenen gibt, der sich um sie kümmert, haben sie keine Chancen in dieser Welt zu überleben. Sie kämpfen um diese Bindung mit aller Kraft. Wenn sie stundenlang schreien, dann ist es genau dieser Kampf um die Zuwendung der Mutter, dass sie endlich kommt und uns rettet. Und wenn die Mutter nicht kommt oder kommt nicht immer oder nur dann, wann sie Lust hat, dann ist die sichere Bindung (und daher das Leben) in Gefahr. Sie ist instabil und unbeständig. Man kann sich nicht auf sie verlassen. Man muss sich immer wieder vergewissern, dass die Bindung noch da ist. Daher „prüfen“ unsichere Kinder immer und immer wieder, ob die Mama jetzt noch kommt, um sich abermals zu vergewissern. Doch je öfter sie rufen, desto mehr ist die Mutter genervt. Eine infantile Mutter reagiert trotzig und geht auf die Forderungen des Kindes nicht ein. Es entsteht eine Abwärtsspirale: Das Kind verlangt immer öfter nach sicherer Bindung, die Mutter verweigert ihm diese und zwingt zur Selbständigkeit, das heißt sie lässt das Kind alleine. Diese Kinder behalten ein lebenslanges Gefühl, dass sie den unberechenbaren Kräften der Welt schutzlos ausgesetzt ist.

Wenn die sichere Bindung zur Mutter nicht möglich ist, dann konstruieren wir diese sichere Bindung nicht selten nur in unserer Vorstellung. Wir glauben fest daran, blenden die Realität aus, denn anders können wir nicht leben. Es entsteht eine Illusion als Überlebensstrategie.

Sind wir besser dran mit dieser Illusion? Ja vielleicht, solange wir keine eigenen Kinder bekommen. Doch „Die Lügen haben kurze Beine“ gilt auch hier. Die Illusion der guten Mutter reicht nur bis zum Zeitpunkt, an dem wir selbst Mütter werden. Dann bricht der gewohnte Lauf der Dinge zusammen.

Was ist die Lösung? Damit wir unsere Kind versorgen und lieben können, müssen wir leider auf die liebgewonnene Illusion verzichten, einen mentalen Re-set durchführen und sich eingestehen, dass wir doch weniger über sich wissen als bisher angenommen und von da an mit einem ehrlichen Blick eine neue Sichtweise auf sich selbst gewinnen.

Leidet dadurch nicht die Beziehung zur eigenen Mutter? Aus meiner Erfahrung wird sie dadurch nur besser – gelöster, ehrlicher, entspannter. Wir verstehen, dass unsere Mutter es nicht anders konnte, weil ihre Mutter es nicht anders konnte, etc. Aber wir können es anders und dann wird es unsere Tochter auch anders können. Was ist uns lieber: der Rockzipfel für das kleine Mädchen oder eine Beziehung auf der Augenhöre zwischen zwei erwachsenen Frauen? Sie entscheiden.

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Für Fachleute auf dem Gebiet der menschlichen Seele.

Wochenbett

Uns Psychologen passiert das Gleiche, wie den Menschen, die bei uns Hilfe suchen – wir verdrängen ins Unbewusste die Kleinkriege unseres Egos, die dunklen Seiten unserer Seele. Wir haben Angst vor Offenbarung, nicht nur vor unserem Gegenüber sondern auch vor uns selbst. Dafür gibt uns unser Beruf eine bequeme Position – er richtet die Aufmerksamkeit auf die Probleme des anderen, nicht unsere eigenen.

Die „professionelle“ Einstellung wird als das Zurückhalten vom Privaten aus der Beziehung mit dem Klienten verstanden und drückt sich oft in einer unterkühlten Distanz aus. Die vermeintliche Professionalität wird zu einer Maske, hinter der wir uns verstecken, zur Markierung von Distanz.

Wir hören nicht wirklich zu, sondern warten nur auf Stichwörter, um prompt mit unserem Fachwissen zu glänzen. Das Wissen hilft dann nicht dem Patienten, sondern poliert nur unser Ego auf. Es fühlt sich gut an, Ratschläge zu geben. Wir fühlen uns wichtig und kompetent.

Wir vergessen, dass wir ganz und gar nicht frei indem sind, wie wir die Erzählungen unseres Gegenübers interpretieren, was wir davon überhören und welchen Episoden wir besondere Aufmerksamkeit schenken. Unsere persönliche Linse, durch die wir alles wahrnehmen führt die Regie. Auch unsere „professionelle“ Wahrnehmung ist in Wirklichkeit nur ein Ausschnitt der Realität, nur eine Perspektive – unsere subjektive Sichtweise.

In der Arbeit mit Wöchnerinnen treffen wir auf junge Mütter im Zustand der seelischen Fragilität. Die Geburt reißt nicht nur an ihrem Körper, sie produziert auch in der Seele Risse und Verletzungen, besonders nach einer traumatischen Erfahrung. Aber auch wenn vordergründig alles gut verläuft, ist das Wochenbett die Zeit der Begegnung mit seelischen Untiefen. Der Schatten erwacht und breitet sich ungebremst aus. Unsere Aufgabe besteht darin, Frauen liebevoll, unterstützend und behutsam an ihren Schatten heranzuführen, ihn zusammen anzuschauen und Stück für Stück annehmen zu lassen.

Dies trauen sie sich nur in der Situation kompletten Vertrauens, wenn anstelle von professioneller Belehrung eine menschliche Begegnung stattfindet. Fragen, die zu Reflektion verleiten bewegen mehr als in Beton gegossene Statements. Frauen können sich öffnen, schöpfen Mut, einen schwierigen Weg anzugehen. Wir können sie auf diesem Weg nur ein Stück begleiten und ziehen uns dann mit Respekt und Bescheidenheit zurück.

Das gelingt uns, wenn wir nie aufhören, unseren eigenen Schatten zu erforschen, immer und immer wieder. Wenn wir glauben, es gibt nichts mehr, was wir über uns selbst dazu lernen können, weil wir eine Selbstanalyse in der Therapieausbildung abgeschlossen haben, oder weil wir zur Supervision gehen oder regelmäßig Yoga praktizieren, dann nutzen wir diese nur als Refugium, d. h. als eine Art Selbstberuhigung, um uns mit dem Thema nicht zu befassen. Wenn wir uns selbst nicht mehr anschauen, dann benutzen wir den Raum mit dem Anderen dazu, eigene seelische Baustellen zu behandeln.

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Psychotherapie rund um die Geburt

Psychotherapie rund um die Geburt

Wochenbett

Beim Kinderwunsch
Ein Kind zu empfangen ist nicht ausschließlich eine körperliche Angelegenheit, auch wenn die Reproduktionsmedizin dies stillschweigend suggeriert. Oft besteht auf der Körperebene gar kein sichtbarer Grund für die Kinderlosigkeit. Dann müssen wir in der Seele suchen nach unbewussten Gründen oder Konflikten, die dem Traum vom eigenen Kind im Wege stehen.
Die Gebärmutter wird zum weicheren und empfangsfähigeren Ort für die Einnistung, wenn sich die Seele dem zukünftigen Kind gegenüber öffnet, wenn wir ein besseres Körpergefühl bekommen und unbewusste Konflikte aufarbeiten. Eine Psychotherapie kann auch begleitend zu den medizinischen Maßnahmen durchgeführt werden.

In der Schwangerschaft
Manche werdenden Mütter empfinden ambivalente Gefühle während der Schwangerschaft. Neben der Freude kann auch die Traurigkeit aufkommen oder der Zweifel an den eigenen Fähigkeiten als Mutter. Angst oder Panikzustände sind nicht selten. Gründe dafür liegen fast immer in der eigenen Kindheit. Zusammen können wir in die Vergangenheit schauen und alte Verletzungen aufarbeiten. Ganz nebenbei bereiten wir uns emotional auf die Geburt und auf die zukünftige Mutterschaft vor.

Die Geburt
Man stellt sich eine Geburt vor und man hat eine völlig andere Geburt am Ende. Oft fällt es uns schwer, die Geburt zu akzeptieren, die wir tatsächlich erlebt hatten. In einigen Fällen hinterlässt die Geburt so große seelischen Verletzungen, dass ein weiteres Kind unvorstellbar wird. Ist es möglich, eine traumatische Geburt zu verarbeiten? Ja, es ist möglich. Zusammen können wir die Entwicklung der Geburt nach verfolgen und als ein Zusammenspiel von fremden Einflüssen und eigenen typischen Verhaltensmustern besser verstehen und verarbeiten.

Das Wochenbett
Das Wochenbett ist eine völlig andere Dimension des Seins, die wir vielleicht nur mit dem Zustand der Trauer beim Verlust einer nahestehenden Person vergleichen können. Das gesamte Gefühlsempfinden verändert sich. Gefühle überschlagen sich: Die Freude und Verzweiflung, der Stolz und die Trauer. Und dann noch zerrende Einsamkeit, auch inmitten von vielen Menschen, da niemand uns wirklich versteht. Manchmal kostet es Überwindung, für das neugeborene Kind zu sorgen, dann ist es die höchste Zeit, professionelle Hilfe aufzusuchen. Die Zeit des Wochenbetts bietet eine einmalige Gelegenheit im Leben einer Frau für einen ehrlichen Blick in die eigene Vergangenheit. So können alte ungelöste Konflikte aufgearbeitet werden, die sonst die Beziehung zum Kind belasten würden.
Oft spielt die Akzeptanz der seelischen Veränderungen bei junger Mutter durch den Partner eine große Rolle. Die Elternbeziehung kommt auf den Prüfstand. Daher macht das Einbeziehen des Vaters in die Therapie im Wochenbett sehr viel Sinn.

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