Vom Patriarchat bis Wochenbett. Was Frauen wirklich hilft.

… und wie das Wochenbett dabei helfen kann.

Sie sind allgegenwärtig – die schwarzen Anzüge als Sinnbild des Patriarchats – rechteckig und freudlos, wie Kapseln, die alles Weiche, Spontane oder Kreative im Inneren ersticken lassen. Auf Gruppenfotos der Regierungschefs erleuchten ein-zwei Farbtupfer der weiblichen Kostüme, oft aber gar keine. In den Chef-Etagen der Konzerne sind Frauen genau so rar. Da, wo das Geld und die Macht wohnen, sind Frauen eher Exotinnen. Patriarchat, wie der Name schon sagt, hebt den Patriarch – den Übervater – auf den Thron der Herrschaft. Aber nicht nur ihn oder den Mann generell. Wir heben auf das Podest unbewusst die männlichen Eigenschaften, die ja zu dieser Machtposition geführt haben müssen und daher erfolgversprechend seien. Nicht nur Männer regieren in der Gesellschaft, sondern die männliche Energie durchdringt die Gesellschaft im Übermaß und bringt den Energiefluss in der Gesellschaft aus dem Gleichgewicht.

Männliche und weibliche Energien fließen in jedem Menschen. Es ist nur die Frage der Gewichtung, welche von ihnen die dominantere ist. Natürlicherweise dominiert bei Frauen die weibliche Energie und bei Männern – die männliche. Die Energie ist an sich wertfrei. Wie im Zeichen von Jin und Yang ergänzen sich beide Energien idealerweise, spielen zusammen und bilden ein harmonisches Miteinander – ein Ganzes. Keine von den beiden Energien ist wichtiger oder besser, das wäre ja absurd zu behaupten und würde das Gleichgewicht sofort zerstören. Aber unsere Bewertungen machen genau diese Einstufung und diesen Fehler. Im Patriarchat wird die männliche Energie überbetont und überbewertet, und die weibliche Energie wird abgewertet oder gar unterdrückt. So glauben wir z.B. aktiv wäre besser als passiv, rational wäre besser als emotional, geplant besser als intuitiv, dominant besser als nachgiebig, hart besser als weich, und so weiter. Wir präferieren unbewusst viele Attribute der männlichen Energie gegenüber der weiblichen und tragen unbewusst dazu bei, dass dieses Ungleichgewicht weiter aufrechterhalten bleibt. Das Traurige ist, dass wir Frauen es unbewusst ebenfalls tun. Dadurch lehnen wir die weibliche Energie, die in uns natürlicherweise die dominantere ist, unbewusst ab, beschneiden unsere ur-eigene Stärke und schwächen uns dadurch selbst.

Der Feminismus befeuert diese Tendenz nur noch. Auch wenn seine Absichten legitim sind, zweifle ich stark an der Wirksamkeit der Mittel. Feminismus ist auf Krawall gebürstet, unzufrieden, aufgebracht. Er wirkt unbeholfen und unreif. Er schreit „Ich will aber!“ wie ein kleines Kind. Er erzeugt bei mir eher Mitleid als Respekt. (Mein Sinnbild dafür schlechthin ist die Anna-Lena Baerbock.) Eine reife Frau ist selten feministisch. Sie weiß, sie muss nicht kreischen, um gehört zu werden. Sie nimmt Einfluss durch ihre schiere Präsenz.

Feminismus setzt Protest und offene Konfrontation als Mittel im Kampf um die Gleichberechtigung ein – und es sind genau die männlichen Methoden. Er atmet männliche Energie und stellt sie damit unbewusst als die bessere dar. Indem wir uns mit Männern messen wollen, nehmen wir ihre Standards an. Indem wir so sein wollen wie Männer, sagen wir implizit, dass das die bessere Art wäre zu sein. Es motiviert Frauen, wie unreife Männer zu agieren – hart, rücksichtslos, egoistisch. Aber das ist gegen unsere weibliche Natur. Studien belegen, dass Frauen sich mehr um das Allgemeinwohl kümmern als um ihre eigenen Vorteile. Altruismus ist uns von der Natur gegeben worden, (wahrscheinlich damit wir so manche schlaflosen Nächte überstehen können, wenn wir uns um den Nachwuchs kümmern). Wir können bei diesem sinnlosen Kampf nur verlieren, weil wir nicht die besseren Männer sein können. Feminismus entfernt uns von unserer weiblichen Essenz.

Quotenvorgaben für Führungspositionen sind nicht mehr als Versuche, Symptome zu bekämpfen, statt an den Ursachen anzusetzen. Aus Zeiten, als ich in Marketing gearbeitet habe, weiß ich, dass man den Konkurrenten nicht dadurch besiegen kann, indem man ihn kopiert, sondern indem man sich auf eigene Stärken besinnt. Wir Frauen haben viel wirksamere Einwirkungsmöglichkeiten, die wir noch nicht nutzen. Und möchte hier einen besseren Weg aufzeigen, wie wir aus dieser Schieflage wieder herauskommen. Wir Frauen bringen die Welt wieder in Lot, indem wir wieder wie Frauen sind und nicht wie Männer.

Im Kerne des Problems liegt in meinen Augen die gedrosselte weibliche Energie, sowohl in der Gesellschaft als Ganzes, als auch bei uns Frauen. Die weibliche Energie gilt latent als schwach und nachteilig für den höheren Status, den man sich ja erkämpfen muss. Auch in der Familie wird sie selten kultiviert und von der Mutter zur Tochter als etwas Wertvolles weitergereicht. Ich vermute, dass diese Drosselung noch auf die Zeit der Hexenjagd zurückzuführen ist. Damals wurden Frauen, die sinnlich und naturverbunden waren, sich mit Pflanzen und Tieren auskannten, klug und eigenwillig waren, für Hexen erklärt, gefoltert und öffentlich am Scheiterhaufen verbrannt. Was für eine Brutalität! Die Hexenjagd ging über mehrere Jahrhunderte. Je nach Quelle sind Hunderte Tausend von Frauen (und wenige Männer auch) ihr zum Opfer gefallen. Die treibende Kraft hinter der Hexenjagd war die Kirche und ihre Bestrebung nach Macht, aber auch die Suche nach Sündenböcken bei Missernten oder Pandemien. Was hat die Kirche in Frauen gesehen, das sie so fürchten ließ und zu so einer Brutalität bewegte? Es muss eine Energie von ihnen ausgegangen sein, die unkontrollierbar erschien. Männer hatten keinen Zugang zu ihr. Wie müssen sich Frauen in dieser Zeit über Jahrhunderte gefühlt haben? Sie versuchten vermutlich alles, was weiblich anmuten könnte, zu verstecken oder zu unterdrücken.

Männer regieren das Sichtbare, Frauen regieren das Unsichtbare. Dieser Bereich ist für Männer schier unerreichbar. Weibliche Energie ist tiefgründig, subtil, intuitiv. Sie ist zuhause im Reich der Gefühle, des Unbewussten, des Dunklen und Animalischen. Sie ist verbunden mit der Mutter Erde auf der einen Seite und mit dem ganzen Universum auf der anderen. Frauen kommen durch den Akt des Gebärens an das Geheimnis des Lebens viel näher heran als Männer. Das ist unser großes Privileg und eine gewaltige Machtposition.

Der wahre Sprungbrunnen der weiblichen Energie ist das Wochenbett. Diese sensible Zeit nach der Geburt ist wirklich magisch. Das neugeborene Kind öffnet nicht nur den Körper der Frau während der Geburt, sondern auch die Seele der Mutter. Es öffnet sich der Zugang zum seelischen Schatten. Der zeitlose seelische Raum zeigt sich, und das innere Kind der Mutter erwacht. Mehr noch, es öffnet sich der Kanal, der uns mit der kosmischen Energiequelle verbindet und mit dem gesamten Universum selbst. Deswegen fühlen wir uns nach der Geburt in den eigenen vier Wänden wie auf einem anderen Planeten. Nicht die Welt hat sich verändert, sondern wir sind durch das große Tor gegangen, das Tor der Erkenntnis über das Geheimnis des Lebens. Das Wochenbett ist die Zeit, in der wir uns mit der weiblichen Energie wieder verbinden können, selbst wenn der Zugang dazu vorher abhandengekommen ist. Es ist ein heilender Prozess, wenn wir es zulassen.

Für viele Frauen fühlt sich der Zustand im Wochenbett aber so befremdlich und neu an, dass sie anfangen, dagegen zu kämpfen. Sie versuchen mit aller Kraft, diesem Sog zu widerstehen, was sie nicht selten in eine seelische Krise stürzt. In dieser Zeit haben alle um die junge Mutter herum – die Familie, Freunde, Hebammen und Arbeiter der frühen Hilfen – als wichtigste Aufgabe, den Fluss der weiblichen Energie bei der jungen Mutter zu unterstützen, zu bestärken und nicht zu unterbinden. Das sichert nicht nur der Mutter den inneren Frieden, sondern dem Kind das Überleben. Das Wochenbett macht uns Frauen ein großes Geschenk – es belebt die Quelle der weiblichen Energie in uns, genau diese weibliche Energie, die über Jahrhunderte verfolgt, unterdrückt und fast schon ausgerottet ist. Aber jedes neugeborene Kind, das frisch diese Erde betritt, legt diese Quelle in uns wieder frei, weil die Natur es so will und weil das Kind sie zum Überleben braucht. (Darüber habe ich ein ganzes Buch geschrieben.)

Jede Mutter spürt im Wochenbett den inneren Konflikt: Darf ich bei meinem Kind bleiben oder soll ich schnell wieder arbeiten gehen? Darf ich weich und nachgiebig sein, oder muss ich hart und konsequent bleiben? Kann ich dem Verlangen meines Babys nachgeben, oder werde ich dafür verurteilt? Ist es nicht rückständig und altmodisch, lange bei dem Kind zu bleiben? Die Gesellschaft suggeriert, dass eine moderne Frau schnell wieder arbeiten gehen soll, um sich zu verwirklichen. Da, in der Arbeitswelt, liegt vermeintlich die Erfüllung. Warum glauben wir eigentlich, dass die Selbstverwirklichung auf der Arbeit passiert, die ich vielleicht gar nicht mag? Dabei müssen wir nicht kämpfen, sondern im Gegenteil weich werden und den betörenden, genussvollen Stöhnlauten unseres Babys lauschen, während es an der Brust trinkt, und dabei die subtilen Schwingungen aus dem Universum empfangen. Wir müssen uns auf die Wellenlänge unseres Babys einlassen und mit ihm zusammen in die tiefen Gewässer der weiblichen Energie eintauchen – in einen Raum ohne Zeit, ohne fester Struktur, ohne Regeln und ohne Zensur. Hier hat niemand die Macht über uns. Es ist der Raum frei von schwarzen Anzügen, vielleicht der einzige Raum überhaupt. Hier gelten unsere Regeln, wenn wir es uns erlauben.

Und später, wenn die lange Zeit des Wochenbetts durchlebt ist (nach ca. 1,5 bis zwei Jahren), wenn unser Kind an Autonomie gewinnt und uns nicht mehr so braucht wie vorher; wenn die direkte Beziehung zum Vater aufgebaut ist, wird es an der Zeit sein, dass wir uns wieder in die Außenwelt hineinbegeben können, aber verändert, bereichert, wie neugeboren. Wir haben einen wichtigen Teil von uns zurückgewonnen – unsere weibliche Energie, die anders ist als die männliche – weicher, subtiler, tiefgründiger, ganzheitlicher, gefühlsbetonter, fließender, kreativer. Die weibliche Energie kennt nicht nur das „höher, schneller, weiter“, sondern auch runder, erfüllender, harmonischer. Weich bedeutet nicht schwach, sondern weise. Und die schiere Stärke ohne die Weisheit kann an sich selbst zerbrechen.

Viele Frauen wollen nach der Babypause nicht in ihren alten Beruf zurückkehren, weil sie spüren, dass er ihrer wahren Essenz nicht mehr entspricht. Viele machen sich mit neuen kreativen Ideen selbständig. Das ist die wahre Selbstverwirklichung, auch wenn sie monetär gesehen oft nachteilig ist. Aber die Lebensqualität und die innere Erfüllung sind nicht nur mit Geld zu bemessen.

Der Feminismus kann das Patriarchat nicht besiegen, weil es selbst nach den Regeln des Patriarchats spielt. Es setzt aggressive männliche Methoden ein. Dadurch zementiert er es nur noch mehr. Wir Frauen müssen unsere eigenen Regeln etablieren, und zwar nicht als die besseren, sondern als die, die bisher gefehlt haben und zu dieser Schieflage geführt haben – die Regeln der weiblichen Energie. Wenn die männliche Energie die Felsen sind, so ist die weibliche Energie das Wasser, das dazwischen fließt. Das Wasser mag weich sein, aber es fließt mit Nachdruck, es formt die Landschaft und es kann eine Kraft entwickeln, die die Felsen versetzen kann. Männer und Frauen müssen sich nicht bekämpfen, sondern in Harmonie miteinander leben und arbeiten.

Die Zielscheibe für feministische Anfeindungen ist das Feinbild der alten weißen Männer, die skrupellos und machtsüchtig über unsere Köpfe entscheiden. Wir bekämpfen dieses Feinbild und vergessen dabei, dass diese, zugegeben oft ekligen Gestalten, die nur auf ihr Machterhalt bedacht sind, auch einmal kleine Jungs gewesen sind. Sie hatten ihre Mütter als die ersten Frauen in ihrem Leben, waren von ihnen abhängig, haben um ihre Liebe gekämpft, um sich um ihre Nähe bemüht und um ihre Anerkennung gebuhlt. Wie war diese Beziehung? Ich befürchte nicht gut, weil man oft den Eindruck bekommt, als wollten sie sich an Frauen rächen. Ich glaube, die Zeit der extremen Verletzbarkeit wie in der Kindheit, die Zeit der Abhängigkeit und Ohnmacht, wenn diese ungünstig ohne wohlwollenden Umgang durchlebt wird, ist die Keimzelle der toxischen Männlichkeit. Eine verletzende Mutter-Sohn-Beziehung kann die männliche Energie in destruktive Bahnen lenken. Männer führen Kriege, weil sie die Frauen vermissen, die an sie glauben, statt sie zu bekämpfen. Merken wir eigentlich, was für eine Machtposition wir Frauen haben? Wir können eine andere Generation von Männern heranwachsen lassen – Männer mit Herz, Ehre und Integrität, die die Gesellschaft wieder zum Aufblühen bringen, statt endlose Kriege zu führen. Es liegt in unseren weiblichen Händen.

Wir Frauen müssen uns auf die weibliche Energie zurückbesinnen. Wenn wir sie selbst nicht kultivieren und nicht respektieren, wird es niemand für uns tun. Männer regieren das Sichtbare, Frauen – das Unsichtbare. Wir müssen wieder lernen, das Unsichtbare zu spüren, das Unbewusste gelten zu lassen, Energien zu lenken, Stimmungen zu nutzen. Wir müssen begreifen, dass das Unsichtbare zu regieren, nicht die unterlegene Position ist. Der Reich der Gefühle, der Kreativität, der Beziehungen und des Unbewussten sind mächtige Bereiche unseres Lebens. Wir können Lösungen für Probleme aufspüren, die man mit Augen nicht sehen kann, aber sehr wohl, wenn man auf die Intuition vertraut. Wir können Konflikte zum Wohle aller entschärfen, weil wir weniger konfrontativ agieren, weil wir in Interessen denken und nicht auf vordergründigen Positionen beharren.

Es ist unsere Aufgabe, die weibliche Energie in uns wieder zu entdecken, sie in die Welt zu tragen, sie da als einen unabdingbaren Teil des Lebens zu etablieren und zu hüten. Finde die Harmonie zuerst in dir, statt sie von außen einzufordern. Suche das Wasser als erstes in der Tiefe deiner Seele. Lasse dann den Stang der weiblichen Energie in deiner Familie fließen, fülle mit ihr den Raum, versorge deine Familie mit Liebe und Zufriedenheit, sehe, wie sie dadurch aufblühen und gedeihen. Bringe dann deine weibliche Energie in deine Arbeitswelt. Motiviere deine Kollegen durch Vertrauen, Mitgefühl und nicht durch starre Anweisungen oder Dominanz. Lenke und gestalte, inspiriere und begeistere, weich, subtil und wirksam. Und wenn das jede Frau tut, wird aus kleinen Tropfen der weiblichen Energie jeder einzelnen Frau ein großes Wasser zusammenfließen, das die Gesellschaft als Ganzes heilt.

Männer regieren das Sichtbare. Frauen regieren das Unsichtbare. Das bedeutet nicht, dass eine Frau nicht auch die Chefin sein kann. Selbstverständlich kann sie das, aber sie wird es anders tun als ein Mann – mit unsichtbaren Mitteln der weiblichen Energie. Sie muss nicht ihr Ego aufblähen oder Hierarchien wahren, sie kann gemeinschaftlich denken und das Ganze besser im Blick behalten. Sie reagiert flexibel auf Veränderungen, denn das Fließen ist ihr so vertraut wie das Wasser.

Ich betone, nicht die Frauenquote kann die Klauen des Patriarchats entschärfen, sondern das Beleben der weiblichen Energie. Denn auch Frauen agieren manchmal wie Männer. Ich habe zwei Cheffinnen von Großkonzernen beobachtet – die eine setzt ihre weibliche Energie ein, und die andere agiert eher nach männlichen Stereotypen. Die erstere Frau ist die neue Chefin der Deutschen Bahn, Evelyn Palla. Ob es Zufall war oder nicht, aber meine erste Bahnfahrt nach dem Wechsel im Vorstand war seit langer Zeit die erste, die pünktlich ankam, trotz verpasster Anschlüsse dank der flexiblen Gestaltung der Route und der Streichung einiger kleiner Stationen. Zu den Sofortmaßnahmen zählten bei der Deutschen Bahn die Verdoppelung des Reinigungspersonals und der Versorgungsstationen in Zügen und Bahnöfen – eine sehr weibliche Geste, wie mir scheint. Auch erwähnenswert ist, dass sie die Zahl der Manager sofort halbiert hat und die Hierarchie dadurch abgeflacht. Bravo, Evelyn Palla!

Mein negatives Beispiel ist die Chefin der Commerzbank Bettina Orlopp. Sie betont ihre Wachstumsambitionen, die sie mit steiler Preissteigerung durchsetzt. Es ist aber kurzfristig gedacht, dann langfristig führt das zum Verlust der Kunden. Im Auftreten zeigt sie die übertriebene politische Korrektheit, die über jeglichen Ziel hinausschießt. Es ist für mich ein Zeichen, dass man gefallen möchte, dass man den externen Erwartungen entsprechen will, ohne authentisch zu bleiben. Die italienische Großbank Uni Credit bemüht sich seit einiger Zeit um die „Übernahme“ von Comdirect, oder um eine „Fusion“? Doch die Chefin währt sich nicht nur eisern, sondern ignoriert diese Entwicklung und mögliche Vorteile regelrecht. Auf der Pressekonferenz antwortet sie auf die Frage des Journalisten: „Wir haben kein italienisches Problem“ und geht dann ohne Pause zum nächsten Punkt der Agenda. Ein merkwürdiges Straußvogel-Verhalten. Ich würde nicht die Aktien der Commerzbank kaufen.

Zusammenfassend möchte ich an Frauen appellieren, wie Frauen zu bleiben. Wir sind nicht schwach, wenn wir unsere weiblichen Kräfte wieder entdecken. Doch wir werden weiterhin ein leichtes Opfer bleiben, wenn wir diese nicht nutzen. Wir können von niemandem Respekt einfordern, wenn wir selbst unsere wahre Natur nicht respektieren. Feminismus kämpft ja schon seit einiger Zeit für die Gleichstellung der Frauen, leider mit mäßigem Erfolg. Ist es nicht an der Zeit, unsere Strategie zu überdenken? Verbinde dich mit deinem Atem, mit deinem Körper, mit deinem Herzen und deiner Intuition. Suche die Schönheit in allem. Werde weich, weise und mächtig, wie das Wasser. Happy Women’s Day, Ladies!

Neue Fortbildung für Hebammen startet.

 

Vor einigen Jahren habe ich mein erstes Seminar für Hebammen in Hamburg angeboten und mehrfach durchgeführt. Hebammen sind für mich wichtige Partnerinnen, wenn es darum geht, die Mütter in der sensiblen Zeit rund um die Geburt bestmöglich zu versorgen. Sie sind die ersten und vertrauensvollen Kontaktpersonen der jungen Mütter. Sie sind auch die Ersten, die einen möglichen Bedarf an Unterstützung feststellen können und diesen in die Wege leiten. Daher ist unsere enge Abstimmung so wichtig.

Ich habe das ursprüngliche Seminar überarbeitet, optimiert und auf zwei Termine statt nur einen entzerrt, um mehr Zeit für die Reflexion und die Verarbeitung der Informationen zu bieten. Das neue Seminar wird online stattfinden, um mehr Reichweite zu erzielen. Die wichtigen Themen bleiben erhalten, nämlich: Was geschieht mit Frauen, wenn sie Mütter werden auf der seelischen Ebene? Wie kann man von einer möglichen Krise profitieren? Wie kann eine Hebamme die junge Mutter emotional unterstützen?

Wenn wir Mütter stärken, stärken wir auch unseren Nachwuchs und legen das Fundament für das gute Aufwachsen unserer Kinder und daher für unsere Zukunft. Daher ist diese Arbeit so wichtig. Auch Mitarbeiter der frühen Hilfen können am Seminar teilnehmen. Kontaktiere mich für mehr Informationen.

KI als Projektionsfläche.

Hast du schon mal versucht, mit ChatGPT eine Unterhaltung zu führen? Das klappt erstaunlich gut, ein wirklich täuschend humanes Erlebnis bis auf eine Ausnahme: Er beendet die Unterhaltung fast nie von sich aus. Jede Antwort beinhaltet am Ende eine Frage und eine Einladung, die Unterhaltung fortzuführen, so dass du am Ende „Schluß machen“ muss. Das kostet tatsächlich Überwindung angesichts so einen netten und zuvorkommenden Gesprächspartner. Man ist am Ende fast schon erschöpft. 

Abgesehen davon erlebt man so viel Schmeicheleien selten im wahren Leben: Man kann sich ein Kompliment sagen lassen oder Lob aussprechen. Ich merke, dass ich bei manchen Promts plötzlich verlegen werde. Es ist doch niemand auf der anderen Seite, nur ein Computer. Wir Menschen sind aber so gebaut, dass wir unsere Innenwelt nach außen projizieren. Wir sehen im Außen eigentlich nur uns selbst und das, was wir sehen wollen: unsere Wünsche, Ängste, unsere Limits oder Potentiale. 

Ich bin wirklich gespannt auf die „menschlichen“ Anwendungen von KI im alltäglichen Leben und würde mich selbst gerne an der Entwicklung beteiligen. I’m offen for offers! 

Ein Neuanfang

Auch wenn politische Themen derzeit omnipräsent sind, möchte ich heute nicht über Politik schreiben, sondern darüber, wie es ist, etwas Neues anzufangen. Ein Neuanfang kann im Kleinen wie im Großen geschehen – eine neue Frisur, neue Bekanntschaft, ein neues Hobby oder eine neue Gesellschaftsform?

Ich habe vor Tagen meinen größeren Töchtern ihre Haare um ca. die Hälfte der Länge gekürzt und schon fühlen sie sich wie neugeboren, verändert und plötzlich so erwachsen. Sie verhalten sich anders, reden und bewegen sich anders. Ich erinnere mich: Eine neue Frisur war in der Kindheit ein großes Ding. Man fühlte sich wie gehäutet und völlig erneuert.

Auch ich habe einen Neubeginn gewagt und lerne seit Kurzem Trompete spielen. Es ist zauberhaft, ein neues Instrument zu entdecken. Ich spiele Klavier, seitdem ich acht bin und jetzt wage ich mich an ein neues Instrument heran, das ganz anders funktioniert. Klavier ist recht analog: Eine Taste – ein Ton, große Amplitude, es geht in die Weite, an der Tonqualität kann man nicht viel drehen, außer es lauter oder leiser zu spielen. Man fühlt sich mit Musik ein wenig auf Distanz. 

Die Trompete beansprucht den ganzen Körper und geht an das Innigste – deinen Atem, deine Mitte, deine Stimme und dein Kommunikationsorgan. Trompete ist subtiler und mit mehr Seele behaftet als das mechanische Klavier. Ihre Bauart ist recht einfach, fast schon primitiv. Die russische Bezeichnung entspricht dem ganz gut: Auf russisch heißt Trompete nämlich einfach „das Rohr“. Diese Einfachheit fasziniert mich und lässt Tieferes dahinter vermuten.

Auch im Großen können wir Neuanfänge erleben, die oft nach Krisen stattfinden. Ich habe bereits ein Systemwechsel erlebt, als die Sowjetunion zusammenbrach und die ganze Gesellschaft plötzlich vor nichts stand und sich langsam in ein neues System finden musste, nicht ohne Entbehrungen und Leidensdruck. Heute stehen wir vielleicht auch vor tiefgreifenden Veränderungen in der Gesellschaft, deren Ausmaß wir noch nicht einschätzen können. Krisen entstehen, wenn es nicht mehr so weiter gehen kann wie bisher. Dann ist ein Neubeginn der einzige Weg nach vorn.

In meinem beruflichen Alltag ist die Geburt der Kinder der häufigste Neuanfang, mit dem ich konfrontiert werde. Für viele geht es dann auch nicht mehr so weiter wie bisher, dann ist es eine Riesenchance, sich neu zu orientieren, mehr zu sich zu finden, sich mit seinem Wesen zu verbinden und einen Neuanfang zu wagen.

In jedem Anfang ist die ganze Entwicklung bereits enthalten, wie ein Baum im Samenkorn bereit im Keime enthalten ist. Es kommt darauf an, ob wir günstige Bedingungen schaffen können, damit aus dem Samenkorn tatsächlich ein Baum wird. Unser Geist stellt die Weichen und bewirkt, dass aus kleinem Neuanfang eine große schöne Sache werden kann. Nur Mut!

Der Ungehorsam und die Bibel.

In gestriger ARD-Talkshow von Anne Will stellte der NRW-Ministerpräsident Hendrik Würst seine Begründung für die allgemeine Impfpflicht folgendermaßen dar: 

„Der Sinn und Zweck (der Impfpflicht) ist, dass wir den Menschen signalisieren können, die alles getan haben in den letzten zwei Jahren, die sich haben impfen lassen, die vorsichtig waren, die sich testen lassen, die Masken tragen: Jetzt sind die anderen dran, die sich bisher geweigert haben.“

Diese Begründung ist alles andere als medizinisch, sondern vielmehr moralischer Natur. Man spürt in ihr das Verlangen nach Gerechtigkeit, nach dem Motto: Wenn wir schon so viele Opfer erbracht haben, dann sollten es die anderen gefälligst ebenfalls tun. Sie erinnerte mich an die biblische Geschichte vom verlorenen Sohn: 

Der jüngere Sohn verlangt von seinem Vater sein Erbe. Sobald er es erhalten hat, zieht er fort und verprasst das Geld im Ausland. Zum Bettler herabgesunken, arbeitet er als Schweinehirte und hungert dabei so sehr, dass er sich reumütig nach dem Haus seines Vaters zurücksehnt und sich vornimmt, dem Vater seine Sünde zu bekennen und ihn um eine Stelle als geringer Tagelöhner zu bitten. Als er dann tatsächlich nach Hause zurückkehrt, ist der Vater so froh über die Rückkehr seines Sohnes, dass er ihn kaum ausreden lässt und sofort wieder bei sich aufnimmt. Er kleidet ihn festlich ein und veranstaltet ein großes Fest.

Als sich der ältere Sohn, der dem Vater die ganze Zeit über treu gedient hat, über das Verhalten des Vaters beklagt, entgegnet dieser: „Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein. Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden“ (Lk 15,31).

Ich frage mich, ob der ältere Sohn mit der Erklärung des Vaters wirklich zufrieden geblieben ist? Er scheint bei der Geschichte sowieso eher am Rand eine Nebenrolle zu spielen, wie so oft die angepasste Menschen generell im Leben tun.

Es geschieht in vielen Familien, dass Geschwister jeder auf seine Art und Weise um die Liebe der Eltern ringen – die einen mit Gehorsamkeit, Treue und Loyalität, die anderen – mit Verrücktheit, Ausbrechen oder Durchdrehen. Die Letzteren bekommen oft vordergründig mehr Aufmerksamkeit, da sie mehr Lärm generieren. Die „Braven“ kommen scheinbar selbst bestens zurecht. Doch die Braven verzichten oft auf etwas sehr Wertvolles – auf ihre innere Stimme und Bestimmung, sie opfern sich selbst und ihre wahre Natur. Das ist das größte Opfer, das man als Mensch überhaupt erbringen kann. Und das tun sie aus Liebe zu ihren Eltern und erwarten diese Liebe auch im Gegenzug zu bekommen. Doch die Rechnung geht nicht auf, sie bleiben unsichtbar im Hintergrund. Es ist für sie unerträglich zu sehen, dass diejenigen, die sich scheinbar nicht anstrengen, die elterliche Liebe leichter bekommen und hinzu noch sich selbst treu bleiben dürften.

Der ältere Sohn ist in Wirklichkeit derjenige, der sich verloren hat, obwohl oder weil er beim Vater geblieben ist. Der ältere Sohn ist in Wirklichkeit der verlorene Sohn. Und dieser ältere – der brave, angepasste und sich selbst vergessene Sohn – sprach gestern durch den Mund von NRW MP Hendrik Würst und verlang Gerechtigkeit. 

Wie kann man ihm helfen? Sicher nicht, indem man die Ungehorsamen peinigt. Das wäre nur eine schale Genugtuung, Die Aufgabe bleibt bei ihm selbst, sein wahres Ich zu suchen und wieder zum Leben zu erwecken und nicht durch die Angepasstheit die Auseinandersetzung mit sich selbst zu meiden und stattdessen die Lösung im Außen zu suchen.

Rembrandt. Die Rückkehr des verlorenen Sohnes.

Pandemie der Konformität

Ich habe Sozialpsychologie studiert und schon im Studium vielen Phänomenen des menschlichen Gruppenverhaltens begegnet, die alles andere als rational schienen, sondern oft ungerecht, manchmal brutal oder sogar tödlich. Denken wir nur an die vielen Experimente der 70-er Jahre, die die menschlichen Abgründe zum Tageslicht trugen und die in die Lehrbücher eingingen. Einige wurden sogar verfilmt: Im Film „Experiment“ mit Moritz Bleibtreu z. B. wurden Menschen nach Zufallsprinzip in zwei Gruppen aufgeteilt: Häftlinge und Aufpasser. Diejenigen, die die Macht bekamen, über die anderen zu bestimmen, verhielten sich grausam und bestraften ihre Kommilitonen, als wären diese tatsächlich die schlimmsten Straftäter gewesen. Im anderen Experiment bekamen Probanden die Möglichkeit, andere Teilnehmer für kleine Fehler mit Stromschlag zu bestrafen und die Stromstärke selbst zu regulieren. Sie reizten diese Möglichkeit bis zur tödlichen Stromstärke aus. Wissenschaftler rätselten über die Motive, Beweggründe und über das „Bose“ im Menschen, das scheinbar immanent da ist, nur im Alltag sich kaum zeigt, aber oft dann, wenn es kritisch wird, im Stress oder bei Angst.

Ich will damit auf die heutige Situation hinaus. Ich bin mir sicher, dass die aktuelle Pandemie ebenfalls in die Geschichts- und Lehrbücher eingehen wird, nicht nur für die Mediziner, sondern auch für die Sozialpsychologen. Das Verhalten der Gesellschaft angesichts dieses Stresstests wird die Wissenschaftler noch lange beschäftigen. Wir erleben eine Pandemie der Konformität, Peinigung der Andersdenkenden, Sündenbock-Verhalten, Projektionen und Gegenprojektionen. Der gesunde Menschenverstand scheint ausgesetzt zu haben, es ist nicht möglich, sachlich miteinander zu sprechen ohne dass die Gemüte sich erhitzen.

Nicht das erste Mal in der Geschichte erleben wir die Spaltung, die Ausgrenzung des Andersartigen, die Lust, es von der Erdoberfläche verschwinden zu lassen. Leider ist unser Gedächtnis kurz und die Lernkurve flach.

Ich möchte noch ein Video mit euch teilen. Hier spricht eine Ethik-Professorin aus Kanada – einem behüteten Land, wo die Welt scheinbar noch in Ordnung ist. Doch auch dieses Bild trügt. Ihre Worte sind eindringlich.

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